Gegen eine B-31-Trasse durchs Niedermoor Michelsried (im Hintergrund) sprechen sich (von links) Peter Hecking, Klaus Lindemann
Gegen eine B-31-Trasse durchs Niedermoor Michelsried (im Hintergrund) sprechen sich (von links) Peter Hecking, Klaus Lindemann (beide BUND) und Fritz Käser (IVI) aus. (Foto: Alexander Tutschner)

Möglichst weit ins Hinterland – so lautete bisher die Devise in Immenstaad, wenn es um mögliche Trassen für den dringend benötigten Ausbau der B 31 zwischen Immenstaad und Meersburg geht. Das Regierungspräsidium Tübingen hat sich mittlerweile auf drei Varianten festgelegt (die SZ berichtete). Der Ortsverband Immenstaad des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) positioniert sich jetzt aus Gründen der Umweltverträglichkeit klar für die Ausbauvariante A, bei der die neue Bundesstraße weiter durch Immenstaad hindurchführen würde. Bei einer Ortsbegehung am morgigen Samstag und einer Informationsveranstaltung im Rathaus am Donnerstag will der BUND seine Position den Bürgern erklären.

„Wir wollen versuchen, die Bevölkerung aufzurütteln, am 12. Februar nach Markdorf zu gehen“, sagt Klaus Lindemann, Vorsitzender der BUND-Gruppe Immenstaad. Jetzt müsse man sich Gedanken machen. Wenn die Bagger anrollen sei es zu spät. Bei der öffentlichen Informationsveranstaltung in Markdorf will das RP den aktuellen Stand der Planungen vorstellen. Man hofft dann, bis Ende 2019 eine abschließende Variantenempfehlung zu haben.

Die beiden Trassenvarianten B und C haben für den BUND von der Umweltverträglichkeit her gravierende Schwachpunkte. Besonders nachteilig für die Natur wäre laut Lindemann die sogenannte B-Variante, die unterhalb des Weingarten-Waldes vorbeiführen würde. Deshalb lädt der BUND am Samstag zur Ortsbegehung ein, „um den Wahnsinn aufzuzeigen, der hier geschehen soll“, wie Lindemann sagt. Bei der B-Variante müsse man bei Frenkenbach mit der Straße über ein Niedermoor gehen. „Für Immenstaad, Kippenhausen und Frenkenbach wäre diese Variante eine Katastrophe“.

Das selbe gelte aber auch für Ittendorf, wenn die C-Variante komme. Diese führe direkt am nördlichen Rand des Weingarten-Waldes vorbei. „Die Natur braucht aber das Vorland“, sagt er, auch hier sei eine vierspurige Straße direkt vor dem Wald, der überregional bedeutend sei, katastrophal. Aus Sicht der Umweltverträglichkeit plädiert der BUND deshalb klar für die Ausbauvariante A. Gleichzeitig fordert die Naturschutzorganisation, dass die Trasse im Zuge des Ausbaus an Immenstaad vorbei komplett tiefer gelegt und mit einem begrünten Deckel versehen wird. An verschiedenen Punkten, etwa Spiegelberg, Hersberg oder Kirchberg solle die Straße in einem Tunnel verlaufen. Lindemann glaubt, dass dadurch auch die Zerschneidung Immenstaads durch die B 31 aufgehoben werden könnte. „Wir wollen keinen Ausbau mit drei Meter hohen Schallschutzwänden, wir wollen eine Untertunnellung“, sagt Lindemann klar. Wenn Ausbauvariante, dann tiefer gelegt: „Wir wollen die Bürger entlasten“. Sollte doch eine der Varianten B oder C am Ende kommen, würde die jetzige Straße laut BUND trotzdem noch befahren werden. „Der lokale Verkehr wird dort verbleiben“, meint Lindemann und man würde dann für immer einen gewissen Lärm haben.

Ins selbe Horn stößt Fritz Käser, Vorstand der Interessensgemeinschaft Verkehrsneuplanung Ittendorf (IVI). „So viel Flächenverbrauch kann man in der heutigen Zeit nicht mehr gut heißen“, sagt er bezüglich der Trassen-Varianten B und C. Eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung des RP habe im vergangenen Jahr ergeben, dass gerade die C-Variante (die an Ittendorf vorbeiführen würde) aus Sicht des Naturschutzes durch oder am Rande entlang von regional und überregional bedeutsamen Gebiete führe. Bei der Ausbauvariante sei dies nicht der Fall. „Vom Umweltgesichtspunkt her wäre die Ausbauvariante weit weniger schädlich“, sagt Käser. „Außerdem würden wir bei den Varianten B und C viel landwirtschaftliches Gebiet zerstören“. Die Ausbauvariante nach den Vorstellungen des BUND würde den Steuerzahler jedoch viel Geld kosten. „Sie ist zwar nicht die billigste Lösung“, gibt Lindemann zu, „den Quadratmeter Land für 40 Euro von den Landwirten zu kaufen, ist natürlich günstiger, als einen Tunnel zu bauen.“ Am Ende müsse man sich aber die Frage stellen, wie viel einem die Landschaft wert ist.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen