Himmlische Lieder und besinnliche Texte

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Gudrun Schäfer-Burmeister

Alljährlich zur Weihnachtszeit wartet das Katholische Bildungswerk Immenstaad-Hagnau-Kippenhausen in der Seelsorgeeinheit Meersburg mit der „Frenkenbacher Weihnacht – Inspiration und Meditation“ auf. Monika Baur hat die Veranstaltungsreihe vor zehn Jahren ins Leben gerufen und auch im Jahreswechsel 2019/20 erfreuen sich zahlreiche Menschen an den etwa 45-minütigen Angeboten zur besinnlichen Einkehr. SZ-Autorin Gudrun Schäfer-Burmeister hat die Weihnacht mit ihren Enkelkindern besucht.

Am Nachmittag des 30. Dezembers werden Wiegenlieder aus aller Welt dargeboten, gesungen von den drei Schwestern Monika Fischer, Brigitte und Irmgard Rösler. Das Trio wird von Sebastian Maurer (Gitarre) und Felix Griesinger (Glockenspiel, Flöte und Saxofon) begleitet.

„Es wird scho glei dumpa – es wird scho glei Nacht“, schallt es fein und glockenhell durch die schwere Holztüre nach draußen, als wir versuchen, sie behutsam zu öffnen, um in die Frenkenbacher Kapelle St. Oswald und St. Otmar einzutreten. Dämmerung senkt sich über das Kirchendach, dicke Steinmauern schützen den Innenraum des kleinen romanischen Kirchleins. Proppenvoll ist der Kirchenraum, die 80 Sitzplätze und alle Stehplätze an den drei Gebäudeseiten sind voll belegt. Mit viel Wohlwollen lassen uns die großen Menschen am Eingangsportal dennoch eintreten, rücken ein wenig zur Seite, denn meine beiden Begleiter sind noch klein – die weihnachtliche Vermessung an der großelterlichen Skala hat jeweils etwas weniger und etwas mehr als einen Meter ergeben. Zwischen all den warm angezogenen Füßen stehen Anna (4) und Benjamin (7) tapfer und lauschen der Musik.

„A la nanita nanna“ heißt das weihnachtliche Wiegenlied, mit dem Irmgard Rösler das Publikum nach Spanien mitnimmt. Monika Fischer lässt das Publikum mit „Numi Numi“ ins ferne Israel reisen und Brigitte Rösler hat aus dem Prag-Urlaub das tschechische Schlaflied „Cerne oci djete spat“ mitgebracht. In Norwegen werden Kinder mit „Glednes badnlat“ in den Schlaf gesungen, „Lullaby of Takeda“ handelt von einem armen japanischen Mädchen, das als Babysitter arbeiten muss, um zu überleben.

Allen Liedern ist gemeinsam, dass sie sehr gefühlvoll und rhythmisch klingen und jeweils kulturelle Eigenheiten aufweisen, die, zusammen mit der fremden Sprache, einen ganz besonderen, charakteristischen Klang erzeugen. „Der Mond ist aufgegangen“ wiegt die Zuhörer dagegen mit einer sehr vertrauten Weise. In „Lullaby For An Anxious Child“ von Sting wird ein ängstliches Kind besungen, das doch bitte seine Mutter schlafen lassen möge, ein Wunsch, der bestimmt in jedem Wiegenlied dieser Welt mitschwingt. „Ich wünsch dir Glück“ von Sarah Connor widmet sich den Gefühlen gegenüber großen Kindern und das auf Suaheli gesungene ostafrikanische Lied „Lama, mtoto lala“ klingt wie eine Aufforderung zum Tanz. Andächtig folgen die Konzertbesucher dem wunderschönen, mehrstimmigen Gesang der drei Schwestern, die schon als Kinder, zusammen im Chor gesungen haben, was zum angeborenen Talent ein großes Maß an Disziplin erfordert hat. „Abendstille überall“ singen sie mit ihrem Publikum gemeinsam als dreistimmigen Kanon und der steirische Andachtsjodler tönt aus 130 Kehlen in die Nacht. Die hat sich inzwischen über Frenkenbach und die vom Kerzenschein erleuchtete Kapelle gesenkt, in der die schönen Wiegelieder dargeboten wurden.

Anna und Benjamin haben sich gewundert, „dass gar keine Babys da waren, obwohl die Lieder doch für Babys waren. „Aber die drei Frauen haben ganz schön gesungen“, lautete ihr fachlicher Kommentar.

Unter dem Titel „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ stehen die Lieder und Texte, die Roland Wohlhüter mit der Mundharmonikaformation „Atemlos“ gemeinsam mit Sprecherin Monika Baur am 2. Januar ausgewählt hat. Im Wechsel des Genusses von Musik und Sprache wärmen sich die Zuhörer sozusagen von innen heraus und nutzen die Gelegenheit, Lobpreisungen, klassische Kirchenlieder und Spirituals mitzusingen, wenngleich das Kerzenlicht die Textblätter kaum zu erleuchten vermag, was auch Roland Wohlhüter trifft, aber im musikalischen Miteinander, bei dem die künstlerische Perfektion der Darbietung nicht im Vordergrund steht, keine Rolle spielt. Monika Baur hat wunderschöne Texte ausgewählt, zu deren Autoren Dorothee Sölle, Jörg Zink und Katrin Steglitz zählen.

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