Abschied in großer Dankbarkeit von Ehrenbürger Franz Frick

Lesedauer: 7 Min
Immer einen Sinn für Humor: Altbürgermeister Franz Frick beim Empfang zu seiem 100. Geburtstag im Jahr 2010 mit Bürgermeister Ed (Foto: Britta Baier)
Schwäbische Zeitung
Helmut Hornikel

Ein wahrlich erfülltes Leben ist vollendet. Ehrenbürger Franz Frick ist am Dienstag verstorben und sein Tod führt noch einmal vor Augen, was dieser Mann mit gottgesegnetem Alter und bewundernswert wachem Geist für „sein“ Kressbronn geleistet hat. Mit einem fundierten Fachwissen, dazu einer besonderen Spürnase für die Zukunft, unermüdlichem Einsatz und Durchsetzungsvermögen war er in den Nachkriegsjahren der richtige Mann zur rechten Zeit am richtigen Platz, um die Gemeinde voranzubringen.

1936 begann sein Start als Praktikant in Kressbronn. Danach blieb Franz Frick der Kriegsdienst nicht erspart. 1946 erfolgte die Rathaus-Karriere der Nachkriegszeit als Inspektor, 1952 wurde er Gemeindepfleger, ehe er 1954 zum Bürgermeister gewählt wurde. Aufgaben in unendlich vielen Bereichen hatten sich da aufgetürmt und Frick ging sie mit Dynamik an. „Man muss Chancen ergreifen, wenn sie da sind“, war seine Maxime, und er schonte sich dabei nicht. War immer einen Tick schneller als andere, wobei er die damals noch möglichen Freiräume auch mit einer gewissen Schlitzohrigkeit zugunsten seiner Gemeinde zu nutzen wusste.

Wichtige Anliegen waren für Franz Frick, im Ort den Wohnungsbau voran zu bringen, die Verwaltungsgemeinschaft mit Langenargen, Eriskirch voranzubringen und den Schulstandort Kressbronn zu sichern. Mit Langenargen wurde eine der ersten Kläranlagen am See gebaut und Kressbronn gehörte zu den ersten Gemeinden im Land, die mit der Kanalisation begannen. Mit geringer Finanzausstattung hat Frick immer das Optimale aus allem herausgeholt. Er hatte den berühmten Riecher dafür, wo etwas zu holen war, und wenn mal behördliche Bremsen drohten, übernahm er einfach die Befehlsgewalt vor Ort. Weitblick zeigte er auch beim Bau der Festhalle, deren Dach erstaunlich lange dicht geblieben war. Schon in den Fünfzigerjahren wurde die Jugendmusikschule gegründet, die Infrastruktur des Ortes verbessert und viele weitere Aufgaben angepackt. Seine größte Sorge war damals der Anschluss des Campingplatzes an die Kanalisation. Bei seinen Ortsbegehungen entging seinem Auge kein einziger Missstand. Frick war auch ab 1955 im sechsköpfigen Tettnanger Kreisrat – einer damals besonderen Vertrauensstellung.

Als Frick 1974 in den Ruhestand ging, ehrte ihn die Gemeinde spontan mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft. Manchen schien dies damals verfrüht, vielleicht auch unpassend, denn Franz Frick hat zu den Bürgern in Amtszeiten stets Distanz gehalten, was wiederum seiner Unabhängigkeit zustattenkam. Für berechtigte Anliegen hatte er allerdings stets ein offenes Ohr. Er liebte auch die Vereine: „Sie sind das beste Mittel, die Jugend von Abwegen fernzuhalten“, war seine Devise. Als die Gemeinde 1980 mit der Bürgerplakette einen weiteren Ehrungsstatus eingerichtet hat, war Franz Frick deren erster Inhaber.

Zwei Ereignisse blieben dem in Ehren und Ansehen geachteten Bürgermeister immer verhaftet: Als 1967 Bundeskanzler Kiesinger in Kressbronn Urlaub machte, die Politgrößen wie Wehner, Brandt, Strauß und Co. hier zu Gesprächen vorbei schauten, vom „Kressbronner Kreis“ die Rede war und Gäste in Scharen kamen, da hatte Franz Frick als Organisator einiges für die hohen Herren auf die Beine zu stellen. Ebenso bei der Seegfrörne 1963, als von Rorschach 500 Personen über den See wanderten und er für Verköstigung und Heimfahrt sorgen musste. Es war der Beginn einer heute noch gepflegten Freundschaft und Frick hat damals diese Seltenheit genützt, um dreimal über den See zu gehen.

Bis in die letzten Lebenstage war Franz Frick mit geistiger Frische gesegnet und mit einer guten Portion Humor versehen. Als Rathaus-Chef war er eine Autorität, ohne autoritär zu wirken. Während seiner Amtszeit hat sich der Verstorbene für seine Gemeinde aufgeopfert, nur wenig Freizeit gegönnt. Doch wer viel bewegt hat, fällt auch hinterher nicht in ein tiefes Loch. Franz Frick war immer ein begeisterter Wanderer, Weltenbummler und doch wieder gern daheim in seinem Haus am Ottenberg, bei seinem Angelsportverein, der Soldatenkameradschaft, den Verwaltungsbeamten und bei Veranstaltungen im Ort als stets gern gesehener Gast. Jahrzehntelang war er ein stiller Förderer des Kinderdorfes Ellwangen.

Liebenswert und geachtet

Von einem Unfall im vergangenen Jahr erholte er sich relativ gut, musste aber Abschied nehmen von seinem geliebten Heim. Die letzten Monate verbrachte er im Seniorenheim in Hege, wo er sich beim Besuch noch sorgte, dass sein Gehör nachlässt und die andern rundum alles hören können, was man schwätzt. So war er – liebenswert, geachtet, ein Mensch, zu dem man nicht nur seiner großen Statur wegen aufschaute. Jetzt, zu seinem Tod, erinnert man sich auch an jene unvergessliche Stunde mit ihm auf seiner Terrasse zu seinem Neunziger und an das Schlusswort: „Solch einem Mann sollte der Herrgott, ja darf er fast nicht, den Hunderter verwehren...“ Das hat er auch eingehalten und ihn erst danach zu sich heimgeholt.

Die Trauerfeier findet am Montag, 25. Juni, um 14 Uhr in der katholischen Kirche statt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen