Johannes Henne blickt auf ein Jahr als Bürgermeister in Immenstaad zurück - und in die Zukunft

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 Johannes Henne setzte sich für eine städtebauliche Leitkonzeption in Immenstaad ein. Auch das Rathaus wird 2019 umfangreich umg
Johannes Henne setzte sich für eine städtebauliche Leitkonzeption in Immenstaad ein. Auch das Rathaus wird 2019 umfangreich umgebaut. (Foto: Alexander Tutschner)

Seit einem Jahr steht Johannes Henne (31) an der Verwaltungsspitze der Gemeinde Immenstaad. Mit den Neubauplanungen von Bauhof und KiTa Seegaddel hat er wichtige Projekte seines Vorgängers Jürgen Beisswenger fortgeführt. Mit einem städtebaulichen Rahmenplan oder Ladestationen für E-Mobilität eigene Akzente gesetzt. Alexander Tutschner unterhielt sich mit dem Bürgermeister über diese Themen und die Diskussion um die mögliche neue B-31-Trasse.

Mit Ihrem ersten Neujahrsempfang haben Sie auch den ersten Jahresdurchlauf als Bürgermeister von Immenstaad abgeschlossen, wie lautet Ihr Fazit?

Es war ein aufregendes Jahr. Es galt, die bereits vorhandenen Themen in der Gemeinde kennenzulernen und weiterzuführen sowie neue Themen auf die Agenda zu setzen, schließlich hat man als junger Bürgermeister auch viele neue Ideen. Es galt also nicht nur auf den Zug aufzuspringen, sondern auch den ein oder anderen Wagon anzuhängen. Die derzeit dominierenden Themen sind ja schon vor meiner Zeit in Gang gebracht worden: der Neubau des Bauhofs und der Kindertagesstätte Seegaddel. Dazu kommt die große Frage, wie es mit der Linzgauhalle weitergeht. Ein neues, innovatives Thema wiederum ist etwa die Elektromobilität, die wir in Immenstaad mit der Errichtung zweier Ladestationen für Elektroautos und E-Bikes unterstützen werden. Um die Entwicklung in der Gemeinde besser zu strukturieren, arbeiten wir außerdem an einer städtebaulichen Leitkonzeption.

Wie soll die konkret aussehen?

Inhaltlich wird der städtebauliche Rahmenplan vergleichbar sein mit einem Bebauungsplan. Er ist aber nicht rechtlich bindend, sondern mehr als politisches Konzept anzusehen. Es sollen Freiflächen vor Gebäuden vorgesehen werden und eine klare Linie in Sachen Bebauung definiert werden: Wo sollte man abrücken von der Straße, wo geht es nicht? Bei der Dynamik, die wir im Baubereich gerade am See erfahren, brauchen wir diese klare Linie. Und bei neuer Bebauung brauchen wir unbedingt auch ein verträgliches Zusammenspiel mit unseren historischen Gebäuden im Ortskern. Das erreichen wir nur mit einer Gesamtkonzeption. Erfreulicherweise bekommen nun für dieses Vorhaben auch Fördergelder vom Land.

Ist da nicht der Konflikt mit den Bürgern vorprogrammiert?

Wir werden auf jeden Fall Argumente austauschen. Wir werden mit unseren politischen Vorstellungen in die Diskussion gehen und die Bürger damit konfrontieren. Nach meiner Einschätzung wird dies in der Bevölkerung auch befürwortet und erwartet. Deshalb werden wir eine intensive Bürgerbeteiligung vornehmen: Wir starten mit einem Bürgerspaziergang und diskutieren gemeinsam mit Anwohnern und allen Interessierten mögliche Anforderungen.

Wie geht es dann weiter?

Die Ergebnisse, die wir Ende 2019 erwarten, sollen Grundlage für ein Gemeindeentwicklungskonzept sein. Dieses städtebauliche und politische Gesamtkonzept für die ganze Gemeinde könnte dann auch Schule, Linzgauhalle oder andere öffentliche Einrichtungen betreffen. In diesem Zusammenhang sollte aus meiner Sicht auch die Standortfrage der Linzgauhalle noch einmal diskutiert werden sowie weitere Möglichkeiten zur Schaffung von Wohnraum. Vielleicht kann es dabei die ein oder andere Win-Win-Situation geben. Startschuss für das Gemeindeentwicklungskonzept könnte der Neujahrsempfang 2020 sein.

Die Diskussion um die möglichen Ausbau-Trassen der B 31 ist wieder voll entbrannt. Mit den drei „neuen“ Korridoren wurden sie in Immenstaad etwas überrascht ...

Es war klar, dass der Prozess der Linienbestimmung innerhalb des Prüfraums zwischen der alten Variante 7.5 und dem Bodensee ergebnisoffen abläuft. Die neuen Verschnitte zwischen den alten Varianten 0.1, 9.3 und 7.5., haben nun gezeigt, dass bisweilen noch nichts in Stein gemeißelt war. Für mich ist klar: kommt eine Trasse, die die Gemeinde durchschneidet, so hat dies erhebliche Auswirkungen auf Bereiche, die Immenstaad besonders prägen, wie zum Beispiel Tourismus, Landwirtschaft und Naherholung. Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir klarmachen, dass die Trasse soweit nördlich wie möglich auf unserer Gemarkung verlaufen sollte, um die sensiblen, seenahen Bereiche zu schützen. Dabei gilt es aber auch die bislang definierten nördlichen Korridore noch hinreichend zu optimieren, etwa am Lipbach oder nördlich von Kippenhausen.

Was halten Sie vom Vorschlag des BUND, die alte B 31 auszubauen, sie um Immenstaad herum tieferzulegen und mit einem Deckel zu versehen?

Man muss immer die Realisierbarkeit von Trassenvorschlägen im Blick behalten, auch vor dem Hintergrund der verfügbaren finanziellen Mittel. Eine komplette Überdeckelung erscheint aus diesem Grund nur sehr schwer vorstellbar, auch was die technische Umsetzbarkeit angeht. Im Übrigen würde die Ausbauvariante für einen Großteil der Immenstaader Bevölkerung extrem spürbar werden, sowohl während der Bauphase als auch langfristig – das halte ich für ungut! Aber egal ob A, B oder C, das Thema Lärmschutz wird ganz entscheidend sein, nicht nur für Immenstaad, sondern für die ganze Raumschaft. Deshalb muss es jetzt schon rege diskutiert werden, sodass es bei den Planern und den Entscheidungsträgern Gehör findet. Wir als Gemeinde treffen die Entscheidung ja nicht selbst.

Sondern das RP, und das informiert am 12. Februar in Markdorf ...

Ich rufe alle Immenstaader auf, bei der Versammlung des Regierungspräsidiums dabei zu sein und sich vollumfänglich zu informieren. Der Regierungspräsident und das Planungsteam werden anwesend sein, um den Status Quo darzustellen. Fragen, die im Raum stehen, sollen zur Beantwortung kommen, dazu wird es einen Block zur Aussprache geben. Die Gemeinde wird für diese Veranstaltung auch einen Bustransfer organisieren, für den man sich bei der Verwaltung anmelden kann.

Was steht 2019 in Immenstaad an?

Wir werden in Sachen öffentlicher Infrastruktur wieder gut vorankommen. Ab Ende Februar soll der neue Bauhof am Herrenweiherweg gebaut werden. Für 3,5 Millionen Euro bekommen wir dann ein Gebäude, das wieder 50 Jahre halten soll. Gleichzeit werden wir darüber beraten, was am alten Standort passiert. Vielleicht gibt es die Möglichkeit der Refinanzierung. Bei der Kita Seegaddel soll es im Mai/Juni mit dem Neubau losgehen. Die Planung hat sich etwas verzögert, dafür konnten wir im konstruktiven Austausch mit den Anliegern einige Unklarheiten beseitigen und Kompromisse bei der Planung finden, das war gut und wichtig.

Dazu kommt der Rathausumbau...

Der Dienstleistungs- und Servicegedanke wird immer wichtiger, auch in der Verwaltung. Transparenz, Offenheit und Freundlichkeit spielen auch im Rathausgebäude eine Rolle. Das für 1,7 Millionen Euro umgebaute Rathaus soll ein angenehmer Anlaufpunkt werden für Bürger und Gäste. Alle publikumswirksamen Bereiche sollen im Erdgeschoss angesiedelt werden. Gleichzeitig bekommt die Tourist-Information neue Räume. Sie soll sich auch vermehrt um die Vermarktung regionaler Produkte kümmern: Wein, Obst, Marmelade – wir haben hier ja tolle Produkte.

Mit Steigwiesen II haben sie gerade das letzte Gewerbegebiet in Immenstaad erschlossen ...

Wir vermarkten das Gebiet mit Bedacht, der Fokus liegt auf Immenstaader Betrieben und innovativen, mittelständischen Firmen. Die ersten Betriebe werden bald loslegen, etwa die Malerei Fürderer aus Immenstaad oder die Eventgastronomie Klink-Eberhard. Es wird eine gute Mischung, wir müssen da nichts überstürzen, da es ja unsere letzte Fläche ist.

Wann geht es mit der Jugendarbeit los?

Ich komme selbst aus der Jugendarbeit, ich weiß, dass es für das Erwachsenwerden wichtig ist, auch mal selbst Verantwortung zu übernehmen. Wir haben die Räume im Bürgerhaus vom ehemaligen Jugendtreff auf Vordermann gebracht. Aber die Jugendlichen sollen auch selbst Hand anlegen und die Räume im Rahmen eines Projektes gestalten. Wir brauchen dazu aber dringend erfahrene Fachkräfte, die ich hoffe in den nächsten Wochen finden zu können, sodass dem Start nichts mehr im Wege steht. Der Jugendtreff soll dann zweimal pro Woche öffnen.

Warum kandidieren sie bei den Kommunalwahlen für den Kreistag?

Gerade im Gebiet des Wahlkreises vier zwischen Uhldingen-Mühlhofen, Meersburg und Immenstaad gibt es viele Themen, die uns insgesamt betreffen: die B 31, die Bodenseegürtelbahn, der starke Tourismus oder der Breitbandausbau. Dafür möchte ich mich einsetzen. Darüber hinaus geht es mir aber auch um die Entwicklung des Bodenseekreises und darum, über den Tellerrand hinauszuschauen. Wir sind ein Wirtschafts- und Tourismus-Standort, der mit anderen in Deutschland Schritt halten muss. Den gilt es für die Zukunft fit zu halten. Und was der Region gut tut, tut letztlich auch der Gemeinde gut.

Was sind die mittelfristigen Ziele in Immenstaad?

Bei den Projekten Seegaddel und Bauhof rechnen wir mit 18 Monaten Bauzeit, sie werden also Ende 2020 fertig werden. Bis dahin soll die Entscheidung fallen, mit welchem Projekt es weitergeht. Die Frage wird sein, wie finanziell leistungsfähig wir dann sind. Können wir gleich mit der Schulsanierung weitermachen oder brauchen wir eine Verschnaufpause? Für mich ist aber klar, dass nach den Projekten Bauhof und Seegaddel die Schule dran ist, quasi als wichtiges Zukunftsthema, denn dort werden unsere Kinder unterrichtet. Die Gespräche zu diesem Vorhaben werden parallel weiter laufen, die Raumplanung wird gemacht und die Rahmenbedingungen geklärt. Vielleicht können wir schon 2021/2022 starten. Anschließend werden wir sehen, wie es mit der Linzgauhalle weitergeht.

Hier soll erst mal saniert werden ...

Die Linzgauhalle muss in den nächsten Jahren noch angenehm bespielbar sein, für Sport und Kultur. Deshalb werden wir ein leichtgewichtiges Sanierungsprogramm auflegen. Es ist nicht ersichtlich, dass wir in den nächsten fünf Jahren eine neue Halle bekommen werden. Wir dürfen aber auch dieses Projekt nicht schleifen lassen oder gar aus den Augen verlieren. Wenn Förderprogramme aufgelegt werden, muss man vorbereitet sein. Letztlich geht es insgesamt darum, wieder eine Infrastruktur für die nächsten 50 Jahre zu schaffen, dafür müssen wir natürlich auch investieren.

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