Nazi-Vergangenheit: Konstanzer Gemeinderat erkennt Ehrenbürgertitel ab

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 Conrad Gröber wurde 1932 von Papst Pius XI. zum Erzbischof von Freiburg ernannt. Er ist wegen seiner Rolle in der NS-Zeit umstr
Conrad Gröber wurde 1932 von Papst Pius XI. zum Erzbischof von Freiburg ernannt. Er ist wegen seiner Rolle in der NS-Zeit umstritten. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Digitalredakteur

Der Konstanzer Gemeinderat hat beschlossen, die Ehrenbürgerwürde für Franz Knapp, Conrad Gröber und Paul von Hindenburg abzuerkennen. Ein symbolischer Akt, heißt es in einer Mitteilung der Stadt, da die Ehrenbürgerwürde mit dem Tod der Person erlösche.

Franz Knapp war Oberbürgermeister von Konstanz und wurde in seiner Funktion als städtischer Rechtsrat zu einem Repräsentanten des NS-Regimes in Konstanz. Unter Androhung der Zwangsvollstreckung veranlasste er etwa die Eintreibung der Abbruchkosten der am 10. November 1938 zerstörten Synagoge bei der kaum handlungsfähigen Israelitischen Gemeinde und leitete bald darauf die „Arisierung“ des Grundstücks zugunsten der Stadt in die Wege.

Forschung weist NS-Vergangenheit nach

Auch die positive Einstellung des Konstanzer Pfarrers und späteren Erzbischofs von Freiburg, Conrad Gröber, gegenüber dem NS-Regime in den Jahren 1933/34, seine fördernde Mitgliedschaft in der SS und sein vielfach belegter Antijudaismus seien mittlerweile durch die Zeitgeschichtsforschung erwiesen, heißt es in der Mitteilung.

Auch in Gröbers Geburtsstadt Meßkirch, wo er Ehrenbürger ist, wird die Rolle des Bischofs im Nationalsozialismus kontrovers diskutiert. Gröber war früh Anhänger der Nationalsozialisten, SS-Mitglied und bekannt für antisemitische Tiraden in Predigten. In späteren Schriften verurteilte er allerdings die Ermordung von Behinderten durch die Nationalsozialisten scharf und protestierte gegen den Aufruf zum "Judenboykott" gegen jüdische Geschäfte, Warenhäuser, Banken, Arztpraxen, Rechtsanwalts- und Notarkanzleien.

Paul von Hindenburg traf als Reichspräsident am 30. Januar 1933 den Entschluss, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen und bereitete damit der NS-Diktatur den Weg. Ihm wurde der Ehrenbürgertitel bereits von einigen anderen Städten wie etwa Dortmund, Köln, Karlsruhe, Leipzig, München, Münster und Stuttgart aberkannt. In Freiburg, wo er seit 1932 Erzbischof war, ist Gröber seit 1947 Ehrenbürger. 

Historiker sprechen sich für Straßenumbenennungen aus

Mit der Aberkennung verbunden sind auch mögliche Umbenennungen von Straßen. Betroffen wären die 1994 eingeweihte Franz-Knapp-Passage in der Altstadt, die Conrad-Gröber-Straße sowie die Hindenburgstraße in Petershausen.

Die Straßenbenennungskommission, in der Vertreter aus allen Gemeinderatsfraktionen sowie in diesem Fall in beratender Funktion Museumsleiter Tobias Engelsing, Stadtarchivar Jürgen Klöckler und der Historiker Lothar Burchardt sitzen, hat sich bereits für eine Umbenennung ausgesprochen.

Möglich seien nach Auskunft der Stadt aber auch ergänzende Schilder wie in der Von-Emmich-Straße. Die Entscheidung fällt letztlich der Gemeinderat. Vorher soll es Bürgeranhörungen geben. Die Anwohner werden entsprechend von der Stadt angeschrieben.

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