Ärger um Aussage „drei Jahre Krieg“

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Schwäbische Zeitung

SPD-Gemeinderat Roland Rösch hat sich in einem offenen Brief an Bürgermeister a.D. Edwin Weiß gewandt. Grund ist eine Äußerung des Altbürgermeisters vergangene Woche, als er bei der Übergabe des Förderbescheids durch Minister Guido Wolf von „drei Jahren Krieg“ in Kressbronn im Hinblick auf die Bebauung des Bodan-Areals gesprochen hat (die Schwäbische Zeitung berichtete). Rösch appelliert an Edwin Weiß, diese Aussage öffentlich zurückzunehmen.

Was war passiert? Vergangenen Freitag hatte Minister Guido Wolf Kressbronn besucht. Dabei überreichte er Bürgermeister Daniel Enzensperger den Förderbescheid über 750 000 Euro für den zweiten Bauabschnitt der Bodan-Promenade, die vermutlich Mitte 2018 fertiggestellt sein soll (die SZ berichtete). In seiner kleinen Ansprache meinte der Minister, dass er sich vorstellen könne, „dass hier in Kressbronn im Vorfeld nicht alles ganz geräuschlos abgelaufen sei“, worauf Edwin Weiß mit einem Schmunzeln einwarf: „Das waren drei Jahre Krieg.“

Auf diese Äußerung bezieht sich SPD-Gemeinderat Roland Rösch jetzt in seinem offenen Brief: „Die Jahre im Gemeinderat während dieser Zeit waren sehr anstrengend, aber es war ein durch und durch demokratischer Prozess, der letztlich zu einer Mehrheit für die Bodanbebauung geführt hat.“ Durch diesen demokratischen Prozess sei die Bodanbebauung zwar etwas anders als ursprünglich geplant worden. Das Ergebnis beweise aber, „dass demokratische Abläufe oft anstrengend sind und länger dauern als einsame Entscheidungen, dass aber meistens letztlich etwas Besseres entsteht. Die Entscheidung der Mehrheit des Gemeinderates ist – obwohl ich nach langem auch persönlichem Überlegen dagegen gestimmt hatte – für mich auch heute massgebend und bindend“, heißt es in dem Schreiben.

Und weiter: „Mit ihrer Aussage, dass es sich bei diesem demokratischen Prozess um ,drei Jahre Krieg’ gehandelt hat, treten sie nachträglich diesen demokratischen Prozess mit Füssen, zeigen ihre Verachtung für den damaligen Gemeinderat und spielen den in unserer Gesellschaft leider immer mehr Raum gewinnenden Kräften in die Hände, die Demokratie als etwas Unnützes und Überflüssiges ansehen. Ich appelliere daher an Sie, diese Aussage öffentlich zurückzunehmen“, schließt Roland Rösch seinen Brief.

Etwas mehr Gelassenheit täte gut

Und was sagt der ehemalige Bürgermeister Edwin Weiß? „Allein die Tatsache, dass ich die Aussage mit einem Schmunzeln gemacht habe, lässt eine gewisse Ernsthaftigkeit bezweifeln. Dieser lockere Spruch war mit Sicherheit nicht auf den demokratischen Entscheidungsprozess im Gemeinderat gemünzt, der sich ja überwiegend objektiv und sachlich gestaltet hat – im Gegensatz zu mancher Leserbrief-Kampagne. Ich empfehle bei diesem Thema etwas mehr Gelassenheit an den Tag zu legen.“

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