32 Glockenschläge zu Mittag

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Beim Wochenmarkt überraschte der Heimatverein die Marktbesucher mit der Feier des Doppeljubiläums der historischen Mannhardt-Tu
Beim Wochenmarkt überraschte der Heimatverein die Marktbesucher mit der Feier des Doppeljubiläums der historischen Mannhardt-Turmuhr im Glaspavillon auf dem Rathausplatz. Von links nach rechts: der Vorsitzende Reinhard König, Uwe Fabry, der beim Heimatverein für die Wartung der Turmuhr zuständig ist, und Bürgermeister a.D. Jürgen Beisswenger, Initiator der Idee, die historische Uhr aus dem Turm zu holen. (Foto: Heidi Keller)
Heidi Keller

Ein „Doppeljubiläum“ zwischen Kopfsalat, Eiern und Frischfleisch feierten die Wochenmarktbesucher am Mittwoch mit dem Heimatverein: Vor 125 Jahren wurde die Mannhardt-Turmuhr in der katholischen Kirche installiert, seit zehn Jahren ist sie im eigenen Glaspavillon auf dem Rathausplatz ausgestellt.

„Mechanik aus dem 19. Jahrhundert verheiratet mit Elektronik des 21. Jahrhunderts“, so beschreibt Uwe Fabry - beim Heimatverein verantwortlich für das Unikat auf dem Rathausplatz - die erfolgreiche Verquickung der Mannhardt-Turmuhr mit der SPS-Steuerung der Seilzüge.

Der verstorbene Mesner der katholischen Pfarrkirche St. Jodokus Josef Rauber kletterte viele Jahre Tag für Tag die Stufen zur Turmuhr hinauf, um sie aufzuziehen. Das übernimmt beim Museumsstück im Glaspavillon auf dem Rathausplatz seit zehn Jahren die Elektronik.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Reinhard König bezeichnete die historische Uhr als „Maybach unter den Turmuhren“. Sie sei beim Kauf 1893 von der Münchner Firma sehr teuer gewesen, gehe dafür aber bis heute nur wenige Sekunde pro Woche falsch. Auch in der Münchner Frauenkirche, im Berliner Dom oder im Vatikan hingen Turmuhren von Mannhardt.

Speziell an der Immenstaader Uhr sei der Viertelstundenschlag mit den Tönen D und C und der Stunden-Nachschlag in A und G mit vier Glocken, was um 12 Uhr 32 Schläge ergebe.

Die industrielle Revolution und die Dampfschifffahrt, so König, hätten die Beschaffung einer Turmuhr notwendig gemacht. Jede Dorfkirche in der Umgebung habe damals eine andere Uhrzeit angezeigt. Um pünktlich zum Dampfschiff zu kommen, habe die Immenstaader Gemeinde schließlich tief in die Tasche gegriffen. Möglicherweise hatte aber auch Kippenhausen einen gewissen Einfluss auf diese Entscheidung, das bereits 20 Jahre zuvor eine Turmuhr gekauft und eingebaut hatte.

König erinnerte daran, dass der verstorbene Vorsitzende des Heimatvereins Dieter Hallmanns, selbst Uhrensammler, das Projekt mit großer Begeisterung voran getrieben habe. Initiator sei der frühere Bürgermeister Jürgen Beisswenger gewesen, der 2002 bei einer Besichtigung des Kirchturms, die dort seit 1981 ohne Funktion verbliebene Turmuhr zum Thema machte. Beisswenger brachte Erfahrungen aus Echterdingen mit bei der Präsentation einer Turmuhr im öffentlichen Raum, Hallmanns kümmerte sich um die Umsetzung.

Eine Firma aus Meißen lieferte damals die Automatisierungstechnik. Die Kosten der Restauration übernahm der Heimatverein.

„Genial gelöst“, so König, habe der inzwischen verstorbene Architekt Hans Veeser die Gestaltung des Glaspavillons für die Uhr an der richtigen Position auf dem Rathausplatz. Die Kosten übernahm die Gemeinde.

Einzigartig im Bodenseekreis sei dieses Schmuckstück und eines von ganz wenigen in Süddeutschland.

Bürgermeister-Stellvertreter Edwin Brügel gratulierte im Namen der Gemeinde zum Jubiläum. Das Glashaus und die Uhr prägten den Rathausplatz. Inzwischen seien sie eines der meistfotografierten Motive in der Seegemeinde. Brügel dankte den Initiatoren des Projekts sowie dem Heimatverein, für die verlässliche Pflege und Wartung.

Weitere Glückwünsche brachte der Bürgermeister-Stellvertreter auch für die Wurstbraterei Ott mit, die seit 70 Jahren, inzwischen in dritter Generation, den Immenstaader Markt bereichere. Musikalische Feststimmung verbreitete das eigens gegründete Volksmusik-Ensemble „Kirchturmuhr-Kapelle“. Mit Applaus bedankt spielte sie nahezu zwei Stunden auf dem Rathausplatz.

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