EBC-Gegner werden in Immenstaad rausgeworfen

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Die ursprüngliche Form der Touristenkarte EBC ist nach Protesten untergegangen - jetzt ist eine abgespeckte Papiervariante auf
Die ursprüngliche Form der Touristenkarte EBC ist nach Protesten untergegangen - jetzt ist eine abgespeckte Papiervariante auf dem Markt. (Foto: dpa/colourbox, Montage: Schopf)
Schwäbische Zeitung

Echt-Bodensee-Card

Nachdem die EBC im vergangenen Jahr in den vier Kommunen Langenargen, Eriskirch, Sipplingen und Bodman-Ludwigshafen gestartet ist, kommen 2018 vier Gemeinden neu dazu: Wasserburg, Nonnenhorn, Frickingen und Heiligenberg. Die Gemeinde Immenstaad wollte die EBC ursprünglich im Sommer 2017 einführen, zog den Beitritt nach den juristischen Problemen um die Kurtaxensatzung allerdings wieder zurück.

Die zwischenzeitliche Einführung einer Papierkarte ist die Reaktion auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtes, das, wie berichtet, die Kurtaxesatzung der Pilotgemeinde Langenargen, die im Zuge der Einführung der EBC 2017 geändert worden war, im September für unwirksam erklärt hatte. Gastgeberin Annette Pfleiderer war stellvertretend für weitere EBC-Gegner vor Gericht gezogen. Die Richter folgten der Argumentation der Langenargenerin, bemängelten die Kalkulation der Kurtaxe, die erhöht worden war, um die EBC zu finanzieren und hatten Einwände dagegen, dass die Gäste bislang eine Datenschutzerklärung unterschreiben mussten.

Das Leistungsspektrum für die Gäste wurde 2018 größer: Kostenloses Bus- und Bahnfahren wird nun auch im Landkreis Lindau möglich sein, als Partnerbetriebe kommen zum Beispiel das Zeppelin-Museum in Friedrichshafen und die Hündlebahn in Oberstaufen hinzu. Zur Finanzierung der Karte gibt jede beteiligte Gemeinden je Gast (ab sechs Jahren) und Übernachtung 75 Cent an Bodo und 25 Cent an die DBT ab. Geschäftsreisende, die maximal dreimal übernachten, sind davon ausgeschlossen. Die Gästekarte aus Papier kann in den Übernachtungsbetrieben zusammen mit dem Meldeschein für den Gast ausgedruckt werden. (li/poi/at)

Zu einem kleinen Eklat ist es beim ersten Immenstaader Tourismusforum gekommen. Bei der Diskussion um die Echt-Bodensee-Card (EBC) sind die Gegner der Gästekarte, vornehmlich vertreten von dem Verein Gastgeber Uhldingen-Mühlhofen (GUM) und der Internetplattform Forum Langenargen, aus dem Bürgersaal verwiesen worden.

Über drei Stunden hatten sich am Mittwochabend Immenstaader Gastgeber und Gewerbetreibende zu aktuellen Trends im Fremdenverkehr und zur EBC informiert und sich konstruktiv mit den Spitzen von Verwaltung und Verbänden ausgetauscht. Dozentin Anja Brittner-Widmann von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Ravensburg gab zunächst einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Tourismus. Anschließend präsentierte Enrico Heß, Geschäftsführer der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT), einen Sachstand zur EBC. In der anschließenden Fragerunde brachten sich die EBC-Gegner um den GUM-Vorsitzenden Herbert März und Hartmut Walter vom Forum mit kritischen Fragen und Positionen in Stellung.

Immenstaader Betriebe im Fokus

März forderte etwa, man müsse ein alternatives System anbieten, Walter verwies auf die Gefahr, dass Chipkarten, die auch als Schließkarten für Hotels dienen, gehackt werden könnten. Nachdem eine erste Fragerunde abgeschlossen war, sagte die Leiterin der Immenstaader Tourist-Information, Ute Stegmann, man wolle jetzt ein Meinungsbild der Immenstaader Betriebe einholen. Brittner-Widmann, die den Abend auch moderierte, bat deshalb die Gäste aus den anderen Gemeinden, den Saal zu verlassen. Nach einem kurzen Aufruhr verließen die EBC-Gegner den Raum, nicht ohne zu „protestieren“, wie März sagte. „Wir brauchen ein Stimmungsbild aus unserer Gemeinde“, verteidigte Bürgermeister Johannes Henne das Vorgehen.

Die EBC-Gegner hatten sich laut Stegmann im Vorfeld angekündigt, man wollte ihnen auch die Gelegenheit geben, am Forum teilzunehmen und jeweils eine Frage zu stellen. Mehr aber nicht, die Gruppe ziehe von Ort zu Ort, argumentiere nicht fair und versuche, auch die Gastgeber in Immenstaad zu verunsichern, sagte Stegmann der SZ. „Man kommt im Leben nicht weiter, wenn man emotional und aggressiv argumentiert.“ Schließlich habe es sich bei der Veranstaltung um ein Immenstaader Tourismusforum für die Immenstaader Betriebe gehandelt, und die EBC sei nur ein Teil davon gewesen. „Wir wollen uns mit unseren Betrieben fit machen für die Zukunft.“ Stegmann und Brittner-Widmann betonten mehrmals am Abend, dass es nicht die Absicht gewesen sei, jemanden auszuladen. Vor allem zum Thema Datensicherheit gab es bei den Immenstaader Gastgebern viel Gesprächsbedarf.

