Bade- und Liegeverbote unter Beschuss

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„Dieses Verbot trifft den Tourismus, die Region und die Einwohner Kressbronns“, sind sich die Grünen sicher.
„Dieses Verbot trifft den Tourismus, die Region und die Einwohner Kressbronns“, sind sich die Grünen sicher. (Foto: Andy Heinrich)

Die Grünen wenden sich im Vorfeld der Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 13. Dezember, mit verschiedenen Anträgen an Bürgermeister Daniel Enzensperger.

Neben der bereits laufenden Anfrage zum Kressbronner Ösch (die Schwäbische Zeitung berichtete) möchten die Gemeinderätinnen Silvia Queri und Sabine Witzigmann auch Klarheit über die zahlreichen Verbotsschilder am Kressbronner Seeufer und haben dazu ein Schreiben an das Regierungspräsidium Tübingen verfasst.

Bereits im Sommer hatte das Bade- und Lagerverbot im Seepark für hohe Wellen in Kressbronn gesorgt (die Schwäbische Zeitung berichtete). Anders als im Seegarten mit seinem Landesteg verhängte Bürgermeister Daniel Enzensperger für den Seepark ein Bade- und Liegeverbot und drohte bei Nichtbeachtung eine Strafe von bis zu 2000 Euro an.

Auch in der jüngsten Tourismusbeiratssitzung wurde das Thema angesprochen – denn Enzensperger kündigte an, dass sich die Gemeinde ein weiteres Mal dem Wettbewerb „Familienferien“ des Landes Baden-Württemberg stellen möchte.

"Keine positive Kommunikation"

Sven Armbruster gab jedoch zu bedenken, dass die Familienfreundlichkeit nicht allein über Betriebe, sondern auch über positive Nachrichten erzeugt werde: „Die zahlreichen Verbotsschilder unten am Seepark fördern keine positive Kommunikation – das ist wissenschaftlich erwiesen“, so Armbruster und verwies auf verschiedene wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema. Mit den Schildern werde keine Familienfreundlichkeit demonstriert.

Ähnlich äußern sich die Kressbronner Grünen: „Dieses Verbot trifft den Tourismus, die Region und die Einwohner Kressbronns. Nicht zu vergessen die bis zu 5000 Radler am Tag auf dem Bodensee-Fernradweg“, sagt Hans Steitz. Er hat sich mit einem Schreiben an das Regierungspräsidium Tübingen gewandt: „2016 wurde durch das Regierungspräsidium Tübingen eine Bürgerbeteiligung durchgeführt mit den Grundaussagen, dass durch den geplanten Uferweg keine Einschränkungen im Erholungsbereich Seeufer kommen werden.

Nun hat der Bürgermeister der Gemeinde Kressbronn im Alleingang für den gesamten Seepark und das Bodan-Areal umfassende Verbotsschilder aufstellen lassen. Nach diesen Verboten dürfte weder geschwommen noch liegend am Seeufer die Freizeit genossen werden“, schreibt Steitz darin. „Als Bürger, Anlieger und Vermieter von Ferienwohnungen halte ich diese Verbote für unzulässig und widerspricht den Aussagen, dass Kressbronn eine Tourismusgemeinde sein will“, sagt das Grünen-Mitglied. Er bittet darum, abzuklären, ob diese Verbotsschilder rechtens seien.

Darf man auf den Stufen sitzen?

Gleichzeitig erkundigen sich die Grünen beim Schultes, wann durch den Gemeinderat denn beschlossen worden sei, die Gebots- und Verbotsschilder mit den dortigen Kennzeichnungen für die Sektoren Seepark und Bodan-Promenade aufzustellen. Zudem sei das Schwimmen im Seepark und an der Bodan-Promenade verboten – doch aufgrund welcher Rechtsgrundlage, fragen die Grünen.

Interessant sei zudem, ob das Schwimmverbot auch für den geplanten Uferaufschüttungsbereich zwischen Seepark und Seegarten gelte. Als letzter Punkt wird das Sitz- und Liegeverbot hinterfragt: „Im Seepark und der Bodan-Promenade wird das Sitzen/Liegen verboten. „Aufgrund welcher Rechtsgrundlage? Gilt das auch für die Fönschutzmauer, Sitzstufen und den Uferaufschüttungsbereich?“, fragen die Grünen abschließend.

Wie berichtet haben die Gemeinderätinnen Martina Knappert-Hiese (GUBB), Silvia Queri und Sabine Witzigmann (beide Grüne) Bürgermeister Daniel Enzensperger in einer Pressemitteilung aufgefordert, öffentlich Stellung zum Kressbronner Ösch zu beziehen. Während Enzensperger zunächst ankündigte, sich per Pressemitteilung äußern zu wollen, soll dies nun in der Gemeinderatssitzung im Januar geschehen.

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