Bürgerbus Kressbronn möchte variabler werden

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 Der Bürgerbus-Vorstand (von links) mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Manfred Anger, dem ersten Vorsitzenden Gerd Voß und K
Der Bürgerbus-Vorstand (von links) mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Manfred Anger, dem ersten Vorsitzenden Gerd Voß und Kassierer Peter Paulus. (Foto: Olaf E. Jahnke)
Olaf E. Jahnke

Gerade mal ein Dutzend Mitglieder haben sich am Dienstagabend im Hotel „Zur Kapelle“ zur Hauptversammlung des Bürgerbus Kressbronn eingefunden. In seinem Bericht ging der Vorsitzende Gerd Voß auf verschiedene Aktivitäten des Vereins ein. Das reichte von der Einweihungsfeier für das neue Fahrzeug bis zu Maßnahmen der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Nach dem „Linienverkehr“ sei man nun in Richtung „Flächenverkehr“ und „Rufbusverkehr“ unterwegs. Der Verein möchte mit der Gemeinde über mögliche Veränderungen reden. So zeichne sich für den Rufdienst eher eine Tendenz in Richtung „Sozialer Fahrdienst“ ab.

Den Kassenbericht stellte Kassierer Peter Paulus vor und präsentierte ein ausgeglichenes Ergebnis. Die Einnahmen von 1,50 Euro pro Fahrt gingen direkt an die Gemeinde. Nach unbeanstandeter Prüfung durch die Kassenprüfer erfolgte die Entlastung des Vorstandes einstimmig.

Der stellvertretende Vorsitzende Manfred Anger sprach anschließend über weitere Perspektiven darunter das „Rufsystem im Flächenverkehr“. Derzeit habe man ein Rufbussystem nach Punktsektor mit einer Stunde Voranmeldung. Statt einen Fahrplan nach Bedarf aufzustellen, sei man seither gezwungen gewesen, einer festgelegten Route im Richtungsbandverkehr zu folgen. Das sei aber schon eine Verbesserung zum Fahrplan- und Linienverkehr gewesen. Denn statt mit 20 0000 Fahrtkilometern sei man inzwischen mit 9000 Fahrtkilometern und kaum Leerfahrten wesentlich besser aufgestellt. Angerer betonte: „Wir wünschen uns noch mehr Flexibilität – die nächste Stufe wäre der Flächenverkehr.“ Die Disposition müsste den Startpunkt klären, die aktuelle Reihenfolge festlegen, die improvisiert oder nach sinnvoller Wegstrecke ausgearbeitet werde. Angerer sagte: „Wir sind ja im Verkehrsverbund Bodo – und als Linie 635 immer noch eine öffentliche Fahrdienstlinie.“

Daher müsse der Bürgerbus eine mögliche Konkurrenz zum ÖPNV und zu Taxen vermeiden. Einzelaufträge werden nicht von Haus zu Haus, sondern von Haltepunkt zu Haltepunkt durchgeführt. Kernstück sei und bleibe eine intelligente Software, die Bodo auch für den Flächenverkehr liefert. Mehr Haltepunkte, kurze Wege und besseres Eingehen auf Zeitwünsche seien Verbesserungen. Perspektive könne laut Anger sein, über Kressbronns Grenzen hinaus Fahrdienste anzubieten. Anger wünscht sich, mehr für Kressbronner Bürger und Menschen mit Einschränkungen zu fahren, weniger für Touristen.

Wenig Engagement der Gemeinde

Im Vergleich biete man mehr Fahrtage und Fahrzeiten als beispielsweise das Tettnanger Modell. Als Beispiel nannte der Vizevorsitzende auch Salem, das ganz ohne Fahrtkostengebühr auskäme, sogar noch eine Aufwandsentschädigung für die Fahrer zahle und rund 100 000 Euro pro Jahr dem Bürgerbusverein zur Verfügung stelle. Einen adäquaten Betrag würde man sich vonseiten der Gemeinde auch wünschen. Auf die Erhebung von Entgelt würde der Bürgerbusverein dagegen wohl lieber verzichten.

Voß wies darauf hin, dass dringend neue Fahrer gebraucht werden. Außerdem wünschten sich der Vorstandsvorsitzende und sein Stellvertreter für einen flexibleren Flächenverkehr Mitarbeit, Mithilfe und Ideen von den Mitgliedern.

In der Aussprache deutete sich an, man erlebe, dass das Engagement von Gemeinde und Verwaltung zu wünschen übrig lasse. Überwiegend wurde Kritisches geäußert. Tenor der Aussprache war, dass man eine soziale Aufgabe für ältere Menschen wahrnehmen wolle und mit ökologischen Aspekten oder als Alternative zur „Echt-Bodensee-Card“ punkten könne.

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