Helfer vor Ort geben mit neuem Auto Gas

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Heidi Keller

Schrecklich lange können sich vier Minuten hinziehen, wenn man als Verletzter auf Rettung warten muss. Beim Tag der offenen Tür zeigte der DRK-Ortsverein am Sonntag mit seinem neuen Helfer-vor-Ort-Fahrzeug gleich dessen lebensrettenden Sinn.

In den Übungsfall konnten sich die vielen Zuschauer am Sonntagnachmittag vor den Gebäuden des DRK hinter dem Rathaus schnell hinein versetzen: Beim Radwechsel bricht der Wagenheber und das Bein des Unfallopfers ist unter dem Auto eingeklemmt. „Wer von Ihnen möchte Erste Hilfe leisten?“, fragt der moderierende Vorsitzende des Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes Sven Volk in die Menge. Keine Reaktion. Er macht Mut und erklärt: „Man kann nichts falsch machen – außer man tut gar nichts.“ Ein mutiges Mädchen aus dem Jugendrotkreuz traut sich als Erste und will gleich wissen: „Gibt es hier irgendwo eine Rettungstasche?“

Sven Volk macht den Zuschauern mit diesem Übungsfall auf realistische Weise klar, wie wichtig schnelle Hilfe im Ernstfall ist, wie wenig die meisten Menschen in der Lage sind, zu helfen und wie existentiell das schnelle Eintreffen kompetenter Retter ist. Vier Minuten dauert es im Durchschnitt, bis die Helfer-vor-Ort-Teams beim Verletzten sind, weitere vier Minuten im Durchschnitt bis die Regelrettung vom DRK am Unfallort eintrifft. Die Helfer vor Ort können durch das frühere Eintreffen entscheidende Hilfe leisten – durch lebensrettende Maßnahmen am Unfallopfer, bei der fachmännischen Einschätzung der Situation und der Anforderung weiterer Hilfe, wie etwa der Feuerwehr im Übungsfall am Sonntag.

Bereits am Vormittag des Tags der offenen Tür nahm der DRK-Ortsverein glücklich die Autoschlüssel des neuen Fahrzeugs für die Helfer vor Ort (HvO) entgegen. Die Vorsitzende des Fördervereins Sanitätsdienste Christiane Hirt und Bürgermeister Johannes Henne dankten dem siebenköpfigen HvO-Team für ihr ehrenamtliches Engagement. Der Förderverein und die Gemeinde haben die etwa 10 000 Euro für das neue Fahrzeug jeweils zur Hälfte übernommen.

Der Wagen ist mit Notfallrucksack, Defibrillator, Sauerstoffflasche, elektrischer Absaugpumpe, Feuerlöscher und demnächst auch mit einer Rettungsboje für die Wasserrettung ausgerüstet. 2017 war das HvO-Team 286 Tage im Dienst und hatte dabei 142 Einsätze. Sven Volk berichtet: „Ich weiß noch, ich hatte letzten Sommer einen Dienst mit zehn Einsätzen.“ Mit ungefähr fünf bis sechs Wiederbelebungen pro Jahr rechne das Team. Baden-Württemberg sei das erste und einzige Bundesland mit einer Rechtsverordnung für Helfer vor Ort, in der die Qualifikation und die Sondersignale im Verkehr geregelt seien.

Bürgermeister Johannes Henne lobte das DRK für seine Vorreiterrolle. Vorbildlich sei auch die DRK-Jugendarbeit. Henne motivierte die Gäste mit dem Beitrittsformular, so wie er Mitglied im Förderverein für Sanitätsdienste zu werden. Neben der kulinarischen Versorgung hatte der Ortsverein ein abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie zu bieten.

Hüpfburg, Kasperle, mehrere Vorführungen der DRK-Hundestaffel Wangen, Übungen für Erste Hilfe sowie der DRK-Bambini-Gruppe ließen keine Langeweile aufkommen. Von den beiden Kindergruppen des Ortsvereins war dieses Jahr besonders die Bambini-Gruppe erfolgreich: Sie wurde zweiter Sieger beim Kreiswettbewerb und Vierter im Landeswettbewerb.

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