„Die EBC hat nichts mehr mit den Daten zu tun“, erklärte Enrico Heß zur aktuellen Gästekarte in Papierform diesbezüglich. In Immenstaad arbeitet man laut Stegmann mit der „renommierten“ Firma AVS im Meldewesen zusammen. „Daten werden nicht an Dritte weitergegeben, Datensicherheit hat höchste Priorität, die Daten der Gäste sind sicher bei uns“, sagte Stegmann der SZ. Im Zuge der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung würden die Vorschriften nochmals verschärft. Stegmann stellte außerdem klar, dass mit der Einführung der EBC auch die „verpflichtende elektronische Meldung“ einhergehe. Gefordert wurde von den Gastgebern außerdem eine Verbesserung des ÖPNV, etwa eine Anbindung an den Verkehrsverbund Hegau-Bodensee im Bereich Konstanz, eine Einbeziehung der Bodenseeschifffahrtsbetriebe (BSB) in die EBC, die Fahrradmitnahme im Bus oder den Anschluss Kippenhausens an den Busverkehr. Man habe die Zusage des Verkehrsverbundes Bodo, dass der Echt-Bodensee-Bus in den Sommerferien über Kippenhausen fahren werde, wenn man die EBC einführe, sagte Ute Stegmann. „Das ÖPNV-Angebot muss sich weiterentwickeln“, stimmte Enrico Heß zwar zu, aber: „Die Gästekarte kann die Verkehrsprobleme nicht lösen.“

Kritisch gesehen wurde von einigen Gastgebern auch die Erhöhung der Kurtaxe, die mit der Einführung der EBC verbunden wäre. Laut Stegmann ist eine Anhebung um 1,20 Euro pro erwachsenem Gast ab 16 Jahren und pro Tag geplant. Einen großen Raum beim Tourismus-Forum nahm am Ende das Thema Gastronomie-Sterben ein. Es wurde beklagt, dass auch in Immenstaad das gastronomische Angebot ständig abnehme. Vor allem der Fachkräftemangel wurde als Ursache ausgemacht. Ein „professionelles Standortmarketing“ forderte deshalb der HGV-Vorsitzende Bernd Hummernbrum.

„Immenstaad hat Potenzial“, sagte Brittner-Widmann am Ende, sie warnte davor, die ganze Diskussion vom Thema EBC überschatten zu lassen. „Das darf nicht das Hauptthema sein“, sagte die Tourismus-Expertin. Bürgermeister Henne versprach den Teilnehmern am Ende, dass es bereits im Oktober das nächste Tourismusforum geben werde. Man werde unterschiedliche Methoden anwenden und das nächste Forum vielleicht in Workshop-Form durchführen. Von der Kurtaxe bis zur Gästekarte gebe es noch viel zu tun, „wir werden ein bombensicheres Konzept machen“, sagte Henne.

Echt-Bodensee-Card

Nachdem die EBC im vergangenen Jahr in den vier Kommunen Langenargen, Eriskirch, Sipplingen und Bodman-Ludwigshafen gestartet ist, kommen 2018 vier Gemeinden neu dazu: Wasserburg, Nonnenhorn, Frickingen und Heiligenberg. Die Gemeinde Immenstaad wollte die EBC ursprünglich im Sommer 2017 einführen, zog den Beitritt nach den juristischen Problemen um die Kurtaxensatzung allerdings wieder zurück.

Die zwischenzeitliche Einführung einer Papierkarte ist die Reaktion auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtes, das, wie berichtet, die Kurtaxesatzung der Pilotgemeinde Langenargen, die im Zuge der Einführung der EBC 2017 geändert worden war, im September für unwirksam erklärt hatte. Gastgeberin Annette Pfleiderer war stellvertretend für weitere EBC-Gegner vor Gericht gezogen. Die Richter folgten der Argumentation der Langenargenerin, bemängelten die Kalkulation der Kurtaxe, die erhöht worden war, um die EBC zu finanzieren und hatten Einwände dagegen, dass die Gäste bislang eine Datenschutzerklärung unterschreiben mussten.

Das Leistungsspektrum für die Gäste wurde 2018 größer: Kostenloses Bus- und Bahnfahren wird nun auch im Landkreis Lindau möglich sein, als Partnerbetriebe kommen zum Beispiel das Zeppelin-Museum in Friedrichshafen und die Hündlebahn in Oberstaufen hinzu. Zur Finanzierung der Karte gibt jede beteiligte Gemeinden je Gast (ab sechs Jahren) und Übernachtung 75 Cent an Bodo und 25 Cent an die DBT ab. Geschäftsreisende, die maximal dreimal übernachten, sind davon ausgeschlossen. Die Gästekarte aus Papier kann in den Übernachtungsbetrieben zusammen mit dem Meldeschein für den Gast ausgedruckt werden. (li/poi/at)

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