Immenstaad feiert das „viertelrunde Jubiläum“

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Heidi Keller

„Immenstaad blüht auf“ – gerne auch mal beim Feiern: Das Festwochenende zum Jubiläum „925 Jahre Immenstaad“ hatte für alle Altersklassen und viele Interessen etwas zu bieten.

Die Saat, die vor Wochen für das Jubiläum in Blumensamen-Tütchen mit der Aufschrift „Immenstaad blüht auf“ in der Bevölkerung verteilt worden war, ist inzwischen aufgegangen. Wildblumen machen die Seegemeinde jetzt an vielen Stellen noch bunter.

Bürgermeister Johannes Henne erinnerte bei der Eröffnung des Festwochenendes am Freitagabend auf dem Rathausplatz an die bewegte Geschichte der Gebäude rundherum. Das Bürgerhaus mit seinen vielen Funktionen, das als Rathaus, Armenhaus und Gefängnis gedient hatte, das 300 Jahre alte und traditionsreiche Gasthaus „Adler“ sowie die Mannhardsche Turmuhr aus der katholischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert, heute im modernen Glashaus. „Das 1982 erbaute Rathaus steht für den wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung der Gemeinde seit dieser Zeit.“ Im Fokus des Jubiläums-Festwochenendes stehe das gute Miteinander im Ort und das ausgeprägte bürgerschaftliche Engagement. „Die Immenstaader haben in ihrer Geschichte viel erlebt und sich immer wieder durchgesetzt.“

17 Trucks in der Hauptstraße

Die Vereine der Seegemeinde seien ein wichtiges Fundament für die dörfliche Gemeinschaft. Henne dankte allen Vereinen, die sich am Freitag und Samstag präsentierten und die Gäste auf dem Rathausplatz und beim Fest der Vereine in der Bachstraße bewirteten. „Einmal um die ganze Welt essen“ könne man sich am Samstag und Sonntag beim „Streetfood-Markt“ mit 17 Trucks in der Hauptstraße.

Auch Landrat Lothar Wölfle gratulierte Immenstaad zum „viertelrunden Jubiläum“, wenn auch seiner Ansicht nach die historische Belegbarkeit der Pfarreigründung vermutlich auf der einen oder anderen „Fakenews“ beruhe. Mit dem erfolgreichen Anstich des Festbier-Fasses durch Bürgermeister Henne startete der gesellige Teil des Jubiläums.

Am Freitagabend hatte zuvor bereits der Auftakt zum „Sechsten Immenstaader Hungermarsch“ mit einem Staffellauf in der Bachstraße stattgefunden. Die Siegerehrung der Erwachsenen konnte deshalb auf der Bühne des Rathausplatzes vollzogen werden. Drei gemischte Mannschaften der Leichtathletikabteilung des TuS Immenstaad konnten auf der Bühne die Siegertreppen erklimmen.

Die Piccolos unterhielten musikalisch sowohl am Hennenbrunnen als auch anschließend auf dem Rathausplatz. Nach dem Applaus für die Tanzgruppe „Factory X“ war es Zeit für den angekündigten Filmklassiker „Die Fischerin vom Bodensee“ – unter freiem Himmel auf der Großbildleinwand. Die meisten Szenen wurden 1956 entlang des Seeufers in Immenstaad, Hagnau, Meersburg und Unteruhldingen gedreht.

Ganz zeitgemäß präsentierte sich dann am Samstag und Sonntag der Foodtruck-Markt in der Hauptstraße mit Leckereien aus aller Welt. Von Süd- über Nordafrika, mehrere europäische Nachbarländer bis zu den Spezialitäten Süd- und Nordamerikas gab es ein reichhaltiges Angebot für kulinarisch Interessierte – alles homemade, handmade, original und frisch, auch vegetarisch und vegan.

Bis 23 Uhr geöffnet

Die Gewerbetreibenden und Einzelhändler in der Ortsmitte hatten am Samstag teils bis 23 Uhr ihre Läden offen, sodass für die zahlreichen Gäste auch nach dem Bad im See am Abend noch genügend Zeit war zum Shoppen und Feiern. Für die Kinder bot die Gemeinde kostenlos ein Karussell, Kinderschminken, Zauberer, Kasperletheater und Torwand-Schießen. Mehrere Straßenkünstler und Livebands verhinderten auch bei den Erwachsenen Langeweile.

In der Bachstraße bewiesen die Immenstaader Vereine am Samstagnachmittag und -abend ihre Gastfreundschaft. Die längste Theke gab es bei der Narrengesellschaft „Hennenschlitter“. Der Männerchor schenkte aus, die Kippenhauser Schalmeien, die örtlichen Winzer und die Fidelen Brummbären spielten. Die zur 900-Jahr-Feier gegründete beliebte Blaskapelle feierte mit ihrem Auftritt in der Bachstraße gleichzeitig ihr 25. Jubiläum.

Führungen von Schulkindern

Auf der Bühne am Hennenbrunnen traten unter anderem die Danzknepfle tanzend auf und das Akkordeon-Orchester Fiorini unter der Leitung von Martina Blaser. Sonderfahrten mit der Lädine waren bei Traumwetter an beiden Tagen möglich. Ein besonderer Höhepunkt waren auch die Führungen von Schulkindern am Samstagnachmittag zu Immenstaader Sehenswürdigkeiten, zum Schwörer-Haus, zum Hennenbrunnen und zur Stephan-Brodmann-Schule. In Zusammenarbeit mit dem Heimatverein und Heide Budde hatten sich die Schüler vorher zu Experten der Heimatgeschichte weitergebildet.

Unter dem Zeichen des Dorfjubiläums stand auch der „Sechste Immenstaader Hungerlauf“, den wieder Karin und Karl Jäger für den TuS Immenstaad organisiert hatten. Am Samstagmorgen starteten die Läufer nach dem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Jodokus entweder auf die Fünf-Kilometer- oder die Neun-Kilometer-Strecke Richtung Trimmdich-Pfad und wieder zurück zur Kirche. Unterwegs gab es Verpflegungsstationen von örtlichen Sponsoren.

An der Kirche erwartete die katholische Frauengemeinschaft die Marschierenden mit einem vielfältigen Kuchenbuffet. Die gesamte Spendensumme für den Hungerlauf wird in einigen Tagen bekannt gegeben. Der krönende Abschluss des Jubiläums-Festwochenendes war das Benefizkonzert von Musikverein und katholischem Kirchenchor am Sonntagabend in der katholischen Kirche. Die beiden Leiter, Verena Simmler und Bernhard Jehle, hatten mit ihren Sängern und Musikern dafür wieder ein beeindruckend vielfältiges Programm von Beethoven bis Leonard Cohen erarbeitet.

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