Bauern klagen über Obstdiebstahl

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Die Immenstaader Bauern freuen sich bislang in diesem Jahr über tolles Obst, sie würden die Früchte ihrer Arbeit aber gerne sel
Die Immenstaader Bauern freuen sich bislang in diesem Jahr über tolles Obst, sie würden die Früchte ihrer Arbeit aber gerne selber ernten (von links): Rainer Heberle (BLHV-Vorsitzender), Martin Gommeringer, Klaus Eberle und Hubert Langenstein. (Foto: Alexander Tutschner)

Die Obstbäume am Bodensee versprechen in diesem Jahr eine gute Ernte. Doch die reifen Früchte locken auch ungebetene Gäste an: Einige Menschen sehen die Obstplantagen offenbar als Selbstbedienungsladen an, auch die Bauern in Immenstaad können ein Lied davon singen.

„Ob Beeren oder Kirschen – ohne Zaun geht gar nichts“, sagt Hubert Langenstein. Man müsse sein Obst fast hermetisch abschließen, sagt der Bauer. Es gebe auch professionelle Diebe, die „einen Zaun aufmachen und einzelne Bäume komplett entleeren“. Gerade bei hochpreisigen Früchten wie den Kirschen komme dies vor, das Obst werde dann irgendwo am Straßenrand verkauft. Das seien aber die Ausnahmen. Häufiger werde einfach von Ausflüglern geklaut. In Immenstaad gebe es einige Obstgärten, an denen direkt ein Radweg vorbeiführt. Im Sommer sei der erste Baum der Reihe dann grundsätzlich geleert, meint Langenstein.

Die Hemmschwelle sinkt

„Das Problem nimmt zu“, sagt auch Martin Gommeringer, „die Hemmschwelle bei den Leuten ist heute niedriger.“ Er beobachte das Verhalten immer wieder bei Spaziergängern: „Früher wurde mal ein „Beerle“ mitgenommen, heute reißen sie ganze Ranken weg“, sagt er. Auch Gommeringer hat schon gesehen, wie Diebe eine Wanne Äpfel von seiner Anlage entwendet haben. Obwohl er Bio-Ware produziert, kennzeichnet er das besonders beliebte Obst nicht mehr als solches, „sonst fehlt da noch mehr“, sagt er. Auch Gommeringer schließt zumindest die ersten Reihen mit einem Zaun ein. „Wenn ich die Tafeltrauben nicht einzäune, wird da richtig geklaut.“ Auch Weinblätter, die für den Rebstock wichtig sind, würden einfach abgebrochen und mitgenommen. Der Obst- und Weinbauer spricht jeden gezielt an, den er erwischt, „und ich zeige auch alle bei der Polizei an“, sagt er, „ich stehle ja auch nicht in einem Privatgarten. Und das ist nichts anderes.“ Die offenbar verbreitete Ansicht, „das macht ja nichts, der Landwirt hat ja genügend“ will er nicht akzeptieren. „Jeder meint, er kann sich da bedienen.“

„Mundraub ist für viele selbstverständlich“, sagt Klaus Eberle, seine Plantage liegt an einer hoch frequentierten Straße. Ihm ist der Aufwand zu hoch, jeden Dieb bei der Polizei anzuzeigen. „Wir wollen an die Leute appellieren, das Eigentum zu respektieren“, sagt Eberle. Auch die Gemeinde Immenstaad hat zusammen mit dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) eine Anzeige zum Thema „Mundraub“ im Gemeindeblatt veröffentlicht. Von „Zeitgenossen, die dreist vorgehen und kistenweise Früchte entwenden“, ist dabei die Rede. Es komme deshalb immer wieder zu Polizeieinsätzen. Rainer Heberle ist der Immenstaader Ortsvorsitzende des BLHV. „Die Leute sehen die Arbeit nicht, die wir das ganze Jahr über reinstecken“, sagt er. „Das ist das Ärgerliche, dass die Arbeit nicht wertgeschätzt wird.“

13 Fälle angezeigt

Unter der Bezeichnung „Diebstahl von Erneterzeugnissen“ werden diese Fälle bei der Polizei gespeichert. Man habe keine bedeutende Zunahme zu verzeichnen, sagt Polizeisprecher Markus Sauter. Im Bodenseekreis wurden 2017 13 Fälle angezeigt, 2016 waren es noch elf. Sauter geht aber davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, da viele Fälle eben nicht gemeldet würden. Ohne konkrete Hinweise wie Autokennzeichen sei es schwierig, die Täter zu ermitteln. Sauter bestätigt, dass auch schon größere Mengen an Obst gestohlen wurden.

Auch Hubert Langenstein hat sich schon mit Obstdieben angelegt auf seiner Plantage, ihnen sogar das Fahrrad weggenommen und es bei der Polizei wieder abgegeben. Was natürlich ebenfalls nicht richtig gewesen sei, wie er sagt. „Wenn jemand freundlich zu uns kommt und einen Apfel möchte, bekommt auch jeder einen“, sagt er, kein Landwirt würde so jemand wegschicken. Aber die Unverfrorenheit, mit der sich manche das Obst einfach nehmen, bringt ihn auf die Palme. „Die Leute wissen nicht mehr, was man darf und was nicht“, sagt Landwirt Martin Gommeringer.

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