Raubüberfall: Angeklagte belasten sich gegenseitig - und einen Unbekannten

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 Sechs Männer stehen seit Donnerstag vor dem Landgericht in Konstanz.
Sechs Männer stehen seit Donnerstag vor dem Landgericht in Konstanz. (Foto: David-Wolfgang Ebener)

Sechs Männer müssen sich seit Donnerstag wegen schweren Raubes und gewerbsmäßiger Bandenhehlerei vor dem Landgericht Konstanz verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, am 23. Mai 2018 gewaltsam in ein Wohnhaus in der Bernhardstraße in Markdorf eingedrungen zu sein.

Wie der Staatsanwalt in seiner Anklage verlas, sollen vier maskierte Männer die drei Bewohner des Hauses – einen Mann, seine Frau und den Sohn – geweckt haben. Sie sollen die Geschädigten mit Klebeband gefesselt und aufgefordert haben, ihnen Bargeld und Schmuck zu geben. „Weil die Angeklagten sie mit Waffen bedrohten, leisteten sie keinen Widerstand und duldeten die Handlung der Angeklagten“, sagte er. Nachdem sie das Haus vom Dachgeschoss bis zum Keller auch nach einem Tresor durchsucht hatten, verließen sie es laut Anklage mit Beute im Wert von rund 45 000 Euro wieder.

Opfer gefesselt zurückgelassen

Ihre Opfer ließen sie gefesselt zurück, außerdem sollen sie deren Handys und das Festnetztelefon versteckt haben, damit sie die Polizei nicht sofort verständigen konnten. Einer der Angeklagten sei an dieser Tat nicht direkt beteiligt gewesen, habe aber im Internet recherchiert, wieviel die gestohlenen Uhren wert seien. Außerdem habe er sie mit Zertifikaten zum Verkauf angeboten. Die Uhren seien zum Verkauf nach Albanien gebracht worden, wo ein möglicher Käufer den Preis auf 10 000 Euro heruntergehandelt habe.

Die Angeklagten sind zwischen 22 und 34 Jahre alt und haben teils die kosovarische, teils die bosnische Staatsbürgerschaft. Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußerten sich am Donnerstag nur zwei von ihnen. Allerdings wichen die Darstellungen der Männer, die beide arbeitslos und drogenabhängig sind, deutlich voneinander ab und sie belasteten sich gegenseitig.

Terrassentür aufgebrochen

Ein 24-Jähriger, der eigenen Angaben zufolge bereits als Kind einige Jahre in Bayern gelebt hat und gut Deutsch spricht, gab an, mit den anderen Angeklagten zwar etwas Zeit verbracht zu haben. Von deren Plänen will er aber lange Zeit nichts gewusst haben. In einem spontanen Chat habe ihm ein 22 Jahre alter Bekannter gesagt, dass er nach Ravensburg fahre, um dort „Geld zu machen“. Er sei mitgekommen, habe die anderen aber nicht gekannt, sie hätten auch nicht viel gesprochen. „Ich kann nicht sagen, dass ein Überfall besprochen wurde“, betonte er. Auf einmal habe der 22-Jährige gesagt: „Jetzt geht’s los.“ Sie seien nach Markdorf zu dem Haus in der Bernhardstraße gefahren, hätten ein paar Stunden in einem Wald in Sichtweite verbracht. Später seien sie in die Nähe des Hauses gefahren und hätten sich maskiert. Weil er davon aber nichts gewusst habe, habe er dafür ein T-Shirt verwendet. Er habe nur Wache stehen sollen. Der 22-Jährige habe ihm versichert, dass keiner zu Hause sei, doch dann sei ein Motorrad angekommen. Zunächst hätten sie sich zurückgezogen, dann hätte aber der 22-Jährige mit einem der anderen die Terrassentür aufgebrochen. Sie hätten ihn überredet, mit ins Haus zu gehen, damit er übersetzen könne. Bald sei ihm klar geworden, dass sich doch Menschen im Haus befinden. „Ich weiß nicht mehr, wer zuerst aus seinem Zimmer gezogen wurde“, sagte er.

Täter schwer bewaffnet

Der 22-Jährige habe eine Pistole in der Hand gehabt, die anderen beiden jeweils ein Messer. Zusammen mit dem 22-Jährigen habe er den Mann aus seinem Zimmer geholt, die anderen den Sohn und die Frau. Er habe auf sie aufgepasst, während die anderen das Haus durchsuchten. Sie hätten Geld und Gold gefordert und einen Tresor gesucht. Was sie gefunden haben, wisse er nicht. „Ich habe nur die Uhren gesehen“, sagte er. Schließlich hätten sie die Geschädigten in eines der Zimmer gebracht und gefesselt. Weil die Frau sie gebeten habe, die Handys nicht mitzunehmen, hätten sie sie dagelassen.

Laut dem 24-Jährigen verließen sie das Haus, stiegen ins Auto und fuhren davon. Ein Reifen sei kaputtgegangen, weshalb sie bei einer Tankstelle stoppten. Es seien zwei Polizeiautos vorbeigefahren, eines sei sogar in die Tankstelle gefahren. Doch sie hätten sich nicht bewegt und seien nicht entdeckt worden.

Mit der Beute ins Bordell

Von der Beute habe er einen Anteil von 1500 Euro bekommen, sagte der 24-Jährige, der von sich sagt, dass er drogenabhängig sei. 300 Euro davon habe er direkt in Oberhausen bei einem „Kokain-Deal“ ausgegeben, dann habe er ein Bordell besucht.

Ganz anders schilderte der 22-Jährige die Situation. Er sei nur der Fahrer gewesen, schilderte er stark stotternd auf Albanisch. Auch der Mann, bei dem sie in der ersten Nacht in Ravensburg untergekommen seien, habe damit nichts zu tun. Sie seien alle besoffen und berauscht von Kokain gewesen, sagte er. „Wir wollten keinen Raub ausüben. Wir wollten zurück nach Düsseldorf“, sagte er. Dafür habe aber das Geld gefehlt. Eigentlich hätten sie vorgehabt, eine Bäckerei zu bestehlen, als sie das Haus entdeckt haben. Er wollte nicht sagen, wer den Überfall verübt hat. Als Haupttäter brachte er einen Cousin oder Großcousin des 24-Jährigen ins Spiel, der aber nicht zu den Angeklagten zählt. Der habe nach dem Verkauf der Uhren auch das meiste Geld bekommen.

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