Immenstaader Bürger machen ihrer Aufregung um den neuen C 1.1-Verlauf Luft

Lesedauer: 9 Min
 Es soll bei der Planung nicht nur um Tier und Natur, sondern auch um den Menschen gehen: Für diese Aussage erntet einer der Bür
Es soll bei der Planung nicht nur um Tier und Natur, sondern auch um den Menschen gehen: Für diese Aussage erntet einer der Bürger viel Applaus von den anderen Zuhörern. (Foto: hke)
Heidi Keller

Die Bürgerfragestunde nahm am Montagabend in der Sitzung des Gemeinderats mehr Raum ein als die eigentliche Tagesordnung. Über 40 Bürger vom Ruhbühl und der Siedlung wollten ihrer Aufregung über die bis vor ihre Gärten verlegte B 31-neu-Trasse C1.1 Luft machen.

Bei den beiden Informationsabenden des Regierungspräsidiums Tübingen am 22. und 23. Oktober in der Linzgauhalle mit dem Zwischenstand zur Planung der verschiedenen B 31-neu-Varianten kam es für die Öffentlichkeit an den Tag: Die vom Gemeinderat bevorzugte Variante C1.1 mit dem Verlauf im Hinterland zwischen Ruhbühl/Siedlung und dem Gewerbegebiet Steigwiesen soll nach aktuellem Planungsstand viel näher nach Süden an die bestehende Bebauung heranrücken als zuvor.

Martin Kurreck machte in der Bürgerfragestunde den Anfang und bezeichnete sowohl die neue Trassenführung als auch die Art und Weise der Information der Bürger als „inakzeptabel“. Er wollte von Bürgermeister Johannes Henne wissen, ob die Verwaltung vorab informiert gewesen sei, ob es Vorgespräche gegeben habe zur Umplanung.

„Viel mehr eingebunden“

Henne zeigte „volles Verständnis“ für das Anliegen der Bürger. Er wies darauf hin, dass in diesem transparenten Verfahren der Straßenplanung mit dem Regierungspräsidium Tübingen, einem „Pilotprojekt“, mehr Bürger und viele stärker eingebunden seien als jemals zuvor. Auch handele es sich momentan immer noch um ein informelles Stadium des Prozesses.

Bei einer Ortsbegehung im Sommer sei der Gemeinderat auf die Problematik der angrenzenden Deponiefläche aufmerksam geworden. Daraufhin habe das Regierungspräsidium das Verfahren ausgeweitet. Die Überdeckelung der Deponie für deren Sanierung – eine Genehmigung für eine Erweiterung liege bereits vor – habe sich auf den Verlauf der Trasse ausgewirkt.

Der neue Verlauf, südlich der Deponie statt entlang ihrer nördlichen Grenze, so Henne, sei am 22. Oktober in der Bürgerinformation erstmals bekannt gegeben worden. Andreas Eichenberg, ebenfalls aus der Siedlung, kritisierte, dass sein Haus mit dieser C1.1-Linienführung nicht mehr zu verkaufen sei. „Man kann doch nicht das Leben dieser Menschen ruinieren, die eine Lebensplanung für sich gemacht haben. So bekommen wir Wutbürger im Land.“

Bürgermeister Henne erklärte, dass die Mülldeponie nicht das einzige Problem sei. Man müsse alle zu schützenden Güter im Blick behalten. Das an die Siedlung angrenzende Waldgebiet Speckholz sei Teil des europäischen geschützten FFH-Gebiets – Flora-Fauna-Habitat. Auch aus übergeordneten natur- und artenschutzrechtlichen Gründen sei die Trasse weiter nach Süden verlegt worden.

„Selbstverständlich stehe ich als Bürgermeister den Bürgern zur Seite. Wir sollten uns treffen, um gemeinsam Argumente zusammenzutragen.“ Die Verwaltung wolle sich weiterhin dafür einsetzen, „das Beste für Immenstaad rauszuholen – wir machen das ja nicht erst seit gestern“.

Ein weiterer Anwohner erntete Beifall von seinen Mitstreitern für seinen Einwurf, dass nicht nur Gelbbauchunken und Fledermäuse, sondern auch Menschen, die dort wohnten, geschützt werden müssten. Ein anderer Betroffener fragte, ob der Gemeinderat nach der Trassenverschiebung noch einmal neu über seine Resolution für die Trasse C1.1 entscheide.

Henne antwortete, das könne er nicht alleine entscheiden, das müsse im Gremium erörtert werden. Ein weiterer Zuhörer forderte, „mit mehr Druck gegen die Planungsbehörde vorzugehen“. Henne erinnerte daran, dass es auch eine Bürgerinitiative gebe, in der sich Bürger engagieren können. Er sorge sich darum, dass die Seegemeinde entweder südlich auf der alten B 31 oder nördlich zerschnitten werde. „Wir setzen uns als Träger öffentlicher Belange für unsere Bürger ein.“ Er appellierte, „mit aller Sachlichkeit“ gemeinsam Argumente zu sammeln. Eine Bürgerin bemängelte, dass es im Amtsblatt keine ausführliche Information gegeben habe. Henne wies darauf hin, dass Pläne und tausende Seiten Material auf der Internetseite des Regierungspräsidiums frei zugänglich seien. Die Gemeinde selbst habe keinen Zugriff auf die Pläne.

Für Gespräche bereit

Ein Anwohner wollte Genaueres zur Deponie wissen. Henne erklärte, dass es sich um Altlasten handele, nicht um eine aktive Deponie, die überdeckelt werden solle. Sie liege auf der Gemarkung der Stadt Friedrichshafen. Dort könnten sich Bürger auch über Details informieren. Martin Kurreck ergriff am Ende noch einmal das Wort und erklärte im Namen der Anwohner, man sei gerne und schnell zum Gesprächsangebot mit dem Bürgermeister bereit.

Bürgerinitiativen demonstrieren auf der B31
Wo sonst mehr als 20.000 Fahrzeuge pro Tag durchrollen, geht am Sonntagabend nichts mehr. Mit Schildern, Transparenten und Trillerpfeifen haben die Demonstranten aus Hagnau, Immenstaad und Stetten auf sich aufmerksam gemacht.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen