Astronautinnen trainieren bei Airbus für Raumstation ISS

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Arbeiten mit der „Handschuhbox“ müssen die Astronautinnen Suzanna Randall und Insa Thiele-Eich auch auf der Internationalen Raum
Arbeiten mit der „Handschuhbox“ müssen die Astronautinnen Suzanna Randall und Insa Thiele-Eich auch auf der Internationalen Raumstation beherrschen. Airbus-Mikrogravitations-Experte Wolfgang Soellner kontrolliert die richtige Handhabung. (Foto: Airbus/Mathias Pikelj)
Schwäbische Zeitung

Welche Experimentieranlagen gibt es auf der ISS? Was wird dort aktuell erforscht, und wie profitiert eigentlich die Bevölkerung am Boden von den Ergebnissen der Forschung? Wie funktioniert die Sauerstofferzeugung im All? Diese Fragen und noch vieles mehr werden die beiden deutschen Astronautinnen Insa Thiele-Eich und Suzanna Randall nach ihrem Training bei Airbus in Immenstaad beantworten können. „Dieses Training bereitet uns speziell auf unsere Tätigkeit als Wissenschaftlerin auf der ISS vor“, erklärt Suzanna Randall.

Mit der Absolvierung dieses Trainingsblocks ist ein großer Teil des Basistrainings der Astronautinnen abgeschlossen, teilt Airbus mit. Für 2020 ist der Start des weiterführenden Trainings im Astronautentrainingszentrum der NASA in Houston geplant. Im Frühling 2021 soll eine der beiden Astronautinnen zur ISS starten. Bisher flogen elf deutsche Männer ins All. Jetzt ist die deutsche Politik aufgefordert, ihren Beitrag zur Gleichberechtigung im Weltraum zu leisten und die Finanzierung der Startkosten sicher zu stellen, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. „Der nächste Deutsche im All soll eine Frau sein – insbesondere wenn die Mission aus deutschen Steuergeldern finanziert wird“, stellt die Gründerin der Initiative, Claudia Kessler, fest. „Wir bieten mit unserer Initiative der deutschen Politik die Chance, ein deutliches Zeichen für Frauen in technischen Berufen zu setzen“, ergänzt Insa Thiele-Eich.

Die Forschung auf der ISS reicht von Materialwissenschaften, Fluid-, Quanten- und Astrophysik, Verbrennungsvorgängen über die Lebenswissenschaften mit Medizin, Biologie und Biotechnologie, Astrobiologie, Fernerkundung, Klimatologie, Technologieerprobungen bis hin zu vielfältigen Bildungsinitiativen.

Auf ihre Mission vorbereitet werden Insa Thiele-Eich und Suzanna Randall von dem Astronautentrainer Peter Eichler, der schon seit 2016 das Team „Die Astronautin“ betreut. In Zusammenarbeit mit Airbus hat Eichler das Trainingsprogramm auf die Bedürfnisse der Astronautinnen maßgeschneidert. Airbus unterstützt „Die Astronautin“ seit September 2017 und bringt seine Erfahrung im Betrieb der Raumstation, der Forschungsanlagen auf der ISS und sein Know-how im Astronautentraining in das Programm ein.

Airbus in Friedrichshafen entwickelt und betreibt Forschungsanlagen auf der ISS. So lernten die beiden Astronautinnen beispielweise das Lebenserhaltungssystem ACLS kennen. ACLS ist ein Technologiedemonstrator für Lebenserhaltungssysteme, der bei Airbus für die europäische Weltraumorganisation ESA entwickelt wurde. Die Subsysteme der Anlage entfernen Kohlendioxid aus der Luft, erzeugen neuen Sauerstoff zum Atmen und produzieren Wasser.

Methan ist ein Nebenprodukt, das entweder weiter verwendet werden kann oder über Bord gegeben wird. Mit dem Beginn kommerzieller Raumflüge in der nahen Zukunft müssen die bestehenden Systeme, die auf sechs Astronauten ausgelegt sind, ergänzt werden um die Kabinenluftqualität auch bei vergrößerten Besatzungen zu erhalten. Der Technologiedemonstrator sei ein wichtiger Schritt in der Entwicklung von Lebenserhaltungssystemen mit geschlossenem Kreislauf für astronautische Flüge über den erdnahen Weltraum hinaus, teilt Airbus mit.

Über „Die Astronautin“

Die Initiative „Die Astronautin“ hat zum Ziel, die erste deutsche Frau auf eine Forschungsmission zur ISS zu entsenden. Dort wird sie wissenschaftliche Untersuchungen zu verschiedenen Themen durchführen, unter anderem zur Reaktion des weiblichen Körpers auf Schwerelosigkeit. Die beiden Astronautinnen sind Vorbilder, um Frauen und Mädchen für technische Berufe und ein naturwissenschaftliches Studium begeistern, erklärt Airbus in seiner Pressemitteilung. Die erste deutsche Astronautin ins All zu bringen ist demnach ein herausragendes Engagement für Gleichberechtigung, Diversität und Interdisziplinarität in technologischen Berufen. Sie macht Mädchen und jungen Frauen Mut, MINT-Fächer zu studieren und sich in die Zukunftsgestaltung einzubringen. Es geht aber um weit mehr als die Förderung von Frauen im technischen Bereich. Die Initiative ist von gesellschaftspolitischer Relevanz, denn sie ist Vorbild für Mädchen und Frauen. Sie demonstriert, dass es möglich ist, die eigenen Ziele und Wünsche zu verwirklichen, und sie fordert auf, auch vor scheinbar großen Hürden nicht zurückzuschrecken. Nicht nur in technischen Berufen sind bislang Frauen auf Führungsebene laut Airbus noch unterrepräsentiert, das gilt auch für weite Teile der Wirtschaft. Hinter der Initiative stehen die Stiftung erste deutsche Astronautin gGmbH und das Bremer Raumfahrt-Start-Up Astronautin GmbH. Seit April 2017 arbeitet in Bremen ein Team von mehr als zehn Ingenieuren und Ingenieurinnen daran, die beiden Astronautinnen auf ihre Mission vorzubereiten.

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