Immenstaader wehren sich gegen Verlegung der B31

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Siedlung aus der Vogelperspektive
Auf der Grünfläche haben Anwohner aus der anliegenden Siedlung mit weißen Streifen den Abschnitt markiert, der der C 1.1-Variante zum Opfer fallen würde. (Foto: andreas eichenberg)
Heidi Keller

Viele Fragen haben die Bewohner von Siedlung und Ruhbühl, seit sie Ende Oktober vom Regierungspräsidium erfahren haben, dass die B 31-neu im Trassenverlauf Variante C1.1. direkt vor ihren Häusern vorbeiführen soll. Jetzt setzen sie alle Hebel in Bewegung, um ihre Interessen deutlich zu machen.

Eine Gruppe von 40 Anwohnern stellte bereits in der Bürgerfragestunde der letzten Gemeinderatssitzung erste Fragen zur Verschiebung der Trasse Richtung Süden, direkt vor die bestehende Bebauung. Am Montagabend lud der Kern der Aktiven ins Gasthaus „Alpenblick“, um die Nachbarn über den aktuellen Stand zu informieren. Über 50 Interessierte waren gekommen. Außerdem läuft eine Unterschriftenaktion „Keine B-31-Trasse direkt vor der Haustür!“. Die Unterschriften sollen dem Regierungspräsidium übergeben werden.

Ortsbegehung abgelehnt

„Wir haben versucht, mit dem Regierungspräsidium Kontakt aufzunehmen. Eine Ortsbegehung hier bei uns hat man abgelehnt und auf die Infoveranstaltung am 22. und 23. Oktober in der Linzgauhalle verwiesen. Fragen würde man uns telefonisch beantworten, haben die Ansprechpartner im RP in Aussicht gestellt“, berichtet die beunruhigte Arbeitsgruppe der Presse.

Mit der Bürgerinitiative BIB31 in der Seegemeinde habe man ebenfalls Kontakt aufgenommen. „Wir haben aber kein positives Signal wahrgenommen, dass man uns mit konkreten Maßnahmen für unser Problem unterstützen wolle“, erklärt Martin Kurreck. Auch beim Dialogforum B31, das mit Experten für Straßenplanung und sogenannten Zufallsbürgern besetzt ist, haben die Betroffenen angeklopft.

Inzwischen hat sich die Gruppe auch die Mühe gemacht, den Regelquerschnitt der vierspurigen B 31-neu von 28 Metern Breite mit Bändern auf dem Acker neben ihren Häusern abzustecken, wo die Trasse laut C 1.1. verlaufen soll.

„Wir fragen uns, warum die Resolution des Gemeinderats, die auf einer Variante des C 1.1. beruht, die viel weiter nördlich durch den Wald verlief, jetzt nicht noch einmal diskutiert wird, aufgrund der veränderten Tatsachen. Gleiches gilt für die Bürgerinitiative, die diese C 1.1. doch verteidigen wollte“, sind sich die Aktiven einig.

Es gehe ja nicht nur um die Bürger der Siedlung, sondern auch im weiteren Verlauf um die Bewohner bei den Stockwiesen, wo die Trasse auch nahe an die Häuser und den Spielplatz herankommt, sagen sie.

Bürger ratlos und aufgebracht

Ratlos und aufgebracht ist die Arbeitsgruppe, die sich zum wiederholten Mal trifft, über die Begründung mit der Mülldeponie auf Häfler Gemarkung, neben dem Lipbach, die jetzt plötzlich für die Trassenverschiebung nach Süden aus dem Hut gezaubert worden sei. Auch weil sie saniert und großflächig gedeckelt werden müsse, sei die Verschiebung von C1.1. notwendig, sei die Begründung des Regierungspräsidiums gewesen.

Verkehrsminister besichtigt Trasse der B31-neu
Der baden-württembergische Verkehrsminister von den Grünen, Winfried Hermann, hat sich auf die verschiedenen Varianten für die Trasse der B31-neu zwischen Immenstaad und Meersburg angesehen.

Inzwischen habe man recherchiert und festgestellt, „dass im von Diplom-Ingenieur Burchard Stocks mit ausgearbeiteten Flächennutzungsplan vom 8. Juli 2006, der auch in 2015 noch gültig war, die Deponie explizit ausgewiesen ist“. Heute ist Stocks als Experte an der Planung der neuen B 31 mit seinem Büro für Umweltsicherung und Infrastrukturplanung in Tübingen beteiligt.

Martin Kurreck, Andreas Eichenberg, Bernhard Neumeyer, Claus Hodler und Rudolf Sippel finden, damit sei die Argumentation mit der Mülldeponie als neue, große Unbekannte „ad absurdum geführt“.

Da kann doch kein Mensch mehr wohnen.

Anwohner

„Wie kann es sein, dass die Deponie jetzt plötzlich wieder ins Bewusstsein kommt. Statt viel Geld in Tunnel zu stecken, sollte man besser die Deponie ökologisch sanieren.“

Sorgen machen den Anwohnern auch die möglichen gesundheitlichen Folgen, „wenn man so nah an der Autobahn wohnt“, der Werteverfall ihrer Immobilien und die Bauphase, während der eine 80 Meter breite Baustelle vor ihren Haustüren verlaufen soll. „Da kann doch kein Mensch mehr wohnen.“

Unterstützung erhoffen sich die Siedlungs-Anwohner jetzt auch von Bürgermeister Johannes Henne, der in der Gemeinderatssitzung Verständnis gezeigt hat. Ein Gesprächstermin ist bereits vereinbart.

Planung der B 31-neu geht in die nächste Phase
Von den 22 Trassenvorschlägen für die neue B 31zwischen Meersburg und Immenstaad sind nur noch drei Hauptvarianten übrig. Allerdings mit zwei Unteroptionen und insgesamt neun Kombinationsmöglichkeiten. Dafür sollen alle Varianten umweltverträglich sein und den derzeitigen Verkehr entlasten. Das hat jetzt das Gutachten des Regierungspräsidium Tübingen ergeben. Wie die Bürger darauf reagieren, sehen Sie im Video.
B31neu erhitzt die Gemüter
Die geplante neue B31 zwischen Immenstaad und Meersburg bietet Diskussionsstoff. Die öffentliche Debatte spielt sich dabei vor allem zwischen den Umweltschützern des BUND und der Bürgerinitiative Immenstaad B31neu ab. Welche Argumente sie austauschen und worum es eigentlich geht, sehen Sie im Video.
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