Bernhard Rieger war ein glänzender Prediger

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Mit einem bewegenden Gottesdienst verabschieden sich die Kressbronner bend von ihrem Weihbischof Bernhard Rieger. (Foto: Albert Stöckle)
Schwäbische Zeitung

Mit einem bewegenden Gottesdienst haben die Kressbronner Abschied von ihrem Weihbischof Bernhard Rieger genommen. Seit seiner Pensionierung vor 17 Jahren lebte der sympathische Priester im Ferienhaus der Schwestern am Egg und übernahm bis zu seinem Unfall regelmäßig Gottesdienste in der Seegemeinde.

„Wir haben einen Menschen mit vielen Qualitäten verloren, einen Priester mit großer Wertschätzung und Ausstrahlung, einen Bischof, der so ganz anders war als man sich landläufig einen hochgestellten Kirchenmann vorstellt“, sagte Pfarrer Sigbert Baumann in seiner Predigt. Viele Jahre hat Baumann während seiner Zeit in Kressbronn und Gattnau mit Weihbischof Bernhard Rieger zusammengearbeitet, im Laufe der Zeit sind sie Freunde geworden. Heute verwaltet er Riegers Nachlass.

„Als unser Weihbischof Ende Juli 1996 seinen Ruhestand im Ferienhaus der Schwestern am Egg begann, schrieb er den Pfarrhaushälterinnen der Diözese, für die er bischöflicher Verantwortlicher war: ,Ich möchte im Ruhestand den Bauern bei der Ernte helfen, mich vielleicht zum späten Seemann entwickeln und für meine Sünden Buße tun‘“, berichtete Pfarrer Sigbert Baumann mit einem Schmunzeln. Zwar sei aus dem Seemann nichts geworden, doch er hielt Wort und half immer wieder Landwirten in Kressbronn bei der Arbeit. „Das war ein Stück seiner Menschlichkeit, der Menschennähe, die unseren Weihbischof kennzeichnete, auch wenn er andererseits sehr zurückhaltend war“, so Baumann in der vollbesetzten Kirche. Viele Freunde, Weggefährten aus der Seegemeinde waren unter den Kirchenbesuchern, aber auch aus Rottenburg kamen Trauergäste, die Bernhard Rieger aus seiner Zeit als Weihbischof dort kannten. Auch aus Reute war ein ganzer VW-Bus mit Reutener Franziskanerinnen angereist.

Tief getroffen habe Bernhard Rieger der Tod seiner Schwester vor fünf Jahren. „Er sprach von da ab oft von Einsamkeit und ließ so tief in sein Herz schauen, was sonst nicht seine Art war“, sagte Pfarrer Baumann. Ungeheuer diszipliniert sei er gewesen, korrekt und aufrecht, ohne Neid und Eifersucht, von großer Dankbarkeit bestimmt. „Außerdem war er ein glänzender Prediger. Die Leute – wir – hingen an seinen Lippen, sogar die Kinder. Er nahm alle mit, riss alle mit“, erinnerte sich Sigbert Baumann abschließend.

Weihbischof Bernhard Rieger ist nach einem eher glimpflich verlaufenen Sturz am vergangenen Mittwoch plötzlich an einer Lungenembolie verstorben.

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