Rassisten beschmieren Wahlplakat der Grünen

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Ska Keller, Spitzenkandidatin der Grünen für die Europawahl.
Ska Keller, Spitzenkandidatin der Grünen für die Europawahl. (Foto: dpa)
Silja Meyer-Zurwelle

„Kommt der Mut, geht der Hass“: Es ist eine klare Botschaft gegen Angst und für kulturelle Vielfalt, die Grünen-Spitzenkandidatin Ska Keller für ihr Europawahlplakat gewählt hat.

Auf dem entsprechenden Plakat zwischen Kippenhausen und Immenstaad wurden der Politikerin die Worte jedoch zum Maifeiertag durch rassistische Schmierereien im Mund umgedreht. Mit schwarzer Farbe hatten die, nach Polizeiangaben bislang unbekannten Täter das Wort „Hass“ durch „Neger“ ersetzt und der Kandidatin zudem ein Hitlerbärtchen aufgemalt.

„Kommt der Mut, geht der Neger“: Dass dieser Satz nun auf dem Plakat der Grünen in Immenstaad zu lesen ist, sehen die Betroffenen nicht mehr als einen Böse-Buben-Streich an. „Die Grenzen des guten Geschmacks wurden weit überschritten“, sagt Markus Böhlen, Mitglied im Immenstaader Gemeinderat und Teil des Kreisvorstandes der Grünen.

 Markus Böhlen
Markus Böhlen (Foto: Marian Schäfer)

Dahinter könne nur jemand stecken, der etwas gegen die Grünen hat, meint er. „Bei Nazi-Schmierereien hört der Spaß auf“, macht Markus Böhlen klar. Daher habe er auch eine Strafanzeige bei der Polizei erstattet.

„Da es eine politisch motivierte Straftat ist, ermittelt nun die Inspektion Staatsschutz der Kriminalpolizeidirektion in Friedrichshafen“, bestätigt Polizei-Pressesprecher Markus Sauter. Dass eine Sachbeschädigung vorliege, sei keine Frage, ob noch weitere Straftatbestände bestehen und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden muss, werde nun geprüft.

Zeugenhinweise könnten helfen

Doch wie erfolgversprechend sind die Ermittlungen in so einem Fall? „Meist gestalten sich die Überprüfungen in diesem Bereich sehr zäh“, räumt Markus Sauter ein. Natürlich sei zu vermuten, dass jemand mit einer ganz anderen Gesinnung als der der Grünen dahinterstecke: „Aber Vermutungen helfen nicht weiter“, sagt der Polizeisprecher.

Zeugenhinweise aus der Bevölkerung seien daher besonders wichtig. Die Spurensuche sei ein weiteres, wichtiges Mittel. „Details dazu geben wir natürlich nicht preis“, erläutert Sauter. Aufgrund eventueller Spuren fiel die Entscheidung auch vonseiten der Grünen dafür aus, das Plakat noch einige Tage stehen zu lassen. „Es wird nach Abschluss der Arbeiten aber durch eine Firma ausgetauscht“, versichert Markus Böhlen.

Ähnlicher Vorfall in Kressbronn

Es scheine ein beliebtes Motiv für solche Schmierereien zu sein, meint er zu dem Plakat. Das sei ihm zumindest von Jugendlichen auf dem Maifest geschildert worden. Kandidatin Ska Keller habe er per Mail über die Tat informiert, jedoch noch keine Antwort erhalten. Auch in Kressbronn wurde am Vorabend des Maifeiertages laut Polizei ein Wahlplakat der Grünen an der K 7793 in Höhe der Abfahrt Retterschen beschädigt, indem es unbekannte Täter nahezu vollständig mit grüner Farbe überstrichen.

Für die Grünen ist es nicht das erste Mal, dass ihre Plakate verunstaltet wurden. Bereits bei der Bundestagswahl ereignete sich 2017 ein ähnlicher Fall, ebenfalls in Kressbronn, als Unbekannte in großen Buchstaben „Volksverräter“ auf ein Banner der Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt schrieben

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