Konstanzer Baskets feiern Sensationssieg über Nürnberg

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Schwäbische Zeitung
Jochen Dedeleit

Lange hatte es gedauert, bis die HolidayCheck Baskets Konstanz im sechsten Heimspiel in der 2. Basketball-Bundesliga ProB noch im „alten“ Jahr endlich den ersten Erfolg vor heimischem Publikum landen konnten. Doch der 78:63-Triumph am Samstagabend gegen den Nürnberger BC toppt den Erfolg gegen die Skyliners Frankfurt II noch um ein Vielfaches.

Die Spieler waren fast dieselben, die Mannschaft schien dennoch wie ausgewechselt. Leidenschaft und Kampfbereitschaft waren beim Aufsteiger trotz langer Erfolgslosigkeit immer vorhanden, doch was das Team von Coach Domagoj Buljan gegen den Aufstiegsfavoriten spielerisch auf das Parkett zauberte, war vollkommen neu.

Damit ist die Frage, ob nun das bisherige Schlusslicht so gut oder der bisherige Zweite so schlecht gewesen sei, schon beantwortet. Auch wenn die Trainerstimmen freilich in diese Richtung gehen. „Mir fehlen die Worte. Es hat einfach alles geklappt. Da sieht man, was möglich ist, wenn wir immer diese Trainingsbedingungen hätten, wie wir sie in den Ferien hatten,“ konnte sich Buljan einen Seitenhieb in Bezug auf die Trainingsmöglichkeiten eines Zweitligisten nicht verkneifen.

„Unsere Leistung war inakzeptabel, wir haben nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten,“ ließ Nürnbergs Derrick Taylor sichtlich angesäuert wissen. Es war sicherlich überraschend, wie viele Fehler sich die Franken leisteten und wie viele Fehlwürfe sie verzeichnen mussten. Die zuvor hochgelobten Neuzugänge Ahmad Smith, wertvollster Akteur der vergangenen ProB, und Cornelius Adler (von Erstligist BG Göttingen) sowie 2,17-Meter-Center Martin Ides fanden nie ins Spiel, einzig Point Guard und Topscorer Will Chavis (22) begeisterte mit Anspielen und fünf Dreiern.

War vor der Begegnung noch die Rede vom unrühmlichen Abgang Marcel Heberleins, der die Baskets im Abstiegskampf sitzen ließ und Richtung BG Illertal-Weißenhorn abwanderte, rief die Aktion nach dem dritten Saisonsieg nur noch Achselzucken hervor. „Wir wussten, dass es nicht zu ändern ist. Wir verstehen ihn und sollten uns nicht selbst bemitleiden,“ meinte etwa Kapitän Lars Menck, „andere haben ihre Chance gesehen und genutzt – wie Frederik Henningsen“. Das Spielsystem sei jetzt sehr viel variabler, um in die gegnerischen Abwehrreihen „große Löcher reißen zu können. Wir kehren unsere Stärken nach vorne und versuchen damit unsere Schwächen zu vertuschen“.

Dabei lief es erst wie immer: 7:0 in Front, nach 7:7 (5.) 10:14 im Hintertreffen (7.). Auch wenn das erste Viertel mit 23:22 an die Gastgeber ging, sahen die 1000 Zuschauer, von denen geschätzte 600 auf Einladung eines Sponsors kamen, dass Freiwürfe weiterhin nicht die Stärke der Konstanzer sind. Sie sahen aber auch gelungene Defensiv-Bemühungen eines Fabian Cöllen oder begeisternde Offensiv-Aktionen von Chad McKnight (14) oder auch des Ex-Nürnbergers Robinson Louisme (16).

Überragend von der ersten bis zur letzten Minute war aber Michael Lay, der in der Zeit seiner Abstinenz von Neuzugang Marko Radulovic bestens vertreten wurde. „Es war mein bestes Spiel, aber die 26 Punkte sind Nebensache. Die Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben. Marko ist deshalb so wichtig für uns, weil er auch die Rolle des Assistenztrainers übernommen hat,“ erklärt Michael Lay gegenüber der SZ. Der US-Amerikaner sieht einen „neuen Beginn“ für die Baskets, „wir müssen nun noch die Fehler in der Defensive weiter minimieren und die Offensive noch mehr kontrollieren“.

Marko Radulovic glänzte ab dem zweiten Viertel bis zum 39:42-Halbzeitstand mit Anspielen, bei seinen Wurfversuchen blieb der gebürtige Laupheimer bis zum Schluss jedoch glücklos. Der ehemalige Jugend-Nationalspieler führte seine neuen Mitspieler auch mit 54:50 ins letzte Viertel gegen den Ex-Bundesligisten, der das Hinspiel gegen die Konstanzer noch mit 107:104 nach der dritten Verlängerung für sich entscheiden konnte. „Marko kitzelt aus den anderen noch einmal zwei, drei Prozent heraus. Er ist es auch, der ab sofort nicht nur mich im Training brüllen lässt,“ lacht Domagoj Buljan, der am Sonntag in einem weiteren Heimspiel gegen Gießen die Hessen unbedingt auf dem letzten Tabellenplatz sitzen lassen will.

Baskets: Radulovic, Foth 4, Raschka, Lay 26, Leidig 5, Cöllen, Deifel, Osterwalder, Henningsen 8, McKnight 14, Menck 5, Louisme 16.

Nürnberg: Smith 6, Schneider 8, Reinhardt 3, Reile 5, Chavis 22, Ides, Adler 10, Brütting 4, Yates 2, Ceccotti 3.

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