Feuerwehrmann aus Immenstaad marschiert 455 Kilometer zu Fuß nach Berlin - aus Protest

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Feuerwehrmann Kai Eichler ist in Einsatzkleidung von Frankfurt (Oder) bis nach Berlin marschiert. Mit dem 90 Kilometer langen Ma
Feuerwehrmann Kai Eichler ist in Einsatzkleidung von Frankfurt (Oder) bis nach Berlin marschiert. Mit dem 90 Kilometer langen Marsch wollte er die Aktion #BerlinBrennt der Berliner Feuerwehr unterstützten. Über fünf Wochen lang protestierten Berliner Feuerwehrleute mit einer Mahnwache vor dem Roten Rathaus gegen steigende Einsatzzahlen und Personalnot im Berliner Rettungswesen. (Foto: Zinken/dpa)
Heidi Keller

In den Fernsehnachrichten von Berlin-Brandenburg am Samstagabend war er die erste Meldung – auch für seine Feuerwehrkollegen ist er die Nummer eins: Feuerwehrmann Kai Eichler hat mit seinem Protestmarsch nach Berlin die Kritik der Feuerwehrleute von „BerlinBrennt“ unterstützt.

Dieser Ultramarathon – 455 Kilometer zu Fuß in der 35-Kilo-Feuerwehrausrüstung – ist der persönliche Rekord für den unermüdlichen Feuerwehrmann. „So weit bin ich in Montur noch nie gelaufen“, sagt er am Ende des Gewaltmarschs. „Laufen geht, muskulär habe ich nichts – und die Blasen, naja, die heilen wieder. Ich bin zufrieden mit allem.“

Eichler (links) wird von Kameraden in Berlin herzlich begrüßt.
Eichler (links) wird von Kameraden in Berlin herzlich begrüßt. (Foto: Eichler)

Begonnen hat der für seine Laufrekorde bekannte Immenstaader auf dem Trimm-Dich-Pfad beim Sportzentrum Forstwiesen. Zwölf Tage am Stück wollte Kai Eichler von 6 bis 16 Uhr auf dem Trimm-Dich-Pfad seine Runden drehen, täglich unglaubliche 50 Kilometer. Am Ende sollte – bis auf die letzte Etappe – rechnerisch so die Strecke bis nach Berlin zusammenkommen.

„Das war eine neue Erfahrung für mich. So lange am Stück bin ich ja noch nie gelaufen“, sagt Eichler. Nicht die sportliche Leistungsfähigkeit war das Problem – es waren die Blasen, die sich bei dieser starken Beanspruchung bildeten. Am Ende musste Eichler ein paar Kilometer abzwacken und seinen Füßen etwas Erholung gönnen, um die letzte Etappe von Frankfurt/Oder zum Roten Rathaus mit Bravour durchstehen zu können.

Um Mitternacht geht es los

Am Samstag, 9. März, um 0 Uhr startete Eichler wie geplant in der Stadt, in der er aufgewachsen war: Frankfurt/Oder. Seine Ehefrau Doreen Eichler begleitete ihn und seinen Freund Salvatore Roberto dorthin. Auch ein Feuerwehrkollege aus der Schweiz war angereist, um mitzulaufen. Auf den 94 Kilometern zu Fuß bis nach Berlin gingen ständig Kameraden der Feuerwehren, die er passierte, etappenweise mit ihm auf den Weg. „In Erkner war auch der Bürgermeister beim Empfang dabei. Als dann noch alle Sirenen heulten, das war vielleicht emotional. Ich war den Tränen nahe. Das ging unglaublich unter die Haut“, sagt Eichler.

So weit bin ich in Montur noch nie gelaufen.

Die Kollegen in Berlin hatten eine mobile Demo angemeldet, sodass der Marsch zum Roten Rathaus ab Stadtgrenze Berlin von der Polizei abgeriegelt und begleitet wurde. In der Nähe des Rathauses kam dann eine Motorradeskorte hinzu. „Wir sind mitten auf der Straße gelaufen. Das habe ich so noch nie erlebt.“ Etwas in Verlegenheit brachte Eichler seine Feuerwehrkollegen dadurch, dass er schneller unterwegs war als geplant und 1,5 Stunden früher eintraf. „Aber es war alles wunderbar, wie sie mich empfangen haben.“

17 Stunden und 23 Minuten dauerte der 94-Kilometer-Marsch Richtung Berlin. Das alles, um den gemeinnützigen Verein „BerlinBrennt“ von Berliner Feuerwehrleuten zu unterstützen. Nach Jahren der Sparpolitik sieht sich die Feuerwehr dort an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht und fordert mehr Unterstützung von der Politik. „Wenn ich dafür etwas Aufmerksamkeit schaffen konnte durch meinen Marsch, habe ich mein Ziel erreicht“, sagt der Ultra-Marathonläufer, der in Frankfurt/Oder und Berlin früher als Feuerwehrmann gearbeitet hat.

Heute ist er nicht nur hauptamtlich bei der Werksfeuerwehr von Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen tätig, sondern auch ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr Immenstaad. Aber bevor es dorthin zurückgeht, ist nach diesem Marsch erst noch eine Woche Urlaub in der alten Heimat angesagt. „Ich habe momentan kein neues Laufprojekt geplant – aber man soll ja nie nie sagen“, sagt Eichler.

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