Als der Mähdrescher noch Blähmühle hieß

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Werner Schlegel vom Verein zur Erhaltung der Hofanlage Milz (links) und Christoph Schmid erklärten den Besuchern beim Tag des of
Werner Schlegel vom Verein zur Erhaltung der Hofanlage Milz (links) und Christoph Schmid erklärten den Besuchern beim Tag des of (Foto: Linda Egger)
Schwäbische Zeitung
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Anlässlich des Tages des offenen Denkmals, der einmal jährlich deutschlandweit stattfindet und in diesem Jahr ganz im Zeichen von Handwerk, Technik und Industrie stand, hat sich am Sonntag auf der Hofanlage Milz in Retterschen alles um landwirtschaftliche Arbeitsgeräte und Maschinen gedreht, getreu dem Motto „von der Muskelkraft zum Treibriemen“.

Aus der heutigen Landwirtschaft sind Traktoren, vollautomatische Mähdrescher und andere Maschinen längst nicht mehr wegzudenken. Doch bevor die Mechanisierung in der Landwirtschaft Einzug hielt, mussten die Bauern auf andere Hilfsmittel zurückgreifen.

„Dass die Maschinisierung überhaupt so stattfinden konnte, wurde vor allem durch zwei Aspekte ermöglicht: Die Stromversorgung und den Landmaschinenhandel“, erklärt Petra Sachs-Gleich von der Hofanlage Milz. In Kressbronn wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen hat auch der Landmaschinenbetrieb Schmid, an dessen Geschichte in einer kleinen Präsentation ebenfalls erinnert wurde. Durch ein Verzeichnis aus dem Jahr 1940 lässt sich nachvollziehen, wie der Maschinenbestand auf dem Hof um diese Zeit ausgesehen hat.

Weitaus mühsamer als heute

Viele der Originale sind noch erhalten und konnten von den Besuchern in einer Ausstellung bestaunt werden, fehlende Teile wurden teilweise durch private Leihgaben ergänzt. So gab es im Heustock des Kulturdenkmales beispielsweise eine historische Obstspritze aus den 1930er Jahren zu sehen. Was heute mit Traktorantrieb und einem großen Ventilator funktioniert, wurde früher mit einer von einem Elektromotor betriebenen Pumpe erledigt und zunächst auch noch von Pferden gezogen.

Weitaus mühsamer als heute war einst auch das Mähen einer Wiese, musste der sogenannte Messerbalken doch über Räder mit einem Exzenter angetrieben werden. „Weder ein Pferd allein noch zwei Kühe konnten das Gerät ziehen, dafür waren schon zwei kräftige Pferde notwendig“, weiß Christoph Schmid, dessen Großvater 1903 den Kressbronner Landmaschinenbetrieb gründete. „Von den 1920er Jahren bis circa 1955 wurden diese Maschinen so gebaut, erst als sich Traktoren durchsetzten, hat man das Mähwerk direkt an den Traktor gebaut“, so Schmid weiter. Weitere Gegenstände der Ausstellung waren beispielsweise ein sogenannter Stiftendrescher, eine Windmühle, im Schwäbischen auch Blähmühle genannt, sowie ein Pflug, ein Futterschneider und ein Heuwender.

Einige Maschinen, wie beispielsweise die hofeigene Kreissäge, konnten dabei nur unter Einsatz eines fahrbaren Elektromotors betrieben werden. „Retterschen wurde 1920 flächendeckend an die Stromversorgung angeschlossen“, so Petra Sachs-Gleich.

Trotz eines kurzen Regengusses zeigte sie sich zufrieden mit der Veranstaltung: „Bei schönem Wetter wär’s natürlich ideal gewesen, aber wir sind zufrieden mit der Besucherzahl“, erklärt sie und fügt hinzu: „Das Interesse an den Führungen war sehr groß – anstatt der geplanten zwei Führungen haben wir letztendlich sechs gemacht.“ Für das leibliche Wohl war durch den Wald- und Naturkindergarten Kressbronn sowie frische Leckereien aus dem Backhaus gesorgt. Der Kressbronner Seniorenchor rundete den Tag zudem mit einem Konzert ab.

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