BUND Kressbronn fordert klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit

Lesedauer: 5 Min
„Hier zeigt sich, wie sehr Wort und Tat voneinander abweichen können“: Der BUND kritisiert, das unter anderem Bildungszentrum, H
„Hier zeigt sich, wie sehr Wort und Tat voneinander abweichen können“: Der BUND kritisiert, das unter anderem Bildungszentrum, Hallenbad, Parkturn- und Seesporthalle durch das Blockheizkraftwerk unter Verwendung von Palmöl mit Wärme versorgt werden. (Foto: ah)
Schwäbische Zeitung

Die Gemeindeverwaltung arbeitet an einem Tourismusstatut für Kressbronn, in dem „sich die Gemeinde dazu bekennen soll, den Tourismus in allen Lebenslagen zu fördern und … diesen weiterzuentwickeln“. Und dies bei „ständiger Berücksichtigung nachhaltigen Handelns“. Diese Zielsetzung werde vom Ortsverein des BUND grundsätzlich sehr begrüßt, „da wir der Nachhaltigkeit allerhöchste Priorität einräumen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Doch die Naturschützer fragen sich, ob dieses Ziel ernsthaft verfolgt wird.

Nachhaltigkeit besage, dass die Bedürfnisse heutiger Generationen befriedigt werden, ohne die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zu gefährden. Eine nachhaltige Tourismusentwicklung müsse der Umweltqualität einen zentralen Stellenwert einräumen. Das bedeute, dass touristisches Wachstum die Belastung von Boden, Flächenverbrauch, Wasser, Luft und Klima nicht weiter anwachsen lassen dürfe. Solle der Tourismus auch langfristig profitabel bleiben, dann müssten Natur und Landschaft als nicht vermehrbare Ressourcen in ihrer biologischen Vielfalt erhalten werden.

„Soweit die Theorie“, heißt es in der Mitteilung. „Abgesehen davon, wer mit ,Gemeinde’ gemeint sein könnte – die Verwaltung oder auch die Gesamtheit der Bürger – und welche Verbindlichkeit das Statut für wen haben soll, stellt sich die Frage, ob gerade in Kressbronn solch eine Nachhaltigkeitsforderung wirklich ernsthaft verfolgt wird.“ Zweifel kämen angesichts der jüngsten Gemeindepolitik fast zwangsläufig auf.

Im Blockheizkraftwerk (BHKW) der Gemeinde werde Palmöl verheizt und damit touristische Infrastruktur (Kulturzentrum Lände, Hallenbad) mit Wärme versorgt. Angesichts der Zerstörung der Regenwälder dieser Erde halte selbst die EU inzwischen Palmöl nicht mehr für einen nachhaltigen Brennstoff, schreibt der BUND. Nur ein alemannisches Dorf am Ufer des Bodensees glaube es besser zu wissen und spare durch das Verbrennen von Palmöl jährlich ein paar Tausender. Ein vom Gemeinderat beschlossenen Strukturgutachten sollte laut Mitteilung Alternativen in der kommunalen Energiegewinnung aufzeigen. Was neulich in der Gemeinderatssitzung dabei herauskam, sei ein „Rezeptle“ zur Verbesserung des offensichtlich doch nicht so optimal laufenden BHKW. Man bekomme das, was man bestellt habe. BUND: „Hier zeigt sich, wie sehr Wort und Tat voneinander abweichen können.“

Weiterer Kritikpunkte der Umweltschützer: Die Mehrheit des Gemeinderates habe mit für viele nicht nachvollziehbaren Argumenten die Einrichtung einer Fahrradstraße nach Oberdorf verhindert. Momentan hänge die Umwidmung einer weiteren Straße (alte B 467 nach Tettnang) zur Fahrradstraße nur am Gemeinderat Kressbronn.

Die Gemeindeverwaltung schaue zu, wenn an der Ortsausfahrt (Richtung Friedrichshafen) völlig unnötig zwölf hochstämmige und das Ortsbild prägende, biologisch wertvolle Obstbäume umgesägt würden. Die Mehrheit des Gemeinderates befürworte den Bau eines Luxushotels mit bis zu 130 Zimmern direkt am Seeufer auf einer Fläche von 2,9 Hektar. Dazu müssten unter anderem sowohl das Landschaftsschutzgebiet als auch ein regionaler Grünzug aufgehoben werden. „Artenschutz, Hochwasserschutz und eine größere Zugänglichkeit des Bodenseeufers für die Menschen – also typische Nachhaltigkeitsaspekte – spielen dabei keine Rolle.“, stellen die Naturschützer fest.

Die Beispiele ließen sich laut BUND fortsetzen. Nachhaltigkeit sei ein ganzheitliches Konzept und könne nicht nach Lust, Laune und politischer Opportunität heute im Tourismus, morgen bei der Verkehrsinfrastruktur und übermorgen bei der Bauplanung eingesetzt werden. Solange nicht von Gemeinderat und Bürgermeister klare Bekenntnisse zur Nachhaltigkeit in der Kommune kämen und deren Umsetzung transparent angegangen werde, seien es nur belanglose Lippenbekenntnisse. Touristen, die auf Nachhaltigkeit Wert legen, aber auch immer mehr Kressbronner hätten dies bereits verstanden.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade