Wie eine Schnapsidee zum Kult wird

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Der Frauenchor „Weibsbilder“ und die DoX Memorial Big Band feiern 30 Jahre Jazz Night in Immenstaad.
Der Frauenchor „Weibsbilder“ und die DoX Memorial Big Band feiern 30 Jahre Jazz Night in Immenstaad. (Foto: Fotos: Lydia Schäfer)
Schwäbische Zeitung
Lydia Schäfer

Die DoX Memorial Big Band hat am Freitag die 30. Jazznight nicht einfach absolviert, sondern gefeiert. 30 Jahre Jazznight in Immenstaad – das war Anlass für die DoX Memorial Big Band, zusammen mit Sängerin Dagmar Egger einen grandiosen Jazzabend zu einer Geburtstagsfeier umzugestalten und sich selbst und dem Publikum eine ganze Reihe von musikalischen Geschenken zu machen. Veranstalter war der Heimatverein Immenstaad.

Eigens für den Abend hat sich der Projektchor „Weibsbilder“ zusammengefunden. Und Markus Springfeld überraschte mit dem wohl modernsten Arrangements des Abends, das er musikalisch ganz nach Art der skandinavischen Jazz-Trios zudem neben Piano, Bass und Gitarre noch mit dem Sahnehäubchen eines gefühlvoll, kräftig und sehr emotional gespielten Flügelhorns bereicherte. Zwei Eigenkompositionen hat der Pianist der DoX-Band geliefert.

Dass das alles mal eine Schnapsidee von Bernd Kypers und Dieter Hallmanns, dem viel zu früh verstorbenen Heimatvereinsgründer, war, ist heute kaum noch zu erkennen. Bernd Kypers hob vor über 30 Jahren die Dornier- Betriebskombo namens „Tante Friedas Dixie Kränzchen“ aus der Taufe. In den wirtschaftlichen Untiefen, in denen sich Dornier damals befand, ging auch diese Band unter, um wenig später wiederbelebt und ergänzt zu werden. Die Do X Memorial Big Band war geboren. Und die 30. Jazznight war so frisch, wie kurz nach dieser Geburt. Nur dass sich die Musiker heute ohne weiteres mit Profis messen können.

Perfekte Tonlage

Sie spielten Jazz-Standards, holten sich den Blues dazu und nahmen Anleihen bei Rock, Reggae, Soul und Funk. Wo Stimme vonnöten war, brachte Dagmar Egger sie in jede Tonlage perfekt auf die Bühne.

Sie sang Ella Fitzgerald ebenso überzeugend wie die Temptations - hier mit Unterstützung des Frauenchors „Weibsbilder“ in dem Stück „Papa was a Rollling Stone“ – oder Stücke von Stevie Wonder und den Ad Libs. „The Boy From New York City“ war ursprünglich mal von denen geschrieben worden, bekannt wurde der Song von Manhattan Transfer. Dies zu erwähnen erübrigt sich, weil die Do X Memorial Big Band das Stück mit Dagmar Egger mindestens ebenso hochwertig interpretiert hat. Klassiker wie „Sweet Georgia Brown“ ließen das Publikum mitwippen, und musikalische Spitzlichter wie „Steampunk“ machten aus der Big Band vollwertige Heavy Metal-Rocker. Allein Werner Lautenbach, dem Solisten an der Gitarre, fehlten die Haare für das Headbanging. Musikalische Soli und Duette, mit und ohne Gesang – die DoX Band überzeugte in allen Varianten. Auch die 30. Jazznight dieser Band hat die Schnapsidee zu einer Immenstaader Kultveranstaltung werden lassen, die nach dem Auszug aus dem Winzerkeller im Bürgersaal des Rathauses veranstaltet wird, weil da der Sound besser ist.

Mehr Leute, viel Stimmung und wenig Luft blieb nach der dreistündigen Veranstaltung, was aber eher den sommerlichen Temperaturen und der „heißen“ Musik geschuldet war. Bandleader Hartmut Heinzelmann hat eine Nacht geboten, die eigentlich eine noch größere Halle verdient hätte. Großartig und unbedingt zu empfehlen, wenn die Do X Memorial Big Band nochmal auftritt, muss man einfach hingehen.

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