Spender lassen "Bibbele"-Küken zurückkehren

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Private Spende finanziert halbes Bibbele
Private Spende finanziert halbes Bibbele (Foto: Heidi Keller)
Schwäbische Zeitung
Heidi Keller

Nach der großen Enttäuschung Anfang der Woche, als zum zweiten Mal ein Bibbele der Hennenschlitter-Skulpturengruppe von der Musikterrasse gestohlen worden war, jetzt ein Silberstreif: Eine Spenderin für ein halbes neues Bronze-Küken ist gefunden – fehlt noch die andere Hälfte.

„Respektlos den Spendern gegenüber und sehr ärgerlich“, findet FWI-Gemeinderätin Helga Bauer den erneuten Diebstahl eines Hennen-Bibbele aus der Figurengruppe, die von der Bildhauerin Esther Seidel geschaffen worden war. Erst 2016 wurden die nahezu lebensgroßen Bronzefiguren einer Bäuerin mit ihren Bibbelen und des Hennenschlitters mit Schlitten auf der alten Musikterrasse neben dem Hennenbrunnen aufgestellt und gefeiert.

Die in Salem geborene Bildhauerin, lebt und arbeitet seit langem in der Toskana, kennt die Bodenseeregion aber gut, sie ist hier aufgewachsen. Der Latsche-Brunnen in Markdorf, der Denker in Friedrichshafen oder die Figur „Innerhalb eines Augenblicks“ vor dem Kavaliershaus in Langenargen sind ihr Werk. Die ersten Finanziers in Immenstaad waren die Gemeinde und der Heimatverein. Inzwischen gibt es etliche private und institutionelle Sponsoren für die Skulpturengruppe. Ein lebensgroßer Bauer soll möglicherweise noch dazu kommen.

Die Gemeinderätin und zweite Vorsitzende des Heimatvereins hat sich jahrelang dafür eingesetzt, dass die Gemeinde wieder einmal in Kunst im öffentlichen Raum investiert. Umso mehr ärgert es sie, dass, im vergangenen Sommer und jetzt wieder, so unverfroren und sinnlos der Vandalismus überhand nehmen konnte. Im Herbst war außerdem eine Henne aus der Verankerung im Boden gerissen worden. „Die Figuren sind zu einem beliebten Fotomotiv geworden, an dem Erwachsene und Kinder Spaß haben“, bedauert die selbst künstlerisch aktive Immenstaaderin. „Ich verstehe es einfach nicht. Da verliert man fast selbst die positive Einstellung.“

Künstlerin ist in der kommenden Woche zu Gast

Umso überraschter war die Gemeinderätin, dass sich doch so schnell wieder eine private Spende von 800 Euro angekündigt hat – das reicht immerhin für ein halbes Bronze-Bibbele. „Wir haben schon hin und her überlegt, wie wir solche Diebstähle in Zukunft vermeiden könnten. Im Moment prüfen wir, ob man die Bronzeküken mit GPS ausrüsten kann.“

Die Ironie des Schicksals will es ausgerechnet, dass die Künstlerin Esther Seidel in der kommenden Woche anreist, um die Ersatzskulptur für das im vergangenen Jahr gestohlene Bibbele zu bringen und beim Einbau dabei zu sein. Wochen und Monate dauert der kreative Schaffensprozess gepaart mit viel Handwerk. Aber für das nächste Ersatz-Küken braucht es erst wieder einen Spender.

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