Immenstaad führt Echt-Bodensee-Card ein

Lesedauer: 12 Min
Die Gemeinde Immenstaad führt ab 1. Januar 2019 die Echt-Bodensee-Card ein.

Die Gemeinde Immenstaad führt am 1. Januar 2019 die Echt-Bodensee-Card ein. Damit können die Gäste der Seegemeinde ab dem kommenden Jahr gratis mit Bus und Bahn fahren und erhalten bei 170 Ausflugszielen einen Rabatt auf den Eintrittspreis. Obwohl das Thema im Gemeinderat kontrovers diskutiert wurde, bekam die EBC am Ende eine deutliche Mehrheit in Immenstaad.

Die Entscheidung pro EBC in Immenstaad war auch ein Erfolg für Ute Stegmann. Die Leiterin der Immenstaader Tourist-Information hatte sich in der Vergangenheit vermehrt stark gemacht für die Einführung der Gästekarte. Etwas delikat jedoch: Mittlerweile wurde bekannt, dass Stegmann im nächsten Jahr Geschäftsführerin der Bodensee Tourismus GmbH werden soll, der Firma also, die die EBC betreibt. Ihre Hauptaufgabe wird es dann sein, die Gästekarte voranzubringen und flächendeckend einzuführen.

Zweiter Anlauf für EBC

In Immenstaad hat das jedenfalls am Montagabend geklappt. Wenn auch im zweiten Anlauf, denn 2017 hatte der Rat schon einmal beschlossen, der EBC beizutreten, sich dann aber wegen der rechtlichen Probleme in Bezug auf die Kurtaxensatzung wieder zurückgezogen.

Amtsleiterin Stegmann präsentierte im Rat am Montag nochmal den aktuellen Stand in Sachen Echt-Bodensee-Card. Nach der Einführung 2017 sind aktuell sechs Gemeinden beteiligt, Frickingen und Heiligenberg würden ab Januar voraussichtlich dazukommen. Mit der Einführung der EBC wird die elektronische Meldung für die Gastgeber verpflichtend. Es gibt aber eine Härtefallregelung. Das betreffe etwa „die Gastgeber, denen man aus Altersgründen die elektronische Meldung nicht mehr zutrauen kann“, sagte Stegmann der SZ, „oder, wenn ein Gastgeber krankheitsbedingt verhindert ist“. Dann übernimmt die Tourist-Information die Meldung und die Ausgabe der Gästekarte. Stegmann schätzt, dass nur zehn bis 15 Betriebe unter die Härtefallregelung fallen werden.

Vertrag gilt für zwei Jahre

Der Vertrag zwischen Gemeinde und der DBT, in dem alle Details geregelt werden, gilt zunächst für zwei Jahre, er kann erstmalig zum 31. Dezember 2020 gekündigt werden. Künftig muss Immenstaad pro Übernachtung einen Euro an die DBT bezahlen. 75 Cent davon gehen an den Verkehrsverbund Bodo, 25 Cent an die DBT für „Verwaltungs- und Marketingleistungen“, wie Stegmann sagte. Ausgenommen von der Abgabe sind Kinder bis sechs Jahre und Geschäftsreisende. Für diese beiden Gruppen werde auch keine Kurtaxe erhoben, sagte Stegmann. Bisher waren Geschäftsreisende für die ersten drei Tage ihres Aufenthaltes befreit. Darüber hinaus sind in Immenstaad auch Kinder bis 16 Jahren von der Kurtaxe befreit sowie Begleitpersonen von Behinderten und Passanten, also Gäste, die nur eine Nacht buchen. Für diese Gäste muss die Gemeinde aber dennoch die Ein-Euro-Abgabe an die DBT bezahlen. Eine Ausnahmeregelung gibt es für Zweitwohnungsbesitzer, diese bezahlen 50 Tagessätze, also 50 Euro als Jahrespauschale und für Dauercamper und Inhaber von Bootsliegeplätzen, die sind mit 30 Tagessätzen dabei.

Höhere Kurtaxe geplant

Laut Stegmann fällt für Immenstaad künftig ein jährlicher Solidarbeitrag in Höhe von knapp 370 000 Euro an. Rund 100 000 Euro davon bleiben im Haushalt der Gemeinde hängen, da die 25 Cent DBT-Abgabe nicht in die Kalkulation der Kurtaxe einfließen darf. Der Einführung der EBC wird jedoch ohnehin eine Erhöhung der Kurtaxe (derzeit 1,30 Euro) folgen. Und zwar nicht nur um einen Euro, „sondern ein bisschen mehr“, wie Ute Stegmann sagt. Genauer will sie sich noch nicht festlegen. In Largenargen wurde die Kurtaxe nach Einführung der EBC 2017 von zwei auf 3,15 Euro angehoben.

Grundlage für die Entscheidung der Gemeinde Immenstaad für die EBC waren laut Ute Stegmann auch Umfragen unter Gastgebern und Gästen. Bei einer Informationsveranstaltung der Tourist-Information hätten sich von 43 Gastgebern 25 für die Gästekarte ausgesprochen, 18 dagegen. Eine Abstimmung unter Dehoga-Betrieben habe mit zehn zu vier Stimmen pro EBC ein noch deutlicheres Ergebnis gebracht. Bei einer Gästebefragung hätten sich 70 Prozent der Urlauber für die Einführung der EBC ausgesprochen.

