Polizeiboot zur blauen Stunde
Ein Boot der Wasserschutzpolizei auf dem Bodensee. (Foto: Felix Kästle/Archiv / DPA)
Schwäbische Zeitung

Großes Glück hatten am Mittwochnachmittag zwei Kajakfahrer auf dem Bodensee. Bei aufkommendem Sturm gerieten die Paddelboote in Seenot, eines kenterte sogar. Die beiden Deutschen konnten gerade noch rechtzeitig von der Wasserschutzpolizei zwei Kilometer vor dem Ufer im Bereich Hagnau/Immenstaad aus dem eiskalten Wasser gerettet werden.

Was als Kaffeefahrt begann, endete beinahe tragisch. Laut dem Polizeipräsidium/Einsatz in Göppingen fuhren die beiden Kanuten, ein 53-jähriger Mann und eine 49-jährige Frau, am Mittwoch von Güttingen in der Schweiz nach Hagnau, tranken dort Kaffee und wollten anschließend zurück nach Güttingen. Am frühen Nachmittag änderte sich jedoch das zuvor strahlend schöne Wetter auf dem Bodensee, um 14.18 Uhr hatte der Deutsche Wetterdienst eine Sturmwarnung für den gesamten Bodensee herausgegeben. Aufgrund des sturmbedingten starken Wellengangs kenterte die Kajakführerin gegen 15.30 Uhr.

Laut Polizeibericht konnte der zweite Kanute die Frau zu sich heranziehen, sie aber nicht bergen. Ein erster Anruf bei den Rettungsdiensten kommt bald vom Katamaran: das Boot der Bodenseeschifffahrtsbetriebe meldet ein „treibendes beziehungsweise abgetriebenes, orangenes, unbemanntes Kanu“. Wenig später geht ein Notruf in Frauenfeld ein, laut Polizei konnte der Kajakfahrer selbst mit dem Mobiltelefon den Hilferuf absetzen. Er gibt an, dass er sich in Seenot befindet und eine weitere Person bereits im Wasser ist.

Hubschrauber im Einsatz

Kräfte der Wasserschutzpolizei aus Friedrichshafen, Überlingen, Konstanz sowie aus der Schweiz und zahlreiche Rettungskräfte der DLRG und der Feuerwehr sowie ein Rettungshubschrauber wurden laut Polizei sofort alarmiert. Der Rettungshubschrauber kann die beiden Kanuten kurze Zeit später finden, sie treiben etwa zwei Kilometer vor dem deutschen Ufer. Die Wasserschutzpolizei fischt sie aus dem kalten Bodensee. „Sie waren stark unterkühlt und wurden nach der Erstversorgung mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus nach Friedrichshafen gebracht“, sagt Roland Fleischer vom Polizeipräsidium/Einsatz in Göppingen. Sie werden stationär aufgenommen. Die Frau befand sich demnach in einem kritischen Zustand, sei aber inzwischen außer Lebensgefahr.

„Aufgrund glücklicher Umstände ist nicht mehr passiert“, sagt Roland Fleischer weiter, „es war eine hochgefährliche Sache, sie hätte für beide tödlich enden können, denn das Wasser im Bodensee ist derzeit noch sehr kalt“. Der Bodensee hat momentan nur sieben Grad Celsius. Wenn man sich bei solchen Temperaturen längere Zeit im Wasser aufhalte, sei das immer mit höchstem Risiko verbunden. „Wenn die Muskulatur zumacht, kann man nicht mehr schwimmen, das war Glück im Unglück.“

Die beiden Kanuten hatten offenbar Rettungswesten dabei, diese aber nicht getragen. Vermutlich sei es nicht mehr möglich gewesen, sie anzuziehen. Fleischer empfiehlt Wassersportlern, die Wassertemperatur zu beachten, Rettungsmittel mitzuführen und diese auch zu tragen und vor allem die Sturmwarnungen ernst zu nehmen. Und: „Die Leute sollten nicht nur auf die Wetter-App ihres Mobiltelefons schauen, sondern auch mal die Realität beobachten.“ Ein Blick zum Himmel helfe oft weiter.

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