Konstanz sieht kurz

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 Ein Ausschnitt aus dem Film „Räuber & Gendarm.
Ein Ausschnitt aus dem Film „Räuber & Gendarm. (Foto: Florian Maubach)
Schwäbische Zeitung

Die Kurzfilmtour ist im Juni zu Gast am Bodensee. Die tournee des Deutschen Kurzfilmpreises, der Lola, macht Stadtion in Konstanz und Singen, wie der Bundesverband Deutscher Kurzfilm mitteilt. In Anwesenheit der Regisseurin Sophia Bösch („Rå“) kann sich das Publikum auf ein gewohnt abwechslungsreiches Line-up freuen.

In Konstanz machen die preisgekrönten und nominierten kurzen Filme am Mittwoch, 5. Juni, um 20 Uhr Station im Kommunalen Kino Zebra. Hier werden sieben Filme des Deutschen Kurzfilmpreises vorgeführt.

Zu sehen sind die Filme „Call of Comfort (neun Minuten) von Brenda Lien, „Nach dem Fest“ von Hannes Schilling (14 Minuten), „Minden Rendben“ von Borbála Nagy (13 Minuten), „Hostel“ von Daniel Popat (zehn Minuten), „Follower“ von Jonathan B. Behr (zehn Minuten) und „Räuber und Gendarm“ von Florian Maubach (acht Minuten). Außerdem wird Regisseurin Sophia Bösch ihren Film „Rå“ persönlich vorstellen und im anschluss für Publikumsfragen zur Verfügung stehen.

RÅ von Sophia Bösch erzählt von der sechzehnjährigen Linn, die als einziges Mädchen mit ihrem Vater und dessen Freunden auf Elchjagd gehen darf. Sie trifft ihren ersten Elch - die Männer jedoch zögern nicht, sie darauf hinzuweisen, dass ihr ein großer Fehler unterlaufen zu sein scheint. Linn muss schnell feststellen, dass sie sich in der patriarchalen Welt gleich doppelt beweisen muss. Allein macht sie sich auf in die Wildnis, wo schließlich die eigentliche Prüfung auf sie wartet.

In „Minden Rendben“ von Borbála Nagy geht es um den Grenzsoldaten Alpár und seinen ersten Arbeitstag an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien, wo er sein Land vor Geflüchteten beschützen soll. Während er versucht, die Regeln der Grenzjäger zu verstehen, ist er mit den schonungslosen Strukturen konfrontiert, die den Fremden von der anderen Seite ihre menschlichen Qualitäten rauben.

In Florian Maubachs „Räuber und Gendarm“ beginnt Daniel während des Spiels mit seinen Freunden zu realisieren, dass es zwischen Fangen und Gefangen werden noch etwas anderes gibt. Er sieht sich mit Situationen konfrontiert, mit denen er nicht richtig umzugehen weiß – aus der Ich-Perspektive erzählt der Animationsfilm von der Schwelle zum Erwachsenwerden. Beim Anima – Brussels International Animation Film Festival 2018 gewann der Film den Award for Best Student Short Film und wurde zudem von der Deutschen Film- und Medienbewertung mit dem Prädikat „Wertvoll“ ausgezeichnet.

Nutzungsbedingungen zustimmen

Brenda Liens experimenteller Film „Call of Comfort“ widmet sich dem Menschen im digitalen Zeitalter. „Bitte stimme den Nutzungsbedingungen zu, um ein Teil der Gemeinschaft zu sein“, sagt die Big Data Kristallkugel, während sie den Zuschauer in positiven Affirmationen und hyper-personalisierter Werbung badet. „Call of Comfort“ zeigt, wie moderne Technologien uns mit dem Versprechen auf ein optimiertes Leben dazu verführen, unsere Privatsphäre zu opfern.

Daniel Popats Film „Hostel“ vermag in kurzer Zeit die Komplexität einer Liebesbeziehung zu porträtieren. In einem Berliner Hostel treffen zwei scheinbar Fremde aufeinander. Es stellt sich heraus, dass sie nicht nur beide aus Russland, sondern auch noch aus derselben Kleinstadt kommen. Manchmal ist der Schein romantischer als das Sein und kann trügen – in der ehrlichen Liebe bleibt jedoch nichts verborgen.

„Follower“ von Jonathan B. Behr ist ein Horrorfilm aus der Sicht eines Smartphones: Während Clara nachts beim Babysitten ist und mit ihrem Freund chattet, beginnt ein Fremder, ihr auf Instagram zu folgen. Nach und nach muss sie jedoch feststellen, dass der Follower sie nicht nur online stalkt. Der Film feierte seine Weltpremiere auf der Berlinale im vergangenen Jahr, wo er im Rahmen der Sektion Generation gezeigt wurde.

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