Künstlerin: Skulptur in Immenstaad soll videoüberwacht werden

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Vor der Bäuerin das neue, gelbe Hennenbibbele und im Vordergrund, vor dem Hennenschlitter, das Huhn, dessen Beine repariert werd
Vor der Bäuerin das neue, gelbe Hennenbibbele und im Vordergrund, vor dem Hennenschlitter, das Huhn, dessen Beine repariert werden mussten: Bildhauerin Esther Seidel hat den Ersatz für Diebstahl und Zerstörungswut im vergangenen Jahr wieder hergestell (Foto: Heidi Keller)
Schwäbische Zeitung
Heidi Keller

Der erneute Diebstahl eines Hennenbibbele aus der Hennenschlitter-Skulpturengruppe auf der alten Musikterrasse vor einer Woche lässt auch ihre Schöpferin, die Bildhauerin Esther Seidel, ratlos zurück. Sie brachte jetzt aus der Toskana die neuen und reparierten Teile für den Vandalismus vom vergangenen Jahr mit.

Im Sommer 2017 wurde ein Hennenbibbele gestohlen und im Herbst ein Huhn aus der Verankerung gerissen, sodass die Beine verbogen waren - jetzt wurde vor rund einer Woche erneut ein Hennenküken gewaltsam abgebrochen und gestohlen. Selbst die Gießerei in Italien habe es nicht für möglich gehalten, dass so etwas in Deutschland passieren könne, berichtet Esther Seidel bestürzt.

Die in Salem aufgewachsene Künstlerin lebt und arbeitet seit vielen Jahren in der Toskana und ist gerade angereist, um das nachgearbeitete gelbe Küken und das reparierte Huhn selbst in die Seegemeinde zu bringen. Beides wurde am Montag wieder an Ort und Stelle installiert.

„Rohe Gewalt“

„Ich stecke mein ganzes Herzblut hinein, um Kunst zum Anfassen zu schaffen, um für Andere etwas Schönes zu kreieren, an dem sie Freude haben. Gerade habe ich bei einer Kunstbiennale in Island eine Textilfigur ausgestellt unter Verwendung von Kinderbildern, auf denen sie ihre Träume gemalt haben. Selbstverständlich muss meine Kunst nicht jedem gefallen. Aber dann sollte man den Mut haben, sich öffentlich dazu zu äußern und darüber zu diskutieren und nicht in einer Nacht- und Nebelaktion mit roher Gewalt zerstören.“ Sie frage sich, welche Absicht des Täters dahinter stand, derart brutal einzugreifen und komme zu keiner Erklärung. Für sie sei das feige und traurig, ergänzt die Künstlerin.

Eine Immenstaaderin aus der Hauptstraße kommt zufällig vorbei und macht ihrer Empörung ebenfalls Luft: „Ich kann es auch nach einer Woche immer noch nicht fassen. Wer hat da etwas davon, von diesem Verhalten, von dieser Gewalt?“

Esther Seidel weiß: „Bei Kunst im öffentlichen Raum besteht selbstverständlich immer ein gewisses Risiko. Sie kann beschädigt werden, man kann sie zerschlagen, beschmieren, Gemälde mit Säure angreifen, genauso wie Scheiben zerschlagen oder öffentliche Pflanzen zerstören. Da geht es ums Prinzip, um Respekt.“ An ihren anderen Kunstwerken im Bodenseekreis, etwa in Markdorf, Friedrichshafen oder Langenargen, sei derartiges bislang noch nicht vorgekommen. Umso mehr freue es sie, dass sich diese Woche nach dem Diebstahl spontan eine Spenderin gefunden habe, die die Hälfte der Kosten für ein weiteres Ersatz-Hennenbibbele übernehmen wolle (wir berichteten).

Diese Woche trifft Esther Seidel auch Bürgermeister Johannes Henne. An sich, um sich kennenzulernen und über die Weiterentwicklung der Skulpturengruppe zu sprechen. In der Planung ist noch ein lebensgroßer Bauer, passend zur Bäuerin, vorgesehen. Dafür braucht es aber noch neue Sponsoren. Jetzt wird aber wohl auch der Schutz der vorhandenen Figuren ein Thema sein. Sie wolle dafür eine Videoüberwachung vorschlagen, sagt die Künstlerin.

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