Cimon ist nach 14 Monaten zurück auf der Erde

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Der Nachfolger im Test: Till Eisenberg, Cimon-Projektleiter von Airbus, bereitet Cimon-2 für seinen Einsatz vor.
Der Nachfolger im Test: Till Eisenberg, Cimon-Projektleiter von Airbus, bereitet Cimon-2 für seinen Einsatz vor. (Foto: Airbus/Mathias Pikelj)
Schwäbische Zeitung

Cimon ist zurück auf der Erde: Der mit künstlicher Intelligenz ausgestattete mobile Astronauten-Assistent (Crew Interactive Mobile CompanioN) ist am Dienstag an Bord eines Dragon-Raumschiffs der US-amerikanischen Firma SpaceX zurück auf seinen Heimatplaneten gelangt, teilt Airbus mit. Das Abdocken von SpaceX18 von der Internationalen Raumstation (ISS) erfolgte um 16:59 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, die Landung der Kapsel im Pazifik rund 480 Kilometer südwestlich von Los Angeles und die Bergung der Fracht um 22.21 Uhr.

„Wir erwarten den ersten Cimon Ende Oktober zurück in Deutschland“, berichtet Christian Karrasch, Cimon-Projektleiter im Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), und blickt auf die vergangenen Monate zurück: „Cimon ist ein Technologie-Experiment, das unsere Erwartungen voll erfüllt hat. Bei seiner Premiere im All – einem 90-minütigen Einsatz mit dem deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst auf der ISS im November 2018 – hat er gezeigt, dass er unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit gut funktioniert und erfolgreich mit Astronauten interagieren kann. Wir freuen uns immer noch sehr über den bis heute einzigen Einsatz einer künstlichen Intelligenz auf der Raumstation und arbeiten seit mehreren Monaten an einem verbesserten Nachfolgemodell. Mit dem ersten Cimon konnten wir den Grundstein für soziale Assistenzsysteme im All legen, die Astronauten bei Aufgaben unterstützen und irgendwann vielleicht auch entlasten können.“

Nachfolger derzeit in Testphase

Der zweite Cimon wird – wie der Vorgänger – im Auftrag des DLR Raumfahrtmanagements mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) von Airbus in Immenstaad und Bremen gebaut. Airbus in Immenstaad hat die neue Cimon-Hardware zusammengesetzt und getestet. Bei Airbus in Bremen wird an der Verbesserung der Software für Flugsteuerung und Lageregelung gearbeitet. IBM implementiert neue Funktionen der künstlichen Intelligenz. „Insgesamt gibt es mehrere Upgrades wie bessere Mikrofone, einen robusteren Computer, eine verbesserte Flug- und Lageregelung, neue Software-Features für die Konversation, zum Beispiel bei der Spracherkennung, dem Gesprächsverlauf und der Intention“, sagt Till Eisenberg, Cimon-Projektleiter bei Airbus, über Cimon-2. Matthias Biniok, Projektleiter bei IBM, ergänzt: „Mit Cimon haben wir einen einzigartigen Anwendungsfall in einer extremen Arbeitsumgebung. Und wir haben gesehen, dass wir durch den Einsatz einer KI – in unserem Fall IBM Watson – die Arbeit von Astronauten unterstützen können. Bei der Weiterentwicklung von Cimon geht es für uns vor allem um ein noch besseres Sprachverständnis im Kontext und um linguistische Emotionsanalyse.“

Ethische Fragestellungen beim zukünftigen Einsatz von Cimon werden laut der Pressemitteilung durch Mediziner der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München beleuchtet und evaluiert. Durch die Interaktion zwischen Mensch und Maschine werden Persönlichkeitsrechte berührt, da Bild und Tonmaterial vom Astronauten durch Cimon aufgenommen, verarbeitet und interpretiert werden. Einerseits sind hohe technische Standards im Bereich der Datensicherheit notwendig, andererseits ist bei der Arbeit im Team zwischen Mensch und Maschine das Vertrauen in ein solches System wichtig. Konkret bedeutet dies: was darf Cimon tun, wissen und sagen. „Auch der neue Cimon hat einen eingebauten Schalter, mit dem der Datenstrom aller Kameras und Mikrofone von der ISS aus unterbrochen werden kann. So hat der Astronaut jederzeit die Kontrolle über Cimon, dies war uns besonders wichtig“, betont LMU-Wissenschaftlerin Judith Buchheim.

Momentan arbeite das DLR-Raumfahrtmanagement daran, Cimon-2 im Dezember dieses Jahres auf die ISS zu bringen und Crew-Zeit mit Astronauten zu erhalten.

Cimon-1 war als Technologie-Experiment am 2. Juli 2018 auf der Internationalen Raumstation angekommen. Am 15. November hatte der robotische Assistent, der optisch und namentlich ein wenig an Professor Simon, das fliegende Gehirn aus der Zeichentrickserie „Captain Future“, die Anfang der 80er-Jahre in Deutschland lief, erinnert, seinen weltweit beachteten Einsatz: 90 Minuten lang „arbeitete“ er erfolgreich mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst zusammen. Cimon stellte seine Basisfunktionen unter Beweis – seine Flugeigenschaften in Schwerelosigkeit, er suchte und erkannte zum Beispiel das Gesicht von Alexander Gerst und nahm Augenkontakt auf, sprach mit ihm, zeigte auf seinem „Gesicht“, einem Display in der Mitte des kugelförmigen Körpers, die Anleitung für ein Experiment und spielte Musik ab. Er nahm mit seinen Kameras ein Video und ein Foto von Alexander Gerst auf.

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