Hahn und Henne zwischen Hightech und Hort

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Kinderbetreuung und Weltraumtechnik waren die Themen, mit denen sich der Landtagsabgeordnete Martin Hahn (Grüne) bei seinem Gemeindebesuch in Immenstaad beschäftigte. Zusammen mit Bürgermeister Johannes Henne und einigen Gemeinderäten besuchte er das Kinderhaus in der Schulstraße und die Firma Space Tech in Kippenhausen.

„Kleinkindbetreuung ist keine Kür-, sondern eine Pflichtaufgabe“, sagte die Leiterin des Kinderhauses Gabriele Schmelz-Beller an die Adresse der Politiker. Die Einrichtung war 2011 eröffnet worden, eine „Vorreiterrolle im Bodenseekreis“ bescheinigt ihr Bürgermeister Johannes Henne. Gerade im Bereich der Kinderbetreuung müsse man Antworten finden auf den gesellschaftlichen Wandel, sagte Schmelz-Beller. Das Leben der Familien habe sich verändert, schließlich wolle die Gesellschaft, dass sich junge Menschen wieder bereit erklären, Kinder zu bekommen. Auch in Immenstaad gehe der Trend mittlerweile zur Drei-Kind-Familie.

Das hänge auch damit zusammen, dass Familien in Immenstaad wüssten, dass es ein verlässliches Angebot gebe, wenn man Beruf und Familie unter einen Hut bringen muss. Mit dem Kinderhaus habe man einen wichtigen Schritt getan, der nächste folge dann mit dem Neubau des Kinderhauses Seegaddel ab dem nächsten Jahr. Schmelz-Beller führte die Politiker anschließend durch die Räume des Kinderhauses und erklärte das pädagogische Konzept. „Das Kinderhaus war eine gute Investition“, sagte Martin Hahn, „in Immenstaad ist man auf einem guten Weg, die Veränderungen, die es in der Pädagogik gibt, sind hochspannend.“ Kinderbetreuung sei zwar ein Kerngeschäft für die Gemeinden, „aber dennoch ist sie eine große Herausforderung.“

In eine ganz andere Welt tauchten die Lokalpolitiker anschließend bei der Firma Space Tech in Kippenhausen ein. Das hoch innovative Raumfahrtunternehmen macht mit seinen 90 Mitarbeitern mittlerweile einen Umsatz von 20 Millionen Euro. Es entwickelt und baut unter anderem Kleinsatelliten, optische Instrumente und Satellitenausrüstung. Besonders stolz ist man bei Space Tech derzeit darauf, dass man am sogenannten „One-Web-Projekt“ von Airbus beteiligt ist. Dabei sollen 900 kleine Satelliten ins All geschossen werden, um auch entlegene Gebiete auf der Welt mit schnellem Internet zu versorgen. „Space Tech wurde mit der Entwicklung und Fertigung der Ausklappmechanismen für die Solargeneratoren beauftragt“, sagte CEO Wolfgang Pitz. „Wir haben es ohne weitere Unterstützung geschafft, als Zulieferer ausgewählt zu werden.“

Für die 900 Satelliten baut Space Tech insgesamt 1800 dieser Teile, erstmals produziert das Unternehmen damit in Immenstaad in Serie. „Das ist für uns etwas ganz Neues, wir mussten eigens eine Fertigungsstraße bauen.“ Für die am 21. Mai gestartete Satelliten-Mission Grace-Fo zur Vermessung des Erdschwerefeldes lieferte Space Tech mit dem „Laser Ranging Interferormeter“ (LRI) ein entscheidendes Teil. Das LRI wurde am 13. Juni in Betrieb genommen und liefert seit dem zuverlässig Daten, die Rückschlüsse über den Grundwasserspiegel auf der Erde geben.

Martin Hahn hofft, dass sich auch für die Bodenseeregion Vorteile durch das satellitengestützte Internet ergeben. „Wir haben einen Flickenteppich diesbezüglich und können an manchen Stellen schnelles Internet momentan nicht leisten“, vielleicht könne man stattdessen auf die neue Technologie zurückgreifen. „Internetnutzung in ländlichen Räumen“ werde ein wichtiges Thema bleiben, meinte Hahn, „was bei Space Tech entsteht, hat eine hohe Anwendungsrelevanz.“

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