Nach Frontal-Crash am Bodensee: Autofahrer wenden in der Rettungsgasse und behindern Feuerwehr

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Erklärvideo: So funktioniert die Rettungsgasse
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Zeitfresser im Rettungseinsatz: Die Freiwillige Feuerwehr Allensbach musste bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 33 zwischen Konstanz und Singen mehrfach entgegenkommende Autos in der Rettungsgasse abwarten.

"Vier unserer Einsatzfahrzeuge wurden von Fahrzeugen aufgehalten", berichtet Wehrführer Hans-Christoph Köhne auf Nachfrage von Schwäbische.de.

Besonders langwierig sei eine Situation gewesen, bei der ein Wohnmobil direkt vor der Feuerwehr ausscherte und wendete. 

"Das ist sehr ärgerlich. Wir verlieren dadurch kostbare Minuten, die entscheidend sein können, um ein Menschenleben zu retten", so Köhne.

Die Feuerwehrleute hätten die Kennzeichen allerdings nicht aufgeschrieben, um die Fahrer anzuzeigen. Sie seien damit beschäftigt, den Einsatz vorzubereiten und wollten nicht noch mehr Zeit verlieren.

Die Polizei dagegen hatte von den Rettungsgassen-Verstößen zuerst nichts mitbekommen und wurde erst nach entsprechenden Berichten seitens der Feuerwehr darauf aufmerksam.

Das ist sehr ärgerlich. Wir verlieren dadurch kostbare Minuten, die entscheidend sein können, um ein Menschenleben zu retten.

Wehrführer Hans-Christoph Köhne

Möglicherweise seien die Beamten schon vor den Wende-Manövern am Einsatzort gewesen oder von einer anderen Himmelsrichtung aus an die Unfallstelle gelangt, so eine mögliche Erklärung einer Polizeisprecherin.

Sollten Verkehrsteilnehmer aber entsprechende Beobachtungen gemacht haben, erhoffen sich die Beamten, durch Zeugenhinweise weitere Details zu erhalten.

Frontalkollision zwischen Pkw und Lkw

Bei dem Unfall am Dienstagabend war ein Pkw auf der B33 zwischen Konstanz und Singen bei Allensbach aus bislang noch ungeklärter Ursache frontal in einen entgegenkommenden Lkw gekracht. Beide an dem Verkehrsunfall beteiligten Fahrzeugführer wurden verletzt, der Fahrer des Pkw sogar schwerst.

Er wurde in seinem Wagen eingeklemmt und musste durch die Feuerwehr Allensbach aus seinem Fahrzeug befreit werden.

Nicht der erste Zwischenfall in einer Rettungsgasse

Dass Autofahrer eine gebildete Rettungsgasse für Einsatzkräfte missbrauchen, um entweder durch die Rettungsgasse hindurch zu fahren oder um umzudrehen, ist nicht neu. Erst vor wenigen Wochen schockierte ein Fall bei Dortmund, als ein Polizist, der in seiner Freizeit in einem Stau stand, einen Autofahrer dabei ertappte, wie er rückwärts durch die Rettungsgasse fuhr.

+++ Nach schwerem Unfall wendet Autofahrer in der Rettungsgasse - Polizei ermittelt +++

Einen besonders dreisten Fall erlebten im Frühsommer die Beamten A8 bei Gelden, als ein Schweizer keine Lust auf Stau und zeitliche Verzögerungen hatte und die Rettungsgasse nutzte, um schneller an sein Ziel zu kommen. Dabei beschädigte er jedoch mehrere Fahrzeuge und wurde nach kurzer Verfolgung von der Polizei gestellt. 

Verkehrsteilnehmer, die ohne Anweisung die Rettungsgasse nutzen, begehen laut Straßenverkehrsordnung eine Ordnungswidrigkeit. Das Wenden und entgegen der Fahrtrichtung Fahren kann mit einem Bußgeld von 200 Euro, zwei Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot bestraft werden. Mit einer nachgewiesenen Gefährdung erhöht sich das Bußgeld auf 240 Euro.

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