Bauern diskutieren hitzig mit Politikern

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„Schwierige Produktionsbedingungen und jetzt noch ein Mindestlohn“: Kreisobmann Dieter Mainberger (links) erläutert den Grünen-Agrarpolitikern Friedrich Ostendorff MdB (Mitte) und Martin Hahn MdL (Zweiter von rechts) die Situation am praktischen Beispiel. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

Im Rahmen ihrer Tour durch den Bodenseekreis haben der Agrarsprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, und Landtagsabgeordneter Martin Hahn auch den Obsthof von Kreisbauernchef Dieter Mainberger in Poppis besucht. Bei der gemeinsamen Gesprächsrunde mit zahlreichen Obmännern und Bauern wurden die brennenden Themen um Mindestlohn, Umbruchverbot und Novellierung des Jagdgesetzes hitzig diskutiert.

Schon bei der Fahrt mit dem Erntezug durch die Kirschanlagen wies Kreisobmann Dieter Mainberger massiv auf die Diskrepanz zwischen Produktionskosten und Verbraucherpreise hin. „Hier werden die Spielräume künftig durch den Mindestlohn noch enger“, bezog sich der Bauernchef besonders auf die Erdbeererzeugung, wo die Lohnkosten momentan schon 80 Prozent ausmachen. Unterstützung bekam Mainberger vom Vorsitzenden der Obstregion, Helmut Jäger, der die Regionalität schwer gefährdet sieht. „Die Produktionsbedingungen und der Mindestlohn sind in unseren Nachbarländern wesentlich günstiger und daher stehen wir vollkommen unter Druck“, so Jäger.

Die Politiker waren sich hier einig: „Es wird immer Konkurrenzländer geben, die günstigere Mindestlöhne haben, daher gilt es die Regionalität durch Marketing zu stärken und Verhandlungen mit dem Handel zu führen“. Es wurde zudem vereinbart, eine Ausnahme vom Mindestlohn bei reinen Saisonarbeitskräften mit einer 50 Tage-Regelung zu erreichen. Als „Gängelung“ und praxisfremd sahen die Bauern die Umwandlung von Grünland zu Acker und auch die Hochstammausgleichsmaßnahmen. Einer der Obmänner konstatierte hierzu explizit: „Freiwillig würde ich bestimmt manchen Hochstamm oder ein Gebüsch pflanzen, wenn ich aber später damit Probleme habe, lass ich keinen mehr hochkommen“.

Den Vorwurf der „kalten Enteignung“ mussten sich die Politiker auch im Zusammenhang mit der Novellierung des Jagdgesetzes anhören. Hier sehen die Landwirte vorrangig die Interessen der Natur- und Tierschutzverbände berücksichtigt. Martin Hahn signalisierte Verständnis, meinte allerdings: „Ich glaube nicht, dass das Gesetz nochmals eingefangen wird, dennoch sollten wir versuchen, in gemeinsamen Gesprächen nach Kompromisslinien zu suchen“. Eine Frontalhaltung der Jäger und Bauern sieht er als schädlich und nicht zielführend.

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