Neuer Rahmenplan: Immenstaads Mitte soll grüner werden

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Bürgermeister Johannes Henne (stehend) und (am Tisch sitzend, von links) Claus Kiener, Alexander Leitz sowie Helmut Hornstein st
Bürgermeister Johannes Henne (stehend) und (am Tisch sitzend, von links) Claus Kiener, Alexander Leitz sowie Helmut Hornstein stellten den Rahmenplan "Mitte gestalten" den zahlreichen, interessierten Bürgern vor. (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)
Gudrun Schäfer-Burmeister

In einer Bürgerinformation hat die Gemeinde Immenstaad am Donnerstagabend den Entwurf des Rahmenplanes „Mitte gestalten“ vorgestellt. Mit der städtebaulichen Planung sollen unter umfassender Bürgerbeteiligung die Weichen für eine verträgliche Weiterentwicklung der Ortsmitte gestellt. Zudem soll der innerörtliche Verkehrs besser strukturiert werden.

Nach dem Gemeinderatsbeschluss im März folgten ein Bürgerspaziergang und ein Bürgerworkshop sowie die Möglichkeit der Bürger, sich mittels schriftlicher Vorschläge einzubringen. Es gab eine Verkehrszählung, deren Ergebnisse von Claus Kiener, Modus Consult Ulm, vorgestellt wurden. Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Helmut Hornstein aus Überlingen ermittelte mit seinem Büro den aktuellen Stand und das Konzept der künftigen Gestaltung des Ortsbildes. Dabei berücksichtigte er den historisch dörflichen Charakters der Gemeinde.

Bürgermeister Johannes Henne hielt fest, dass der ausgewählte Bereich Hauptstraße/Bachstraße das Herzstück der Gemeinde sei. Dessen Gestaltung strahle auf den Rest der Gemeinde aus und setze Impulse für die weitere Ortsbildgestaltung, die Grünflächen und den Verkehr. Henne betonte, dass der vorgestellte Rahmenplan ein Zwischenentwurf sei und weitere Beratungen im Gemeinderat und Rückmeldungen durch die Bürger folgen sollen.

Kommunalberater Alexander Leitz gab einen Überblick über die vorliegenden 200 Rückmeldungen der Bürger, die sich unter anderem auf Nachhaltigkeit, Eigenständigkeit und Unverwechselbarkeit des bäuerlichen Charakters der Gemeinde beziehen. Im Bereich Verkehr berichtete Kiener von den Ergebnissen der Verkehrszählung am 25. Juni 2019. Diese habe innerhalb von 24 Stunden an vier Stellen stattgefunden.

An den Knotenpunkten Hauptstraße West/Mitte/Ost seien rund 3800 bis 4100 Kraftfahrzeuge gezählt worden. In der Bachstraße waren es etwa 1200. Der Radverkehr mache mit ein bis vier Prozent einen geringen Anteil aus. Bei den Fußgängern waren es zwölf bis 25 Prozent in der Hauptstraße, 140 Prozent in der Bachstraße. Von 160 öffentlich verfügbaren Parkplätzen waren maximal 120 belegt. Kiener sprach unter anderem die Empfehlung aus, besonders in der Bachstraße die Notwendigkeit von Parkplätzen zu überprüfen sowie die Straßenquerschnitte zu Gunsten von Radfahrern und Fußgängern anzupassen.

Landschaftsarchitekt Hornstein präsentierte ein Entwicklungskonzept für das Plangebiet. Dies sei mehr als 750 Meter lang und berücksichtige mehr als 80 Grundstücke, aufgeteilt in vier Abschnitte. Seinem Konzept sei eine detaillierte Bestandsaufnahme vorangegangen. Die Hauptstraße soll im Verfahren eine Aufwertung erfahren und den Charakter eines Schlauchs verlieren. Es sollen laut Hornstein Plätze und Grünflächen mit Sitzgelegenheiten entstehen.

Neubauten sollen in Vor- und Rücksprüngen entlang des Straßenraums erstellt werden, jeweils zweigeschossig und mit Satteldächern. Anstelle von oberirdischen Parkflächen werden Tiefgaragen bevorzugt. Eine naturnahe Gestaltung von Vorgärten mit Bäumen und Fassadenbegrünungen seien wünschenswert. Für bislang unbebaute Flächen in zweiter Reihe der Hauptstraße sind kleinteilige Bebauungen vorgesehen, die die Sicht auf den See und die Berge freilassen.

Der kleinstädtische Charakter der Bachstraße soll als Anziehungspunkt mit Einzelhandel- und Gastronomie erhalten bleiben. Es soll keine Fußgängerzone, aber ein gemeinsamer Raum entstehen: eine Flaniermeile, wo sich alle im Schritttempo bewegen und man vor dem Haus sitzen und Kaffee trinken kann. Ein kleiner Bachlauf sei denkbar. Der Bereich des Hennenbrunnens und der ehemaligen Musikterrasse sollen einbezogen werden.

Die Zuhörer, die so zahlreich in den Bürgersaal gekommen waren, dass zusätzliche Stühel benötigt wurden, lauschten den Informationen interessiert. Sie nutzten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Anregungen zu geben. Diese betrafen die Reduzierung der Straßenbreite auf fünfeinhalb Meter, die Platzierung von Buswartehäuschen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Mittel zur Verkehrsberuhigung, Rad- und Fußgängerwege, Spiel- und Grünbereiche.

Der Rahmenplan stelle laut Bürgermeister Henne eine Empfehlung dar, der die Wünsche der Bevölkerung enthalte und den positiven Willen der Gemeinde formuliere. Als solcher sei er kein rechtswirksames Instrument, diene aber als Grundlage für weitere Verträge, die ein pro-aktives Vorgehen ermöglichten. Henne: „Jetzt soll ein Signal gesetzt werden, dass der Rahmenplan kein zahnloser Tiger in der Schublade wird.“

Zeitlich werde sich die Umsetzung sukzessive auf die nächsten Jahrzehnte erstrecken, Förderanträge brauchten ein bis zwei Jahre. Kleine Maßnahmen sollen schon 2020 getroffen werden. Knapp drei Wochen haben die Bürger noch die Möglichkeit, sich schriftlich einzubringen. Am Montag, 25. November, befinde der Gemeinderat dann über den Plan.

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