Nach komplizierter Einreise: Vitor Baricelli steigt voll bei der HSG Konstanz ein

 Der neue Athletiktrainer der HSG Konstanz, Vitor Baricelli (Mi.), dankt Geschäftsführer André Melchert (li.) für die Chance und
Der neue Athletiktrainer der HSG Konstanz, Vitor Baricelli (Mi.), dankt Geschäftsführer André Melchert (li.) für die Chance und Ralph Zürcher (re.), Leiter der HSG Akademie, für die Unterstützung bei der Einreise. (Foto: Peter Pisa/HSG Konstanz)
Schwäbische.de

Eigentlich hätte er schon im Juni in Konstanz eintreffen sollen. Alles war dafür vorbereitet, dass Vitor de Faria Baricelli als Athletiktrainer der ersten Mannschaft, Jugendkoordinator und Trainer der U23 den Handball-Drittligisten HSG Konstanz verstärken soll. Doch nach Vereinsangaben entwickelte sich eine wahre Odyssee durch einen verworrenen, dichten Dschungel aus Behörden und Bürokratie, ehe der 25-jährige Brasilianer am 8. Dezember aus dem Flieger aus São Paulo aussteigen konnte.

Mit seiner Ankunft in Deutschland „fand eine durch die Pandemie und teilweise eingestellte Arbeit der Behörden sehr komplizierte Geschichte ein gutes Ende“, berichtet die HSG. Zu verdanken sei das vor allem Ralph Zürcher, Leiter der HSG Akademie und zudem für die Geschäftsentwicklung des Drittligisten zuständig. Und seit April arbeitete er auch an der Einreise von Vitor Baricelli. Für Zürcher ist das kein unbekanntes Terrain: Als Business-Coach hatte er schon diverse deutsche und Schweizer Unternehmen in ähnlich gelagerten Fällen bei der Einreise von Fachkräften nach Europa unterstützt. Bei Baricelli zog sich das nun aber unerwartet in die Länge. „Einerseits war die Pandemie ein Problem“, wird der erfahrene Dozent in der HSG-Mitteilung zitiert. „Normalerweise ist der Bescheid innerhalb von zwei, drei Wochen da.“ Nicht so dieses Mal. Zürcher schnürte umfangreiche Unterlagen für das deutsche Konsulat in Brasilien, und sechsmal dachten die Verantwortlichen, dass auch Baricelli grünes Licht erhalten würde – aber jedes Mal wurden sie enttäuscht. Auf einmal ging dann sogar gar nichts mehr. „Brasilien wurde als Virusvariantengebiet ausgewiesen und die deutschen Behörden stellten ihre Arbeit vorübergehend komplett ein“, skizziert die HSG. André Melchert übt Kritik: „Ich kann verstehen, dass der Publikumsverkehr nicht mehr möglich ist. Dass aber jedwede Kommunikation unmöglich und die Arbeit komplett eingestellt wird, spricht nicht für unsere Behörden“, findet der Geschäftsführer der HSG Konstanz.

HSG Konstanz erhält wertvolle Unterstützung

Auf diesem langen Weg zum Visum war der erfahrene Zürcher von der Bürokratie überrascht. So musste plötzlich noch von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) die ausländische Hochschulqualifikation von Baricelli überprüft werden – trotz bestehenden Arbeitsvertrages und eines Teilstudiums an der Sporthochschule Köln. „Eingabe zwingend aus Brasilien, wieder über den Postweg. Angekündigte Bearbeitungszeit: drei Monate“, so die HSG. Die ZAB legte eine laut Zürcher „dann doch rasche Arbeitsweise“ an den Tag, für die sich der Leiter der HSG Akademie auch bedankte. Er rückt zudem die wertvolle Unterstützung der Universität Konstanz, des Gesundheitsamtes und der Bundespolizei in ein positives Licht. Die HSG-Verantwortlichen erwähnen aber vor allem die Zusammenarbeit mit den zuständigen Mitarbeitenden der Ausländerbehörde der Stadt Konstanz lobend: Hier hatte man stets ein offenes Ohr für diesen schwierigen Fall, unterstützte mit Rat und Tat und „es gab sehr zeitnah immer eine Antwort“, so Melchert, und Zürcher ergänzt: „Effizient und effektiv, wir profitierten vom exzellenten Service der Ausländerbehörde. Hier hat man uns enorm viel geholfen. Ohne diese Unterstützung hätte das Prozedere zum Visum noch einige Monate länger gedauert.“

Der Einsatz zahlte sich schließlich aus, sodass Baricelli am 8. Dezember 2021 mit dem Flieger aus Brasilien in Deutschland ankam. Für die HSG Konstanz ist er eine ganz wichtige Personalie. Neben einem Abschluss der renommierten Universidade de São Paulo in Sportwissenschaften sowie der deutschen Trainer-B-Lizenz verfügt er unter anderem über Erfahrung als Team- und Videoanalyst für die brasilianische Handball-Nationalmannschaft. Baricelli spricht Portugiesisch, Englisch, Deutsch und Spanisch und hatte ein Jahr als Teil eines Austauschprogramms an der Deutschen Sporthochschule in Köln verbracht. Notgedrungen von Brasilien aus war der 25-Jährige in den letzten Monaten dennoch schon Teil der Mannschaft und wertete die Spiele aus, erstellte Statistiken und Videoanalysen sowie Pläne für das Athletiktraining. Nun steigt er voll in Konstanz ein. „Gefühlt ist er wie ein Neuzugang. Für uns ist es cool, dass damit noch mal neuer, frischer Wind reinkommt“, sagt der in Lindau wohnende HSG-Trainer Jörg Lützelberger. Auch Baricelli ist glücklich, nach der Odyssee endlich im Handballland Deutschland angekommen zu sein. „Ich habe hier schon viele tolle Menschen kennengelernt. Für mich ist es ein Traum, hier zu sein. Danke an Ralph für die Unterstützung und André für die Chance“, meint der Brasilianer.

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