Einmal installiert, wird das Lebenserhaltungssystem von Airbus in Immenstaad aus kontrolliert und gesteuert.
Einmal installiert, wird das Lebenserhaltungssystem von Airbus in Immenstaad aus kontrolliert und gesteuert. (Foto: Airbus/Pikelj)

Airbus schickt nächste Woche ein neues Lebenserhaltungssystem zur internationalen Raumstation ISS. Das System heißt ACLS, was für den englischen Begriff „Advanced Closed Loop System“ steht. Es dient der Reinigung von Luft und der Erzeugung von Sauerstoff für die internationale Raumstation ISS. Airbus hat es für die Europäische Weltraumorganisation ESA entwickelt.

„Im Prinzip ist das eine Recyclinganlage, die verbrauchte Atemluft wieder aufbereitet“, sagt Airbus-Sprecher Mathias Pikelj. „Im Weltraum ist ja nichts. Ob Nahrung, Luft oder Wasser: alles, was wir Menschen zum Leben brauchen, müssen wir mitführen oder dort erzeugen.“ Ein Ziel sei deshalb, neu eingesetzte Ressourcen auf ein Minimum zu reduzieren. „Deshalb versuchen wir, sie zurückzugewinnen“, sagt Pikelj. Der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Luft sei auf der ISS um etwa 0,4 Prozent höher als auf der Erde. Das ACLS solle dem aktuellen Lebenserhaltungssystem auf der Raumstation eine zusätzliche Kapazität zur Senkung der Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Kabine bereitstellen.

Wasser wird aufgespalten

Um CO2 aus der Luft zu filtern, werden zwei Komponenten eingesetzt: Astrine, ein festes Aminharz, und ein Sabatier-Reaktor, der dank eines speziellen Verfahrens Kohlenstoffdioxid mit Wasserstoff in Methan und Wasser umwandelt. Die dritte Komponente des neuen Systems ist ein Elektrolyseur, der mittels Strom Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff spaltet. Durch den erzeugten Sauerstoff wird die Kabinenluft wieder aufgefüllt und der Wasserstoff dem Sabatier-Reaktor zugeführt.

Momentan ist das Lebenserhaltungssystem in einer Art Einbauschrank in der Druckkabine des unbemannten japanischen Raumtransporters HTV-7 untergebracht, der zurzeit auf seine Reise vorbereitet wird. Er soll am kommenden Dienstag, 11. September, vom japanischen Raumfahrtzentrum Tanegashima in Richtung ISS starten. Drei Wochen nach dem Start, am 2. November, soll das System von ESA-Astronaut und ISS-Commander Alexander Gerst in das US-Labormodul Destiny eingebaut werden. „Die Technologie des Systems ist ein wichtiger Schritt in Richtung geschlossener Lebenserhaltungssysteme, die für die bemannte Raumfahrt jenseits des niedrigen Erdorbits notwendig sind“, sagt Pikelj.

Das Lebenserhaltungssystem wurde von Airbus in Immenstaad entwickelt, aber es waren auch viele andere Firmen und internationale Partner in das Projekt eingebunden. Seit 2011 wurde unter anderem auch in Italien, Frankreich und Irland daran gearbeitet. „Bei Airbus waren in Spitzenzeiten bis zu 70 Mitarbeiter mit dem Thema befasst“, sagt Pikelj.

Kontakt zur Raumstation

Die Immenstaader bleiben übrigens in Kontakt mit dem Lebenserhaltungssystem. Ein kürzlich aufgestelltes ACLS-Operations-Team (OPS), das bei Airbus in Immenstaad angesiedelt ist, wird das ACLS während der gesamten Mission betreiben. „Sie stehen in direktem Kontakt zur Raumstation ISS. Die Mitarbeiter beobachten und steuern das Lebenserhaltungssystem von hier aus“, sagt Pikelj. Das Team sei Teil des ISS-Bodennetzwerks und arbeite direkt mit dem ESA-Kontrollzentrum für Columbus in Oberpfaffenhofen bei München zusammen.

Nach dem Einbau beginnt für das Team eine sechswöchige Inbetriebnahme-Phase zur Überprüfung des neuen Systems. Verläuft sie erfolgreich, wird die ISS bis Ende 2019 im Einsatz sein. Das ACLS sorgt währenddessen für die Absorption von Kohlenstoffdioxid und die Erzeugung von Sauerstoff für die Astronauten an Bord.

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