Schönster Blick und modernste Technik

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Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut versenkt unter Aufsicht von Sandortleiter Dietmar Pilz (rechts) zusammen mit den Airbus-Azu
Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut versenkt unter Aufsicht von Sandortleiter Dietmar Pilz (rechts) zusammen mit den Airbus-Azubis Michael Heckewald und Michael Bury die Zeitkapsel ins Fundament des Neubaus. Im Hintergrund ist auf einer großen Leinwand (Foto: Anton Fuchsloch)

Nach dem ersten Spatenstich am 22. November 2016 ist gestern bei Airbus in Immenstaad der Grundstein für das neue Technologiezentrum gelegt worden. In den zurückligenden sechs Monaten wurden rund 800 Lkw-Ladungen Aushub weggefahren, 200 Pfähle bis zu 40 Meter in das Erdreich gebohrt, und die 4250 Quadratmeter große Bodenplatte betoniert. Im Sommer nächsten Jahres soll das Gebäude fertig sein.

Mit von der Partie waren gestern auf der Baustelle direkt am Bodenseeufer neben der Minsterin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Nicole Hoffmeister-Kraut, die Landtagsabgeordneten Klaus Hoher (FDP) und August Schuler (CDU), Landrat Lothar Wölfe, Bürgermeister Jürgen Beisswenger sowie hochrangige Vertreter der europäischen Weltraumorganisation ESA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raufmahrt (DLR).

High Tech vom Feinsten

Die herausragende Bedeutung des Neubaus unterstrich auch die Anwesenheit von Nicolas Chamussy, der in seiner Funktion als Leiter der Weltraumsparte von Airbus von Paris angereist kam. Der Franzose schwärmte in bestem Deutsch vom „schönsten Blick und dem modernsten Reinraum“. Den Blick gibt’s dank der Standortwahl des Luftschiffbau Zeppelin für eine Torpedoversuchsanlage im Kriegsjahr 1943 und der späteren Übernahme des Geländes durch die Dornier Werke gratis, für den Reinraum und das Drumherum gibt Airbus 43 Millionen Euro aus.

„Das ist die größte Investition am Standort in den vergangenen 30 Jahren“, sagte Standortleiter Dietmar Pilz. Airbus untermauert damit nicht nur seine herausragende Position in der Entwicklung und Fertigung von Satelliten, sondern sichert auch den Standort am Bodensee. Für die Ministerin ist damit ein weiterer Grundstein für den Erfolg der baden-württembergischen Luft- und Raumfahrtbranche gelegt. Immenstaad werde durch den Satelliten-Hub zum „weltweiten Zentrum des Satellitenbaus“, so die Ministerin.

Für Chamussy passt die High Tech vom Feinsten gut zu Baden-Württemberg, dem Land der Tüftler und Erfinder. „Was vor mehr als 100 Jahren die Automobilbranche war, ist heute die Raumfahrt“, sagte der Airbus Space-Chef. Die Nachfrage nach Lösungen für die drängenden Probleme der Menschheit und der Verbesserung der Lebensbedingungen auf der Erde wachse. Wenn es um Kommunikation, Navigation, Klima und Umwelt gehe, sei die Raumfahrt gefragt. Als Beispiel nannte Chamussy die „weltbeste Radartechnologie“, die Airbus in Immenstaad etwa den Terrasar- und Tandem-Satelliten mitgegeben habe. „Die technischen Ansprüche wachsen, deshalb wollen auch wir mitwachsen“, so Chamussy. Mehr als 1000 neue Mitarbeiter habe Airbus Defence & Space europaweit im vergangenen Jahr eingestellt, was sich auch auf den Standort auswirkte. Hier sei die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen zwei Jahren um 20 Prozent gewachsen, sagte Standortleiter Dietmar Pilz. Das Technologiezentrum werde für die Mitarbeiter die bestmöglichen Arbeitsbedinungen bieten, um anspruchsvolle Projekte erfolgereich zu meistern. Durch die Höhe des Gebäudes (20 Meter) lassen sich auch große Weltraumteleskope bauen, und die hohe Reinheitsklasse des Raumes sei europaweit einmalig.

Auch wenn Raumfahrt mehr und mehr zu einem Geschäft wird, kommen die meisten Aufträge für die Forschungs- und Erdbeobachtungssatelliten immer noch aus staatlichen Programmen. Ein Volumen von 10,3 Milliarden habe die europäische Ministerratskonferenz im Dezember 2016 gezeichnet, sagte der Chef des ESA-Missionsbetriebs in Darmstadt, Rolf Densing. Ein Groißteil davon lande bei Airbus. Nicht ohne Grund, denn was hier abgeliefert werde, sei Wertarbeit und lasse sich schön fliegen, wie jüngst die Rosetta-Mission gezeigt habe. Nach sieben Milliarden Kilometer auf einem vier Kilometer großen Brocken zu langen, da müsse die Technik schon vom Feinsten sein. Dafür stehe Airbus.

Gerd Gruppe, Vorstandsmitglied des DLR, sieht das ähnlich. Auch er hält die am Standort angesiedelte Radartechnologie für weltweit einmalig und verheißt ihr eine große Zulunft. „Wir werden aber auch die Wissenschaftssatelliten weiter unterstützen“, verspricht der für das Raumfahrtmanagement zuständige DLR-Chef.

Bei der Grundsteinlegung wurde eine Zeitkapsel mit Modellen, Bildern und Informationen aus Gegenwart und Vergangenheit

eingelassen – als archäologische Schatzkiste für die Zukunft. Die kleine Box aus hochwertigem Titan wurde von den Auszubildenden des

Standortes gefertigt und trägt auf dem Deckel neben der Kontur des

Gebäudes und dem Airbus-Logo folgende Inschrift:

„Achte die Vergangenheit,

nutze die Gegenwart,

gestalte die Zukunft.“

Die Zeitkapsel beinhaltet neben den regionalen Tageszeitungen vom 15. Mai die schönsten Bilder, die von Airbus-Satelliten gemacht wurden,

eine Broschüre 50 Jahre Raumfahrt am Standort Immenstaad, ein Modell des ersten europäischen Erdbeobachtungssatelliten ERS-1, der am Standort entwickelt und gebaut wurde sowie eine Geoid-Erdkugel, genannt „Potsdamer Schwerekartoffel“, die auf der Datenbasis mehrerer Airbus-Satelliten von Geoforschern erstellt wurde.

Die Geoid-Kugel wurde durch ein modernes 3D-Druckverfahren aus hochwertigem Titan hergestellt. Die Idee zu diesem Exponat hatte Airbus-Mitarbeiter Achim Helm, Projektleiter im Bereich Fluid Physics. (af)

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