BepiColombo steht in den Startlöchern

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 Die BepiColombo-Raumsonde soll ab 2025 den Merkur erforschen.
Die BepiColombo-Raumsonde soll ab 2025 den Merkur erforschen. (Foto: Foto-Montage: Airbus)
Schwäbische Zeitung

Europa macht sich bereit für den Start zum innersten, heißen und geheimnisvollen Planeten: Merkur. BepiColombo, die erste Mission Europas zum Merkur, wird derzeit auf dem europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana auf den Start vorbereitet. Die Trabanten müssen dabei Temperaturen von über 350 Grad standhalten. Den Schutz gegen die infernalische Hitze zu konstruieren, brachte auch die für das europäisch-japanische Gemeinschaftsprojekt federführenden Ingenieure von Airbus in Immenstaad mächtig ins Schwitzen. Auftraggeber des Projekts sind die Europäische Weltraumorganisation ESA und die japanische Raumfahrtagentur Jaxa.

Airbus leitet laut einer Pressemitteilung als industrieller Hauptauftragnehmer ein Konsortium von 83 Unternehmen aus 16 Ländern. Die vierteilige Raumsonde wird im Oktober an Bord der Ariane 5 mit dem Flug VA 245 ihre Reise zum kleinsten und am wenigsten erforschten Gesteinsplaneten in unserem Sonnensystem beginnen. Die 6,4 Meter hohe „gestapelte“ Satellitenkonfiguration wird in eine direkte „Earth-Escape“-Flugbahn gebracht, um ihre siebenjährige Reise zum Merkur anzutreten - danach soll sie spektakuläre Bilder zur Erde senden.

Als Energiequellen nutzt BepiColombo die Anziehungskraft von Erde, Venus und Merkur in Kombination mit dem Schub des solar-elektrischen Antriebs (solar-electric propulsion – SEP), teilt Airbus mit. Während der Reise zum Merkur bilden zwei Orbiter, ein Transfermodul – bestehend aus elektrischen und traditionellen chemischen Antriebseinheiten – und ein Sonnenschild eine gekoppelte Raumsonde. Wenn sie Ende 2025 den Merkur erreicht, trennt das Transfermodul die beiden Wissenschaftsorbiter. Sie werden dann Temperaturen von mehr als 350 Grad ausgesetzt sein und während ihrer vorgesehenen einjährigen Missionszeit, die um ein weiteres Jahr verlängert werden könnte, Daten erfassen.

Erforschung des Merkurs bislang schwierig

Während in Kourou die abschließenden Startvorbereitungen laufen, sind Experten von Airbus maßgeblich an der Simulation der sogenannten Launch and Early Orbit Phase im Europäischen Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt beteiligt. Ein spezielles Projektunterstützungsteam wird beim Start im Europäischen Raumflugkontrollzentrum anwesend sein, um BepiColombo bei seinen ersten „Schritten“ zu unterstützen. Die Erforschung des Merkurs hat sich aufgrund seiner Nähe zur Sonne bisher sehr schwierig gestaltet. Aufgrund der intensiven Sonnenstrahlung können für die detaillierte Untersuchung keine Teleskope genutzt werden und Weltraumsonden haben mit der extremen Hitze und dem Schwerefeld der Sonne zu kämpfen. Bislang haben nur zwei NASA-Missionen den Merkur erreicht: Mariner 10 in den 1970er-Jahren und die Raumsonde Messenger, die den Planeten von 2011 bis zur Erschöpfung ihres Treibstoffvorrats im April 2015 umkreiste.

BepiColombo ist ein Gemeinschaftsprojekt von ESA und JAXA. Die Sonde besteht aus zwei separaten Orbitern, dem von der ESA bereitgestellten Mercury Planetary Orbiter und dem Mercury Magnetospheric Orbiter der JAXA. Die BepiColombo-Mission, die nach dem italienischen Professor Giuseppe „Bepi“ Colombo benannt ist, der maßgeblich am Erfolg der Merkurmission Mariner 10 beteiligt war, soll die Besonderheiten der inneren Struktur des Merkurs und seines Magnetfelds erforschen sowie die Wechselwirkung des Magnetfelds mit dem Sonnenwind. Die Sonde wird die Eigenschaften und die chemische Zusammensetzung der Planetenoberfläche untersuchen und der Frage nachgehen, ob es in den sonnenabgewandten Kratern in den Polregionen Eis gibt. Die Erkenntnisse der Mission werden unser Wissen über die Entstehung unseres Sonnensystems und die Entwicklung sonnennaher Planeten anderer Sonnensysteme erheblich erweitern, heißt es abschließend in der Pressemitteilung.

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