In den Weinfässern blubbert es

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Matthias Röhrenbach prüft, wie es in den Gärröhrchen des Weinkellers blubbert.
Matthias Röhrenbach prüft, wie es in den Gärröhrchen des Weinkellers blubbert. (Foto: Heidi Keller)
Heidi Keller

Im Weingut Röhrenbach wird bereits seit zwei Wochen geherbstet, bei Familie Siebenhaller in Kippenhausen geht es diese Woche los. Von einem hervorragenden Weinjahrgang gehen beide Betriebe aus.

Im Keller von Matthias Röhrenbach duftet es bereits intensiv nach Hefe, in den Gärröhrchen einiger Fässer blubbert es. Der erste Suser wird schon abgefüllt. „Extrem gesundes Traubengut“ gibt es dieses Jahr, sagt Röhrenbach. Der heiße Sommer hat es möglich gemacht. „Wir haben am 27. August mit der Lese begonnen. So früh wie nie. Noch früher als im letzten heißen Sommer 2003.“

Dabei hat am 23. August ein Hagelgewitter doch noch Schlitze in die reifen Trauben geschnitten. Diese Trauben müssen als erste geerntet werden, bevor Wespenfraß und Fruchtfliegen dazukommen – und aus dem Traubensaft Essig wird. „Auch wenn er Spätburgunder heißt, er muss als nächstes geholt werden.“

Geschädigte Trauben werden auch bei Stefan Siebenhaller in Kippenhausen so schnell wie möglich in einer Vorlese entfernt. Den Spätburgunder, Ruländer und Bacchus am Hohberg habe es erwischt, sagt er. Der Rest bleibe aber noch stehen. Sein Ziel ist, noch mehr Öchslegrade und mehr „innere Reife“ für die Trauben zu erreichen. Bacchus und Regent sind in seinem Betrieb die ersten Sorten, die gelesen werden. Müller-Thurgau wird normalerweise in einer Vor- und Hauptlese geerntet. „Wenn das Wetter trocken bleibt, könnte es aber sein, dass wir dieses Jahr ausnahmsweise alles auf einmal abschneiden.“

Familie Siebenhaller liefert einen Teil der Ernte beim Winzerverein Hagnau ab, ein Teil wird selbst produziert und vermarktet. Die Winzergenossenschaft entscheidet gemeinsam, ab wann geerntet wird. Etwa 25 Verantwortliche besichtigen die Reben in verschiedenen Lagen. Es wird diskutiert über Reife, Gesundheitszustand und Wettervorhersagen und schließlich über den Vorschlag des Winzerverein-Vorstands demokratisch abgestimmt. Bezahlt werden die Zulieferer nach Öchslegrad und Menge.

Für das umfangreiche Sortiment im eigenen Weingut geht Stefan Siebenhaller davon aus, dass dieses Jahr durch die hohen Öchsle-Werte mehr Spätlesen und Auslesen abgefüllt werden können. Weil die Ernte dieses Jahr so extrem früh beginnt, werde es aber wohl keinen Eiswein geben wie vor zwei Jahren. Dafür müsste man die Trauben zu lange hängen lassen.

Mehr Öchsle als sonst

Etwa 94 statt 85 Grad Öchsle hat bei Matthias Röhrenbach beispielsweise der Regent, der sich brombeerrot als Suser im Glas bereits mitten in der Gärung befindet. „Direkt hinter dem Haus haben wir viel Humus. Dort haben die Trauben weniger gelitten unter der Trockenheit und sind schön ausgereift.“ Immernoch durch den Hagel im vergangenen Jahr beeinträchtigt, gab es diese Saison weniger Traubenbehang. „Das heißt aber mehr Reife, genug Süße und ein schönes Säure-Rückgrat“, freut sich der Immenstaader Winzer.

Zwei Wochen früher war auch der Sauvignon Blanc. Ein neues Lieblingskind von Matthias Röhrenbach, der die Sorte erst vor drei Jahren angepflanzt hat. „Das wäre vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen.“ Der Klimawandel machts möglich. Der Sauvignon Blanc wurde spontan vergoren. „Das funktioniert nicht mit jeder Sorte. Weiß- und Grauburgunder würde ich nicht spontan vergären.“ Die Weißweine in seinem Keller werden gekühlt vergoren, „um die Aromen zu schonen und damit der Duft nicht mit dem CO flöten geht“.

Und ein kleines Geheimnis verrät der experimentierfreudige Winzer zum Schluss noch: Frisch gepflanzt wurde jetzt ein Gelber Muskateller – 2020 wird es den ersten Wein daraus geben. „Das Ziel ist, ihn trocken auszubauen. Aber als Bukettsorte taugt er auch für eine schöne Cuvée.“

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