Zähe Verhandlung: Räte stimmen teurer Planung zu

Lesedauer: 5 Min
 Nein, das ist noch nicht der Beginn der Bauarbeiten für die neue Kindertagesstätte Seegaddel. Nach zähen Verhandlungen hat der
Nein, das ist noch nicht der Beginn der Bauarbeiten für die neue Kindertagesstätte Seegaddel. Nach zähen Verhandlungen hat der Gemeinderat am Montagabend der mehrfach nachgebesserten Planung zugestimmt und das zweite Ausschreibungspaket genehmigt, damit mit dem Bau demnächst begonnen werden kann. (Foto: Heidi Keller)
Heidi Keller

„Wir haben uns nicht leichtgetan mit den Kostensteigerungen“, betonte Bürgermeister Johannes Henne am Montag vor der Entscheidung über den Neubau der Kindertagesstätte Seegaddel. Von „Achterbahn“ und „der Faust in der Tasche“ sprachen die Gemeinderäte. Der Sitzung wohnten viele Erzieher und Anlieger bei.

Die Sondersitzung des Gemeinderats vor zwei Wochen war hinfällig, als zu Beginn der Tagesordnungspunkt Kindertagesstätte Seegaddel gestrichen worden war. Umso gespannter waren die Zuhörer der Sitzung am Montagabend. Allein ein Dutzend Erzieherinnen und mehrere Anlieger waren gekommen. „Neue Zahlen, Daten und Fakten“ der Planer baechlemeid aus Konstanz seien erst wenige Stunden vor der letzten Sitzung eingetroffen, sodass eine Entscheidung am selben Abend unmöglich gewesen sei. „Es hat noch mehrere Verhandlungsrunden gebraucht“, erklärte Henne.

Ortsbaumeister Uli Kohler stellte in einer ausführlichen Vorlage die Stationen des Entscheidungsprozesses seit dem Architekten-Wettbewerb für die neue, sechsgruppige Kindertagesstätte im Herbst 2016 dar. Bereits damals waren mehrere nichtöffentliche Sitzungen zur Kostenreduktion notwendig, bis man sich im Mai 2018 öffentlich für einen Entwurf mit Kosten von 5,55 Millionen Euro einschließlich Mehrkosten für Wärmepumpe und Solaranlage entschied. Dieser Entwurf war bereits eine abgespeckte Version des Siegerentwurfs, mit reduziertem Bauvolumen, verkleinerten Räumen und Abstrichen bei den Materialien. 2018 wurde noch dem Abbruch des alten Gebäudes zugestimmt und der Bauantrag genehmigt.

Im April 2019 traten im zweiten Ausschreibungspaket Mehrkosten von 530 000 Euro zutage, hauptsächlich für Holzbau und Beleuchtung. Im Mai folgten Kostenberechnungen über 6,2 und alternativ 6,4 Millionen Euro – durch erhöhte Kosten für Baupreise, Fachplaner und aus den beiden Vergabepaketen. 5,6 Millionen Euro sind im Haushalt für das Projekt eingestellt. Von der Verwaltung wurden erneute Einsparungen eingefordert. Am 12. Juni reichte das Planungsbüro eine Kostenberechnung mit Bitumendach in Gesamthöhe von 5,98 Millionen Euro und alternativ eine Berechnung mit Blechdach in Höhe von 6,2 Millionen Euro nach. Uli Kohler stellte dem Gemeinderat eine Berechnung für die Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Konstanzer Architektenbüro vor mit einer Neuplanung. Durch den Verlust von mindestens 875 000 Euro und möglichen Schadenersatzforderungen sowie dem Zeitverlust sei dieser Weg jedoch nicht mehr vertretbar.

Die Verwaltung empfehle dem Gemeinderat daher, das Projekt mit den zuletzt vorgelegten Einsparungen – mit kleineren Innenräumen, Innenwänden aus Gipskarton statt Holz, günstigerer Beleuchtung und einem Bitumendach – zu beschließen. Die geplanten Kosten betragen 5,98 Millionen Euro. Enttäuschung über den frustrierenden Verlauf des Projekts und die Abstriche aufgrund der steigenden Baupreise äußerten alle Gemeindefraktionen. Margot Rauber (CDU) bat, die Kosten weiterhin im Auge zu behalten. Helga Bauer (FWI) sprach von „vielen schlaflosen Nächten“. Sie stimme dafür, appelliere aber an die Verwaltung, trotz Einsparungen für Qualität zu sorgen. Henne sicherte das „mit allem Nachdruck“ zu.

Renate Schwarz-Govaers (SPD) sagte, alle hätten noch „die Faust in der Tasche“. Dennoch danke sie der Verwaltung für die Ausdauer bei den Verhandlungen. Hubert Langenstein (FWI) bezeichnete den Prozess der letzten Wochen als „Achterbahn“. Markus Böhlen und Martin Gomeringer, Grüne, waren sich einig, dass aufgeben keine Option darstelle. Alexander Mohr (CDU), appellierte, es dürften keine zusätzlichen Kosten für Planung, Statik und Fachingenieure akzeptiert werden.

Mit einer Gegenstimme von Markus Böhlen (Grüne) dem das Vertrauen zum Planungsbüro verloren gegangen war, stimmte der Gemeinderat der aktuellen, reduzierten Planung zu. Ebenso mehrheitlich wurde auch das nächste Ausschreibungspaket für Holzbau, Dachdecker, Sanitär- und Elektro- installationen genehmigt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen