Bodan-Ausstellung: Die Zeit wird knapp

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Erneut hat es am Montagabend eine Bürgerversammlung zum Konzept der geplanten Dauerausstellung auf dem Bodan-Gelände gegeben. Dabei stellte der Historiker und Bodensee-Schifffahrtsexperte Michael Berg, der für die inhaltliche Aufbereitung der Ausstellung zuständig ist, seine Ideen vor. Im Mittelpunkt stand die anschließende Diskussionsrunde mit der Arbeitsgruppe, die sich an den Planungen beteiligen will. Da der Vertrag zwischen Gemeinde und Michael Berg bereits Ende August ausläuft, waren sich alle Beteiligten einig darüber, dass Eile geboten sei.

Wie berichtet, soll die Ausstellung ihren Platz in der sogenannten Halle 1, den Montagebereichen Nord und Süd sowie im Bürogebäude finden, die im Besitz der Gemeinde Kressbronn sind. Die Halle 1 wird dabei eine Durchgangsfunktion zum Seeufer haben sowie Tag und Nacht frei zugänglich sein. Im Bereich des ehemaligen Bürogebäudes entsteht zudem ein Aussichtspavillon, in dem ehemalige Mitarbeiter der Werft in Form von Audiodateien zu Wort kommen sollen.

Insgesamt sechs Stahlstelen, die über das gesamte Gelände verteilt aufgestellt werden, werden die Besucher mit Hintergrundinformationen versorgen. Eine Art Zeitstrahl soll die Gäste zudem von der Bodanstraße zur Halle 1 führen und in Form von in den Boden eingelassenen Tafeln die Geschichte der Werft chronologisch begehbar machen. In der Halle 1 könnte ein Werftmodell einen Eindruck vom letzten Bauzustand der Werft geben, während die Besucher sozusagen auf Knopfdruck Präsentationen in Bild und Ton über die bauliche Geschichte und Entwicklung der einzelnen Gebäudeteile auf eine Leinwand projizieren können.

Halle 1 zu zugig für Gastronomie?

Während der Bereich der Schlosserei und der Schreinerei ganzjährig bewirtet wird, soll auf dem sogenannten Hellingwagen ein Bistrodeck entstehen, welches saisonal betrieben wird. Doch hier äußerte Michael Berg Zweifel: Zum einen würde die große Halle damit nicht ausgefüllt, zum anderen sei der Ort selbst im Sommer recht zugig und nicht isoliert, weshalb er skeptisch sei, ob sich Gastronomie hier halten würde. Sein Vorschlag: Die „Munot“, ein ehemaliges Bodan-Schiff, das vor 80 Jahren auf der Bodan-Werft gebaut wurde und heute in den Niederlanden liegt, zurück an den See und in die Halle zu holen. Der Knackpunkt: Kosten in Höhe von über einer Million Euro für Kauf, Transport und Sanierung.

In der Runde kam die Idee dennoch gut an – wenn die Kostenfrage in Form von Zuschüssen und Anträgen geklärt werden könne. Doch das könne nur Aufgabe des Gemeinderats sein, waren sich die Anwesenden einig. In der Diskussionsrunde wurde zudem über Themen wie Vandalismus gesprochen, der nicht außer Acht gelassen werden dürfe – gerade, wenn die Ausstellung ständig zugänglich sei. Hubert-Max Schuh regte mit Blick auf den Wegfall der Aula in der Nonnenbachschule an, „den Aspekt des Theaterspielens nicht außer Acht zu lassen“ und schlug dafür die Halle 1 vor. Auch die Frage, inwieweit die Ausstellung in die Gegenwart reichen würde, wurde diskutiert. „Die Geschichte der Bodan-Werft endet für mich mit der Insolvenz“, so Berg. Er schlug eine begleitende Publikation vor, in die alle Informationen einfließen, die keinen Platz in der Ausstellung fänden. „Denn wir können hier von der Fülle der Informationen, die ich bisher gesammelt habe, nur einen kleinen Ausschnitt zeigen.“

„Sehr anspruchsvolle Aufgabe“

Immer wieder Thema der Diskussion: die fehlende Zeit. Gespräche mit Zeitzeugen, Sichten von Schriftstücken, Auswählen von Infos, die in die Ausstellung fließen sollen, Aufbereitung – all das sei „eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die mit sehr viel Idealismus“ verbunden sei, so Berg. „Wir müssen möglichst bald zu Entscheidungen kommen.“ Auch Kulturamtsleiterin Christina Raptis betonte, dass es deshalb wichtig sei, nicht immer wieder von vorne zu beginnen, sondern dass die Arbeitsgruppe nun ihre Arbeit aufnehmen sollte. Bei einem nächsten Treffen sollen die Aufgaben verteilt werden, sodass bis Ende August die inhaltliche Ausarbeitung fertig sei.

Derzeit liegt die „Munot“ in Holland und stehe seit rund drei Jahren zum Verkauf, wie Michael Berg erläuterte. Der Kaufpreis beträgt derzeit (von ursprünglich 300 000 Euro) inzwischen „nur“ noch 150 000 Euro. Da im kommenden Jahr die Betriebszulassung abläuft, ist der (günstigere) Transport über den Wasserweg nur noch bis 2017 möglich. Michael Berg sagte, dass Gespräche mit dem Denkmalamt ergeben hätten, dass die Gesamtkosten von rund einer Million Euro nicht allein die Gemeinde schultern müsse, da es Möglichkeiten zur finanziellen Förderung gebe.

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