„Das Baywatch-Image zieht nicht mehr“

Lesedauer: 4 Min
 Im Aquastaad bleiben die Türen den ganzen Mai geschlossen. Der Betrieb soll im Juni wieder aufgenommen werden.
Im Aquastaad bleiben die Türen den ganzen Mai geschlossen. Der Betrieb soll im Juni wieder aufgenommen werden. (Foto: Archiv: Heidi Keller)
Heidi Keller

Einen Traum-Arbeitsplatz hat die Seegemeinde in ihrem Aquastaad in bester Lage am See zu bieten – trotzdem bleibt das beliebte Bad den ganzen Mai und bis zum 2. Juni geschlossen. Der Grund: akuter Personalmangel.

„Normalerweise könnten wir im Mai unmöglich schließen, aber dieses Jahr liegen Pfingsten und die Pfingstferien im Juni. Deshalb ist die Schließung jetzt im Mai das kleinere Übel“, erklärt die Leiterin der Touristinformation Ruth Höft die Entscheidung. Aber eigentlich hat die Gemeinde ganz andere Sorgen: Zweieinhalb von fünf vollen Stellen im Aquastaad sind nicht besetzt. Seit anderthalb Jahren schreibe man deutschlandweit sowie in der Bodenseeregion Stellen aus und es kämen einfach keine Bewerbungen. Allenfalls fachfremde, also ohne die passende Ausbildung. „Unmöglich in diesem verantwortungsvollen Job. Wir gehen kein Risiko ein. Sicherheit ist für uns das Allerwichtigste“, erklärt die Touristikerin.

„Der Markt ist leergefegt“

Ein stellvertretender Betriebsleiter wird gesucht, Fachangestellte für Bäderwesen und Rettungsschwimmer. „Der Markt ist leergefegt. Aber den umliegenden Bädern geht es genauso“, sagt Ruth Höft.

Jetzt sei erschwerend noch ein vermutlich länger dauernder Krankheitsfall hinzugekommen. „Deshalb bleibt uns momentan nur die Schließung“, bedauert sie. Denn in der Folge seien die Personalgrenzen endgültig überschritten gewesen. Auch Vertretungen seien nicht zu finden.

„Wir tun alles, damit wir im Juni wieder öffnen können“ , versichert Höft jedoch. Mit nur zweieinhalb besetzten Stellen sei die Saison aber nicht zu stemmen. Und der eigene Auszubildende im Betrieb sei eben noch in der Ausbildung. Auf der Suche nach Rettungsschwimmern hat die Gemeinde indes viele Möglichkeiten ausgeschöpft: Bis auf die Regel, dass Rettungsschwimmer über 18 Jahre alt sein müssen, gibt es vor allem viele Vorgaben, die den Einstieg erleichtern sollen. Sogar eine Arbeit in Teilzeit sei möglich. Und auch eine Ausbildung in dieser Funktion für Quereinsteiger werde inzwischen angeboten, so Höft.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) könne dem Aquastaad über den Sommer einen ausgebildeten Rettungsschwimmer zur Verfügung stellen. Warum die Gesamtsituation jedoch so schwierig ist, kann sich die Leiterin der Touristinformation halbwegs vorstellen. „Es ist so ähnlich wie in der Gastronomie, Hotellerie und in anderen Dienstleistungsbereichen – niemand möchte mehr diese Arbeitszeiten auf sich nehmen, abends und am Wochenende in der Hochsaison. Von daher gibt es auch kaum Auszubildende, die den Beruf überhaupt erlernen. Das Baywatch-Image von früher zieht heute nicht mehr“, meint sie.

Dabei könne man im Aquastaad einen ganzjährigen Vertrag anbieten, nicht nur einen befristeten über die Saison. „Wenn ich sehe, wie sehr die Kollegen im Aquastaad ihre Arbeit lieben, verstehe ich gar nicht, warum es so gar keine Interessenten dafür gibt“, wundert sich Ruth Höft.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen