„Bei uns macht es der Mix – von jedem etwas“

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Die Gesichter hinter Steckmich aus Kressbronn: Anika und Christoph Kienzle.
Die Gesichter hinter Steckmich aus Kressbronn: Anika und Christoph Kienzle. (Foto: Britta Baier)
Schwäbische Zeitung

Weil er selbst ein neues Bett gebraucht hat, ist Christoph Kienzle auf die Idee gekommen, Möbel zum Zusammenstecken zu entwerfen. Diese Idee fanden die Leser der Schwäbischen Zeitung so gut, dass sie Steckmich aus Kressbronn zu ihrem Lieblingsgründer gewählt haben. SZ-Redakteurin Britta Baier hat sich mit den beiden Kressbronnern Christoph und Anika Kienzle unterhalten, ob sie Ikea Möbel trotzdem gut finden und ob Hammer und Nägel jetzt der Vergangenheit angehören.

SZ: Haben Sie auch Möbel von Ikea bei sich zuhause stehen?

Anika Kienzle: Ja klar, das ein oder andere haben wir schon noch – aus unserer Studentenzeit. Bei uns macht es der Mix – von jedem etwas. Aber natürlich haben wir inzwischen auch einige Möbel aus unserer eigenen Serie – wie beispielsweise Kinderkleiderschrank, Kinderstuhl, Wickelkommode, unser Bett oder einige Regale. Das ist gut, wenn Kunden vorbeikommen, denn dann lassen sich die Produkte besser zeigen als allein auf dem Computer.

SZ: Wie lange gibt es Steckmich schon?

Christoph Kienzle: So richtig erst seit Januar –da ist unsere offizielle Homepage an den Start gegangen. Hauptberuflich bin ich als Projektentwickler bei den Zieglerschen tätig, zuvor war ich bei der Teba in Tettnang beim Architekturbüro Schumacher. Von daher hat es von der Idee bis zur Umsetzung ein bisschen gedauert, weil wir beide eben noch unsere richtigen Jobs haben. Vor dem Mutterschutz war Anika unter anderem bei einem Architekturbüro in Zürich und hat Möbel für das Headoffice von Google entworfen.

SZ: Kommt daher auch die Idee zu Steckmich?

Christoph Kienzle: Nein, das liegt schon länger zurück. Ich brauchte vor rund drei, vier Jahren ein neues Bett und war bei verschiedenen Möbelhäusern, bei denen mir aber entweder der Preis, das Design oder die Qualität nicht gefiel. Also habe ich zuhause ein Bett designt– ich wusste aber nicht, ob’s überhaupt funktioniert. Der Prototyp hatte noch ein paar Macken, aber da haben wir nachgebessert. Unsere Familie und Freunde fanden es richtig gut, sodass wir für sie immer wieder Möbel designt und gefertigt haben. Inzwischen gibt es eine ganze Serie mit Nachttisch, Sideboard oder Garderobe.

SZ: Und ich brauche weder Nägel, Schrauben noch einen ordentlichen Hammer?

Anika Kienzle: Ja genau – das war unsere Grundidee. Ich bin im Studium drei Mal umgezogen und ständig war man auf der Suche nach Schrauben und Inbusschlüssel. Außerdem wackelten nach einigen Malen die Schrauben – das hat genervt. Unser Bett lässt sich auch alleine aufbauen - und total platzsparend wieder zusammenstellen, wie beispielsweise bei einem Gästebett. Das System ist unheimlich flexibel und alles lässt sich relativ einfach individualisieren, weshalb die Preise bei uns immer gleich sind – wir rechnen nach Quadratmetern ab.

SZ: Gab es auch Probleme beim Sprung in das kalte Wasser?

Christoph Kienzle: Ja, klar – bei dem Bett hatten wir erst ganz schön scharfe Kanten, außerdem war es recht schwer mit dem Zusammenbauen, sodass man doch einen Hammer benötigte (lacht). Aber das haben wir alles verbessert und daraus gelernt.

SZ: Wie lange brauchen Sie, bis ein Entwurf bis zur Auslieferung fertig ist?

Anika Kienzle: So etwa drei bis vier Wochen. Im Online-Shop können sich Kunden quasi ihr eigenes Möbelstück zusammenstellen und wir gestalten den groben Entwurf dann am PC. Das dauert etwa eine Woche und dann etwa zwei bis drei Wochen, bis das Möbelstück in unserer Werkstatt hier in der Bodenseeregion produziert wurde. Wir könnten zwar im Ausland billiger produzieren, aber wir sind ein lokales Unternehmen und möchten, dass unsere Stücke um die Ecke gefertigt werden.

SZ: Können Sie davon leben?

Christoph Kienzle: Nein, im Moment noch nicht, dafür ist alles noch zu frisch. Wir haben inzwischen neben der Homepage auch Flyer und Visitenkarten, außerdem sind wir auf der Suche nach Händlern, die unsere Produkte verkaufen wollen. Immer mal wieder wollen wir uns außerdem auf Messen präsentieren. Im Kopf haben wir jetzt schon den Plan für einen Tisch – der wird sicher bald kommen. Außerdem würde ich aus aktuellem Anlass auch gern einen Kinderhochstuhl sowie ein Schaukelpferd zum Stecken basteln – aber da muss ich noch ein bisschen tüfteln (lacht).

Ein Video zu Steckmich gibt es unter www.schwaebische.de/steckmich. Weitere Infos unter

www.steckmich.de

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