Zum Kräutersüppchen gibt’s süßen Cidre

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Irmgard Ragg ist sehr stolz auf ihre Kräuter im Hausgarten: Sie bietet nun auch Kräuterführungen mit anschließendem gemeinsamen
Irmgard Ragg ist sehr stolz auf ihre Kräuter im Hausgarten: Sie bietet nun auch Kräuterführungen mit anschließendem gemeinsamen Kochen an. (Foto: Heidi Keller)
Heidi Keller

Im Sommer arbeiten, wenn andere Urlaub machen und dafür selbst erst im Oktober in Urlaub fahren: Wer in der Tourismusbranche arbeitet, muss flexibel sein – so wie etwa Irmgard Ragg.

Experimentierfreudig ist die Managerin des landwirtschaftlichen Familienbetriebes in Kippenhausen auf jeden Fall: Der Apfel-Cidre aus eigener Herstellung hat seine Premiere mit Bravour bestanden. „Den machen wir wieder“, freut sich Irmgard Ragg und strahlt. Mairac heißt die eher seltene Apfelsorte, die dafür ins Fass kam.

„Der Saft wird zwei Monate durchgegoren und filtriert, am Ende mit wenig süßem Saft abgeschmeckt und mit etwas Kohlensäure angereichert – eigentlich genau so wie man auch Wein im Keller behandelt“, erklärt die gelernte Bauzeichnerin, völlig selbstverständlich. Wobei, für ihren Geschmack dürfte der Cidre etwas mehr als 4,2 Prozent Alkohol haben und etwas trockener sein. „Aber die Kunden mögen ihn so.“ Und das ist offensichtlich das Wichtigste.

Ähnlich wie Secco kann man den Kippenhauser Cidre auch für Cocktails einsetzen – alles schon ausprobiert. Auf die Idee mit dem Cidre kamen Irmgard und Bernhard Ragg bei einem Sonntagsausflug in Vorarlberg zu einem „Bünd-Fest“. Auch am freien Tag hatte man offensichtlich das Unternehmen im Kopf.

Einmal pro Woche lädt die Wahl-Bäuerin die Gäste ihrer Ferienwohnungen zur Hofführung ein und zeigt, wie ihr landwirtschaftlicher Betrieb funktioniert. „Damit die Gäste wissen, wovon wir leben. Wir sind Vollerwerbsbauern.“ In der Hochsaison sind die Ferienwohnungen im Bauernhofensemble lange ausgebucht. Die Familien, die hauptsächlich kommen, schätzen die großzügige Hofanlage und den Auslauf für die Kinder. Auch die Jugendlichen haben noch Spaß mit Raggs Kettcars.

„In der Vor- und Nachsaison ist es allerdings ein Kampf“, räumt die rührige Bäuerin ein. Da sei die Konkurrenz spürbar, denn die Bettenzahl in der Umgebung steige ständig, in Kippenhausen und in den Nachbargemeinden. Irmgard Ragg kennt ihre Interessenten. „Im Frühjahr sind die Schnäppchenjäger unterwegs im Internet und suchen Angebote in der Vorsaison. Das sind meistens Familien mit Kleinkindern, die schauen eben aufs Geld.“

Als zusätzliche Attraktion im Frühjahr bietet die Kippenhauserin deshalb Kräuterführungen mit anschließendem gemeinsamen Kochen an. Nach dem Kräutersammeln rund um den Hof und in den Beeten des Kräutergartens wird gemeinsam geschnippelt, gerührt oder gekocht – Kräutersüppchen etwa und Blütensalat. „Momentan liebe ich Gemüsepfanne mit frischen italienischen Kräutern, im Frühjahr ein Giersch-Pesto.“ Weil der Kräuterkurs in den Kalendern der regionalen Touristinformationen steht, kommen auch Gäste und Bodenseeanwohner aus der Umgebung dazu.

In der Nachsaison reisen die Rentner zur Erntezeit an. „Sie genießen die Früchte, die Ernte und den Wein im September und Oktober – das sind die Genussmenschen.“ Auch da krempelt Irmgard Ragg die Ärmel hoch: Die hauseigenen Früchte werden zu Gelees und Marmeladen für den Hofladen verarbeitet oder für Liköre angesetzt. Im Juni wurden dafür grüne Walnüsse zerhackt und eingelegt. „Im Herbst sammle ich auch wilde Schlehen.“ Aber dann ist auch endlich Zeit für den eigenen Urlaub. Gut, dass Sohn Ludwig jetzt das Ruder übernehmen kann und die Eltern getrost selbst mal verreisen dürfen.

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