Bus fährt nach Kippenhausen

Unter den Voraussetzungen, dass der Solidaritätsbeitrag an die DBT (25 Cent) fünf Jahre nicht erhöht wird, dass der Bodo-Anteil nur im Rahmen der regulären Fahrpreissteigerungen angepasst wird und dass der Echt-Bodensee-Bus während der sechs Sommerwochen auch den Immenstaader Ortsteil Kippenhausen anfährt, gab es am Ende eine klare Mehrheit von 13 Stimmen für die Einführung der EBC im Gemeinderat. Margot Rauber, Alexander Mohr (beide CDU) und Andreas Graf (FWI) stimmten gegen die Einführung der Gästekarte, Helmut Reichle (FWI) enthielt sich.

Kontroverse Diskussion

Als „gutes Signal“ bezeichnete Markus Böhlen von den Grünen die Einführung der EBC in Immenstaad. Es sei wichtig, dass man den ÖPNV in der Region stärke und die Straße entlaste. Es sei jetzt Aufgabe der Vermieter, darauf hinzuwirken, dass die Gäste auch den ÖPNV benützten. Böhlen sagte weiter, die elektronische Meldung spare der Gemeinde Verwaltungsgebühren in Höhe von 4000 Euro pro Jahr.

„Nicht so rosig“ stellte sich die Situation für Kurt Reichle (Freie Wähler Immenstaad) dar. Nicht alle der 170 Ausflugsziele, die durch die EBC rabattiert werden, seien immer mit dem ÖPNV erreichbar. Gut angebunden seien vor allem die großen Städte, wie Ravensburg, Friedrichshafen, Lindau oder Überlingen. Dass am Ende rund 100 000 Euro pro Jahr an Kosten bei der Gemeinde hängen bleiben, sei eine „bittere Pille“. Reichle kritisierte auch die Abgabe an die DBT: „25 Cent sind eindeutig zu viel“, sagte er. Man müsse von den hohen Kosten wegkommen und sie „für die Gemeinde so gering wie möglich halten“.

Kritik aus dem Rat

Helga Bauer (FWI) drängte darauf, dass die 25 Cent wenigstens für fünf Jahre festgeschrieben werden im Vertrag, das sei eine Grundvoraussetzung. Ansonsten solle man „einen Knopf ans Thema machen und es abhaken“.

Margot Rauber von der CDU trat schließlich als größte EBC-Kritikerin auf. Sie forderte, dass Immenstaad, wie etwa Überlingen, erst mal noch abwarten und die Entscheidung „ein bis zwei Jahre zurückstellen“ solle. Es sei zwar sinnvoll, den ÖPNV mittels einer Gästekarte zu fördern, aber bei der EBC gebe es für sie zu viele Baustellen. So seien die 170 Ausflugsziele ja nicht kostenfrei für die Gäste sondern nur leicht rabattiert. Eine Gästekarte müsse außerdem von Konstanz bis Lindau einheitlich gelten, was für die EBC nicht zutrifft. Auch sie übte Kritik an der Abgabe von 25 Cent an die DBT, diese sei auf der Basis der Chipkarte errechnet worden. Warum man jetzt die gleichen Kosten bei der Papierkarte habe – diese Frage sei weiter unbeantwortet. Genauso die, wer am Ende für die von der DBT bisher investierten Kosten von 420 000 Euro aufkomme.

Dass die Geschäftskunden komplett außen vor sind, empfand sie als ungerecht gegenüber den langjährigen Urlaubern: „Die Stammgäste müssen das jetzt bezahlen.“ Sie appellierte an Gemeinde und Verwaltung, abzuwarten. Rauber warnte außerdem davor, dass die Kosten davonlaufen, der Verkehrsverbund Bodo werde seine Gebühren bald wieder erhöhen.

Noch Raum für Optimierungen

Bürgermeister Johannes Henne bestätigte, „dass bei der EBC noch nicht alles zu 100 Prozent perfekt ist“, es gebe Optimierungspotenzial. Dennoch sei die EBC eine wichtige Grundlage, es sei wichtig für Immenstaad, „dass man sich klar positioniert und der Karte eine Chance gibt“.

Andreas Graf (FWI) kritisierte, dass man nicht nach Alternativen zur EBC gesucht habe. Die gebe es durchaus. Auch Graf meinte, die 25 Cent an die DBT seien zu hoch, bei der jetzigen Papierlösung hätte man „um 15 Cent runter gehen müssen“. Für ihn seien auch noch rechtliche Fragen offen.

Martin Gommeringer (Grüne) machte sich am Ende der Diskussion nochmal für die EBC stark. Er könne es nicht mehr hören, dass alle die EBC zwar „nicht schlecht“ fänden, aber aber dennoch abwarten wollten. „Wir müssen ein Signal setzen und dem Projekt den Rücken stärken.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen