Dümmer als die Polizei erlaubt

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Krimi-Nacht in Kressbronn: Ute Wehrle und Hans Jürgen Kugler amüsieren mit kuriosen Kriminalfällen aus Baden-Württemberg.
Krimi-Nacht in Kressbronn: Ute Wehrle und Hans Jürgen Kugler amüsieren mit kuriosen Kriminalfällen aus Baden-Württemberg. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Eine etwas kleinere Gruppe von bald vergnüglich vor sich hin schmunzelnden Zuhörern hat sich am Freitagabend im Leseraum der Bücherei zur zweiten Krimi-Nacht eingefunden. Unter dem Titel „Alles klar, Herr Kommissar?“ haben Ute Wehrle und Hans Jürgen Kugler aus ihrem gleichnamigen Buch gelesen.

Die beiden in Freiburg lebenden Journalisten haben über Jahre hinweg kuriose und skurrile Kriminalfälle in Baden-Württemberg gesammelt und ausgestaltet. Man müsse im Internet nur Begriffe wie „Igel“ und „Polizei“ eingeben und schon finde die Suchmaschine so manches, was einen schmunzeln lässt. Zum Beispiel die Story von einem zu neugierigen Igel, der seinen Kopf so tief in einen Joghurtbecher gesteckt hatte, dass er sich nicht mehr befreien konnte. Hilfreiche Menschen bemühten darum die Polizei. Die Pointe kommt am Ende: „Ob der Igel wohl gelernt hat, dass man seine Nase nicht ungestraft in fremde Dinge steckt?“ Die Vermenschlichung der Tiere kennt man von früher aus den Fabeln, kommt aber immer noch gut an.

Die Katze und der Staubsauger

Die beiden Autoren besitzen trockenen Humor und sie schildern alltägliche Begebenheiten detailgenau und so, als ob es die wichtigste Sache der Welt wäre. Das schlägt sich denn auch im Polizeibericht nieder, der nach jedem Einsatz anzufertigen ist. Wenn es da etwa heißt, dass der Igel oder der Waschbär oder die Katze einer eingehenden Belehrung unterzogen wurde, bleibt dem Zuhörer nur das Schmunzeln.

Auch Polizisten sind Menschen. Und die freuen sich, wenn ein Einsatz glimpflich verläuft, überraschende Lösungen findet. Man hört gespannt zu, wenn von einer älteren Frau erzählt wird, der es gar nicht geheuer ist ob der ungewohnten lauten Geräusche in der gerade leeren Wohnung über ihr. Immer wieder rumpelt es oben, der Staubsauger läuft, steht, dann das Ganze von vorne. Statt der Einbrecher findet die Polizei eine Katze, die entdeckt hatte, dass sie nur auf eine bestimmte Taste plumpsen musste, um das fauchende Gerät in Bewegung zu versetzen oder zu stoppen. Erleichterung bei allen Beteiligten. Ob allerdings die im Bericht erwähnte obligatorische Belehrung gefruchtet hat, war nicht zu erfahren.

Angeregt wurden die beiden Autoren durch Besuche im Freiburger Kriminalmuseum, in dem es auch um gar nicht spaßige Details wie diverse Arten des Suizids gehe. Vergnüglich dagegen sei eine Sammlung von Begebenheiten unter dem Titel „Dümmer als die Polizei erlaubt“. Da begegne man einem Soldaten, der zum Einbruch die Strumpfmaske über das Gesicht zieht, aber nicht an das Namensschild an seiner Uniform denkt. Oder man erlebe eine junge Frau, die gerade ihren Führerschein hat und, nachdem sie geblitzt wird, mit ihren Mitfahrerinnen quietschvergnügt noch mehrere Male die gleiche Route nimmt und es blitzen lässt. Dass hinterher zu allem anderen noch nachgeprüft wurde, ob sie überhaupt die charakterliche Eignung zum Führen eines Fahrzeugs aufweise, dürfte ihr weniger gut gefallen haben.

Zum Abschluss las Ute Wehrle einen Ausschnitt aus einem neuen Roman, in dem ein gestresster Vater mit seinem Sohn wandert. Als der auf eine Leiche stößt, endet die Lesung, denn jetzt ist der Zuhörer gespannt. Reicher Beifall, es hat Spaß gemacht.

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