Bürger wollen Lärmschutzwand selbst stemmen

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Zwischen Araltankstelle (rechts, nicht im Bild) und dem Max und Moritz (links, nicht im Bild) soll an der Bundesstraße 31 eine e
Zwischen Araltankstelle (rechts, nicht im Bild) und dem Max und Moritz (links, nicht im Bild) soll an der Bundesstraße 31 eine e (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung

Wenn es nach einer Gruppe von rund zehn Kressbronnern geht, dann hat Kressbronn im laufe des kommenden Jahres eine Lärmschutzwand an der Bundesstraße 31. „Das wäre eine Riesenaufwertung für Berg, für den ganzen Ort“, ist sich Alexander Stadler vom Gasthof Max- und Moritz sicher. Ein grundsätzliches Einverständnis vom Regierungspräsidium Tübingen haben die Engagierten bereits – und auch die Idee für die Finanzierung steht: Mittels einer Photovoltaikanlage auf der Wand soll Energie an Firmen verkauft werden.

Doch der Reihe nach: Die Idee spukt Wolfram Wäscher aus Berg schon länger im Kopf herum. So habe es vor etwa vier Jahren ein Gespräch mit dem Regierungspräsidium Tübingen und dem damaligen Bürgermeister Edwin Weiß gegeben, die grundsätzlich dem Projekt zugestimmt hätten, wie Wolfram Wäscher im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung schildert. Doch die gesamte Finanzierung war der Gruppe von etwa zehn Bürgern – überwiegend aus dem Ortsteil Berg – dann doch zu viel. „Also brauchten wir eine Lösung, wie wir die Wand selbst stemmen können und sind auf die Idee mit Photovoltaik gekommen“, so Wolfram Wäscher.

Weil die Bundesstraße von Ost nach West verläuft, gibt es hier die perfekte Sonneneinstrahlung für eine solche Anlage. Geplant ist ein Stück von der Araltankstelle rund 200 Meter nach Osten – unterhalb vom Gasthaus Max- und Moritz vorbei. Die Wärme wird in einen sogenannten Eisspeicher abgeführt und dort aufgehoben, sodass „größere Betriebe mit Strom versorgt werden können“, ist sich Wäscher sicher und ergänzt: „Das Konzept ist bereits in der Patentanmeldung“. Zwischen den Photovoltaikmodulen sollen außerdem Flächen entstehen, „auf denen der Feinstaub kleben bleibt – wie bei dem Lotusblüteneeffekt sozusagen“. Dieser kann schließlich abgespült werden, ohne die Umwelt zu belasten. „Eine bürgerfinanzierte Lärmschutzwand, die einen grünen Beitrag leistet“, bringt es der Geschäftsmann aus Berg auf den Punkt. Inzwischen haben die Engagierten auch mit Bürgermeister Daniel Enzensperger gesprochen, außerdem sollen in diesem Jahr die Bauanträge auf den Weg gebracht werden, glaubt Wäscher. „Wir sehen 2016 als Planjahr, sodass wir 2017 an die Umsetzung gehen können“..

Zeitschiene zu optimistisch

„Die Zeitschiene halte ich für zu optimistisch, aber das Projekt an sich halte ich nicht grundsätzlich für unmöglich“, sagt Bürgermeister Daniel Enzensperger. Die Verkehrsbelastung für Berg durch die Bundesstraße sei nicht zu verharmlosen, weshalb er froh sei, „wenn wir die Berger Bürger durch die Wand entlasten können“, so Enzensperger im Gespräch mit der SZ

„Berg ist eigentlich ein schönes, ruhiges Fleckchen, wenn die Bundesstraße nicht wäre. Deshalb war es immer mein Traum, der Lärm muss irgendwann weg“, sagt Alexander Stadler vom Gasthof Max- und Moritz. Auch er setzt sich deshalb für die Lärmschutzwand ein. „Allerdings machen wir das alle ohne jeglichen Druck, das ist eher ein Hobby“, so Stadler. Seit dem vergangenen Jahr sitzt die „coole Truppe“, wie Stadler die Engagierten nennt, regelmäßig alle vier, fünf Wochen zusammen und arbeitet daran, den Plan umzusetzen. Auch der Gastronom will später seinen Strom aus der Wand beziehen.

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