Tourismusgemeinschaft zeigt sich gespalten

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Der neu gewählte Vorstand der Immenstaader Tourismusgemeinschaft (von links): Waltraud Schamdelmeier, Jochen Kirchhoff, Evi Röh
Der neu gewählte Vorstand der Immenstaader Tourismusgemeinschaft (von links): Waltraud Schamdelmeier, Jochen Kirchhoff, Evi Röhrenbach, Marita Fehringer, Gaby Arndt-Kielkopf, Daniela Dikreuter, Margot Rauber, Matthias Röhrenbach, Ulrich Huber und Anton Rauber.

Die Tourismusgemeinschaft Immenstaad ist in Sachen Echt Bodensee Card (EBC) gespalten. Wie auf der Jahreshauptversammlung deutlich wurde, sehen die Vermieter mit der neuen Gästekarte mehr Probleme als Vorteile auf sich zukommen. Ihre Devise heißt deshalb, abwarten und andere machen lassen. „Wir müssen ja nicht bei den ersten sein“, sagte die einstimmig wiedergewählte Vorsitzende Margot Rauber. Im Gemeinderat hatte sie am 4. April ihre Kollegen überzeugt, die Teilnahme zu verschieben.

Die denkbar knapp gefällte Entscheidung war nicht im Sinne des Erfinders, der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT), und machte auch die örtlichen Marketing-Experten in der Tourist-Information ziemlich fassungslos. Nach dem Motto „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, hoffen diese auf ein günstigeres Votum für 2018. Erst dann ist ein Einstieg in das Projekt EBC wieder möglich.

Für Immenstaader Gäste hat die Ablehnung durch den Gemeinderat zunächst den Vorteil, dass sie weiterhin nur 1,30 Euro Kurtaxe zahlen, satt 2,50 Euro. Der Nachteil ist, wenn sie ihre Urlaubsregion mit Bus und Bahn erkunden wollen, müssen sie Fahrscheine lösen. Mit der EBC hätten sie freie Fahrt im Verkehrsverbund Bodensee Oberschwaben (Bodo). Die Lage verschlechtert sich sogar etwas: Weil fünf von neun Kommunen, die im Bodensee Team gemeinsame Sache machen, beim Start der EBC dabei sind, wird die Bodensee Team Card aufglöst, das heißt, die Immenstaader Gäste müssen ab 2017 mit einer abgespeckten örtlichen Gästekarte vorlieb nehmen.

Kritik an der Entscheidung des Gemeinderats gab es von Seiten der rund 20 anwesenden Vermieter in der Versammlung nicht. Vielmehr wurden Befürchtungen geäußert, dass die Karte einen Mehraufwand für die die Gastgeber bedeute, dass die Gemeinde die Kosten auf die Vermieter beziehungsweise auf die Gäste abwälze und die technischen Vorausstezungen etwa bei Zweitwohnungsbesitzer nicht gegeben seien. Um mehr über die Akzeptanz und Handhabung einer solchen Karte zu erfahren, bietet die Tourismusgemeinschaft am 20. Juli eine Exkursion in den Schwarzwald an. Die dortige Konus-Karte wird immer wieder als Vorbild für die EBC angeführt.

Schriftführer Jochen Kirchhoff blickte eingangs der Versammlung auf die Aktivitäten des vergangenen Jahres zurück, wobei er auch Mißerfolge ansprach. Das vorgeschlagene Frühlingsfest auf dem Hochberg sei ebenso wenig zustande gekommen wie die Gästebegrüßung am Landesteg, die man zusammen mit dem Auftakt der Weißen Flotte veranstalten wollte. Nur das „Schaubrennen live“ sei als neue, die Vorsaison belebende Aktion übrig geblieben.

Viele Stühle bleiben leer

2015 hatte die Tourismusgemeinschaft zum ersten Mal keinen Stand beim Weinfest, und man werde vorerst keine weiteren Anstrengungen unternehmen, die Tradition wieder zu beleben, sagte Kirchhoff. Eine Begründung dafür gab es nicht. In Sachen EBC habe die Vorstandschaft vereinbart, keine Empfehlung an den Gemeinderat abzugeben.

Zahlen des vergangenen Tourismusjahres und einen Ausblick auf 2016 präsentierte Ute Stegmann (die SZ berichtete darüber bereits am 6. April). Die Leiterin der Tourist-Info brach erneut eine Lanze für die EBC. Nicht wegen der Rabatte, sondern als Marketinginstrument sei die Karte unerlässlich. Derzeit werden die Internetseiten auf eine neue Technik umgestellt. Die Schiffsverbindungen in die Schweiz haben sich bewährt, so Stegmann. Derzeit sei Tourist-Info dabei, ein neues Gastgeberverzeichnis zu errstellen und Vorschläge für die Neugestalung der Ortseingänge und die Beschilderung innerhalb der Gemeinde zu erarbeiten.

Die turnusgemäßen Wahlen zum Vorstand gingen einstimmig über die Bühne. Frank Hallerbach vom Seehof kandidierte nach 23 Jahren nicht mehr. Für ihn trat Simone Kobel an. Dass es mit der Gemeinschaft in der Tourismusgemeinschaft nicht zum Besten bestellt ist, zeigte sich an den vielen leeren Stühlen im Bürgersaal des Rathauses. Mehr als die Hälfte bleiben unbesetzt. Dabei waren die Tische aufwendig mit Blumen geschmückt, Getränke und Häppchen standen bereit. Rauber bedauerte, denn auch dass nicht mehr Mitglieder zur Hauptversammlung erschienen sind. Im Namen der Versammelten danke Matthias Röhrenbach der Vorsitzenden und gratulierte zur Wiederwahl. Gleichzeitig appellierte er an die Mitglieder, sich wegen der EBC nicht auseinander dividieren zu lassen. „Wir müssen am Ball bleiben und hoffen, dass das Projekt zum Laufen kommt“, so Röhrenbach.

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