Neues Innovationszentrum will Start-ups einen Raum bieten

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Ulrich Kübler von Airbus leitet das BIC der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Immenstaad.
Ulrich Kübler von Airbus leitet das BIC der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Immenstaad. (Foto: DGLR)

Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat jetzt eine Außenstelle in Immenstaad: Sie hat dort ein Innovationszentrum eröffnet. Das Zentrum trägt den englischen Namen „Business Incubation Centre“, kurz BIC, und befindet sich auf dem Firmengelände von Airbus. Es wurde am Dienstag beim Empfang der Stadt Friedrichshafen im Rahmen des Deutschen Luft- und Raumfahrtkongresses vorgestellt.

Das BIC, das von Ulrich Kübler von Airbus geleitet wird, soll künftig Gründern einen Platz bieten, die aus Weltraumtechnologien Geschäftsmodelle entwickeln wollen. Wie die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) mitteilt, sollen dort in den kommenden vier Jahren bis zu 30 Gründer die Möglichkeit erhalten, ihre Ideen umzusetzen. Laut Airbus können im BIC, das sich im selben Gebäude wie das firmeneigene Innovationszentrum von Airbus befindet, pro Jahr etwa drei bis vier Start-ups aufgenommen werden. „Der erste Kandidat steht schon fest“, sagt Airbus-Pressesprecher Mathias Pikelj. „Es ist eine Firma, die zur Kontrolle von Fotovoltaikanlagen Befliegungen aus der Luft macht.“ Im Innovationszentrum können sie testen, ob sich auch Satellitenaufnahmen eignen, um Schadstellen an Fotovoltaikanlagen ausfindig zu machen.

Den Start-ups, die bei ihrer Bewerbung bei der ESA nicht älter als fünf Jahre sein sollen, sollten ein innovatives Produkt oder eine Service-Idee mit Bezug zur Raumfahrt haben, ein Geschäftsmodell und ein überzeugendes Team. Den Firmen, die angenommen werden, stehen im Innovationszentrum nicht nur Büroarbeitsplätze und Besprechungsräume zur Verfügung, sondern auch die technische Infrastruktur von Airbus. Außerdem soll das BIC ein Platz sein, um Netzwerke zu schaffen, etwa mit Airbus oder mit der Zeppelin-Universität.

Die ESA hat in Europa zurzeit 18 BICs an über 40 Startorten und unterstützt dieses Jahr über 160 neue Start-ups. Damit sind die ESA BICs das größte Raumfahrt-Start-up-Netzwerk der Welt. Das jetzt eröffnete BIC in Immenstaad und die BICs in Reutlingen und Darmstadt bilden gemeinsam nun das „ESA BIC Hessen & Baden-Württemberg“. Es wird von der Cesah GmbH (Centrum für Satellitennavigation in Hessen) in Darmstadt koordiniert.

Die Ansiedlung des BIC in Immenstaad geht laut DGLR maßgeblich auf den Einsatz von Airbus zurück. Dietmar Pilz, Leiter des Airbus-Standorts, sagt: „Gegenseitiges Lernen zu ermöglichen, agiler zu werden und unternehmerisches Handeln zu unterstützen, das wollen wir im ESA BIC fördern. Wir werden das BIC eng mit unserer eigenen ‚Innovation Factory‘ koppeln, in der Überzeugung, dass beide vom Austausch profitieren und in der Hoffnung, dass sich eine raumfahrtgetriebene Start-up-Szene am Bodensee etablieren kann.“

Das ESA BIC in Immenstaad wird derzeit neben Airbus auch durch die Zeppelin-Universität unterstützt. Nächstes Ziel der ESA-Einrichtung ist die Erweiterung des Unterstützer-Netzwerks aus Politik, Firmen und Forschungseinrichtungen. Die Start-ups werden neben der finanziellen Förderung durch die ESA, das Land Baden-Württemberg und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durch technische Beratung und insbesondere durch Coaching zur Entwicklung der Geschäftsmodelle gefördert.

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