Satellit im Sinkflug
Satellit im Sinkflug
Anton Fuchsloch
Redakteur

Der Erdbeobachtungssatellit ERS-2 wird nach 16 Jahren Betrieb abgeschaltet und auf eine niedrigere Umlaufbahn geschickt, wo das Kollisionsrisiko mit anderen Satelliten oder Weltraumschrott geringer ist. 3,8 Milliarden Kilometer hat der bei Astrium in Immenstaad gebaute Staellit zurückgelegt und dabei Daten für Tausende von Wissenschaftlern und Projekten geliefert. Der europäische Weltraumorganisation ESA und die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) sprechen von einer Erfolgsgeschichte der Erdbeobachtung.

Am 6. Juli hat das Missionskontrollteam im Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt mit einer 300 Sekunden dauernden Bremszündung das erste von mehreren Orbitmanövern zur Absenkung der Umlaufbahn durchgeführt. „Am 27. Juli haben wir unsere erste Zielhöhe von 700 Kilometer erreicht. Bis Ende August wird ERS-2 auf eine tiefer liegende Umlaufbahn in ungefähr 570 Kilometer Höhe abgesenkt, wo das Risiko von Kollisionen mit anderen Satelliten oder Weltraumtrümmern deutlich geringer ist“, so Dr. Frank Diekmann, Flugleiter für den Erdbeobachtungssatelliten ERS-2.

Die letzte Phase des „Deorbitings“, die so genannte Passivierung, soll Ende August oder Anfang September beginnen. In dieser Phase wird mit längeren Manövern der Resttreibstoff aus den Tanks abgelassen, und die Batterien und Sender werden abgeschaltet. Der Wiedereintritt des Satelliten in die Erdatmosphäre wird laut Schätzungen in weniger als 25 Jahren stattfinden. Der Satellit wird weiterhin überwacht, um den Zeitpunkt seines Wiedereintritts und seinen Wiedereintrittskorridor vorhersagen zu können. Der 1995 gestartete Satellit ERS-2 war das Nachfolgemodell von ERS-1, dem ersten europäischen Fernerkundungssatelliten, der vier Jahre zuvor seinen Dienst aufgenommen hatte.

Beide Satelliten haben in ihrer 20-jährigen Missionsgeschichte durch ihre kontinuierlichen Messungen den Weg für neue Erdbeobachtungstechniken im Bereich der Überwachung von Atmosphäre, Ozeanen, Land und Eis geebnet. Darüber hinaus war ERS-2 mit dem ersten europäischen hochpräzisen Messinstrument zur Bestimmung der Ozonkonzentration in der Stratosphäre ausgestattet und leistete somit seinen Beitrag zur Datenkontinuität bei der Beobachtung des jährlichen Ozonabbaus über der Antarktis.

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