Vom Regen im Stich gelassen – Landwirte der Region sorgen sich um ihr Obst

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Landwirt Hubert Lehle mit den ersten Delbarestivale-Äpfeln. Wenn es nachts nicht bald kühler wird, bekommt die frühe Sorte keine
Landwirt Hubert Lehle mit den ersten Delbarestivale-Äpfeln. Wenn es nachts nicht bald kühler wird, bekommt die frühe Sorte keine roten Apfelbäckchen. (Foto: hke)
Heidi Keller

„Von der Sonne verwöhnt, aber vom Regen im Stich gelassen“, so fasst Landwirt Hubert Lehle den aktuellen Stand im Obst- und Weinbau zusammen. Auch Hubert Langestein ist Landwirt und sieht erste Schäden durch die Trockenheit vor allem bei den Zwetschgen – sie sind zu klein.

Die wochenlange Trockenheit bezeichnet Obstproduzent Lehle als „Leidenszeit für Früchte, Menschen und Tiere“. Er versucht, seinen Zwetschgenbäumen Gutes zu tun und fährt Wasser zu ihnen ins Feld. „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Große Mengen an Obst gebe es dieses Jahr. „Zwetschgen, Aprikosen und Pfirsiche sind durch die Sonne wunderbar aromatisch“, sagt er. Bei der aktuellen Hitze Zwetschgen zu ernten, das ginge nur morgens früh und abends. Heiße Früchte könne man nicht ernten und müsste sie auch runterkühlen.

Bei der Größe der Äpfel sei die Entwicklung dieses Jahr lange Zeit überdurchschnittlich gewesen. Seit der Regen fehle, wüchsen sie nur noch ein bis zwei Millimeter, bleiben also am Ende kleiner als vom Markt gewünscht.

2006 sei es zuletzt so trocken gewesen. Da sei der Regen im August im letzten Moment noch gekommen. Das weiß auch Landwirt Rainer Heberle noch gut. „Es kommt darauf an, wie die Böden sind, leicht oder schwer. Sonst kommt es zur Notreife. Der Baum hat nicht mehr die Kraft, die Früchte zu ernähren und wirft sie ab. Das müssen wir durch eine rechtzeitige Ernte verhindern.“

Die Hitze bringt zudem mit sich, dass die roten Apfelbäckchen sich möglicherweise nicht bilden. „Für die Ausfärbung müsste es nachts mindestens zehn Grad kühler sein als tagsüber“, erklärt Hubert Lehle.

Durch die frühe Reife wegen des heißen Sommers rechnen die Landwirte mit einer um etwa zwei bis drei Wochen früheren Ernte. Obstbauern wie Lehle, die viele frühe Apfelsorten anbauen, stehen jetzt unter Strom. „Die Rentabilität hängt an den roten Backen.“ Er beginnt noch diese Woche mit der ersten Ernterunde bei der frühen Sorte Delbarestivale, dann kommen Gravensteiner und Elstar – auch um die Bäume von der Menge zu entlasten.

Noch ein weiteres Problem teilen die Obstproduzenten: die Personalplanung für die Erntehelfer. Kommen sie sonst zum 1. September überwiegend aus Osteuropa, werden sie dieses Jahr bereits Mitte August gebraucht. „Wir haben noch nie so früh geerntet. Ich kann die Helfer ja nicht herzaubern“, erklärt Langenstein. Der heiße Sommer habe ihm zehn Arbeitstage genommen, die sonst für Pflegearbeiten vor der Ernte gebraucht werden. „Ich bin schon im Rückstand noch bevor wir angefangen haben.“

Mindestens zwei bis drei Wochen früher als sonst beginnt dieses Jahr auch die Traubenlese. Winzer Matthias Röhrenbach gibt sich „verhalten optimistisch“. Weil die Trauben durch die Trockenheit kleinbeerig seien und für die Vitalität der Reben, hofften auch die Winzer auf Regen. Im Westen der Gemarkung, auf dem kiesigen Boden der Endmoränen, bewässert auch er seine jungen Anlagen unter drei Jahren. „Wasser fahren“ heißt das. Die ersten Müller-Thurgau-Sorten werden Anfang September geerntet.

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